
Durand-Ruel: Freund und
Förderer
Vorschau auf die Auktion Impressionismus & Moderne vom 26. Juni 2026
Die hier abgebildeten Gemälde verbindet etwas, das über ihren Stil oder ihre Thematik hinausgeht: Alle Künstler wurden vom legendären Pariser Kunsthändler Paul Durand-Ruel vertreten. Er hatte die Kunstgalerie seiner Eltern zu einer Zeit übernommen, in der es nur einen Weg gab, Kunst zu entdecken und zu erwerben: den jährlichen Pariser Salon. Es war ein unverzichtbares Ereignis, das von der gesamten Pariser Gesellschaft besucht wurde. Die Karrieren der Künstler wurden durch die Reaktionen des Publikums und der Presse gemacht oder zerstört. Doch der Salon war bekanntlich äusserst konservativ und stand neuen Kunstströmungen wie dem Impressionismus zunehmend feindselig gegenüber.
Claude
Monet
Waterloo Bridge. 1900/01.
Pastell auf Papier. 31,7 × 48,3 cm.
Schätzung: CHF 350 000/450 000
Durand-Ruel umging das Salon-System und führte ein Konzept ein, das wir heute als selbstverständlich ansehen, damals jedoch kaum Aussicht auf Erfolg zu haben schien. Ab 1870 organisierte er Ausstellungen in London und in seiner Pariser Galerie. In London lernte er Claude Monet kennen, der wie er selbst vorübergehend vor dem Deutsch-Französischen Krieg geflohen war. Monet stellte ihn später Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley, Camille Pissarro und Edgar Degas vor. Obwohl seine Ausstellungen anfangs spektakulär erfolglos waren, kaufte Durand-Ruel weiterhin riesige Mengen an Werken «seiner» Künstler. Er förderte sie unermüdlich, bis er selbst am Rande des Bankrotts stand. Erst nach dem Erfolg einer Ausstellung im Jahr 1886 in New York begann das kaufende Publikum, seinen Künstlerkreis ernst zunehmen.
Pierre Auguste
Renoir
Jeune fille lisant. Um 1890.
Öl auf Leinwand. 41 × 32,4 cm.
Schätzung: CHF 900 000/1 400 000
Federico
Zandomeneghi
Au théâtre. Um 1900.
Pastell auf Papier auf Karton. 45,9 × 37,9 cm.
Schätzung: CHF 60 000/90 000
Die Künstler korrespondierten regelmässig mit ihrem Galeristen, berichteten von ihrem künstlerischen Werdegang und teilten ihm sowohl ihre Erfolge als auch ihre Niederlagen mit. Auguste Renoir erholte sich im Jahr 1888 von einem jahrzehntelangen gescheiterten Experiment: dem Versuch, die Malerei von Ingres mit seinem Werk «Les grandes Baigneuses» neu zu interpretieren. Etwa zu dieser Zeit malte er «Jeune fille lisant», das wir in unserer Juni-Auktion anbieten. Claude Monet war neben Renoir der von Durand-Ruel am meisten geförderte Künstler. Das Pastell «Waterloo Bridge» wurde ursprünglich durch seinen Aufenthalt in London in den frühen 1870er-Jahren inspiriert, während dem er Durand-Ruel kennenlernte. Angeregt durch die Werke Turners und den typischen Londoner Nebel schwor er sich, in die Hauptstadt zurückzukehren und eine Reihe von Ansichten zu malen. Dies gelang ihm schliesslich dreissig Jahre später. Aus dieser Zeit stammt das Pastell «Waterloo Bridge» in unserer Juni-Auktion.
«Ohne Durand-Ruel wären wir alle, wir Impressionisten, verhungert», SAGTE MONET. «Ihm verdanken wir alles.»
Gustave
Loiseau
Péniche sur l’Oise. 1900.
Öl auf Leinwand. 54 × 65 cm.
Schätzung: CHF 120 000/180 000
Gustave
Loiseau
Lavoir sur la Seine à Herblay. 1906.
Öl auf Leinwand. 54,3 × 64,8 cm.
Schätzung: CHF 80 000/120 000
Nicht alle Künstler, die Durand-Ruel vertrat, wurden zu Lebzeiten zu weltbekannten Namen. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sie von ganzem Herzen zu unterstützen. Federico Zandomeneghi war ein politischer Flüchtling aus Venedig, der 1874 in Paris ankam. Durand-Ruel begann in den 1890er-Jahren, seine Werke zu zeigen, darunter in zwei Einzelausstellungen. Heute erkennen wir das stille Genie in seinen Werken, wie zum Beispiel in dem hier gezeigten «Au théâtre».
Ein weiteres Beispiel ist Gustave Loiseau, ein Vertreterder zweiten Generation der Impressionisten. Die beiden hier gezeigten Werke stammen vom Beginn des 20. Jahrhunderts, einer Zeit, in der der Künstler dank Durand-Ruels Anerkennung finanzielle Unabhängigkeit erlangte.
Obwohl sich Monet und andere Künstler manchmal über die politischen Neigungen und Verkaufsstrategien ihres Mäzens beschwerten («Es bedurfte eines Reaktionärs, um unsere Gemälde zu verteidigen, die die Leute vom Salon als revolutionär bezeichneten», schrieb Monet), anerkannten sie die unermüdliche Hilfe des Kunsthändlers und waren ihm zutiefst dankbar. «Ohne Durand-Ruel wären wir alle, wir Impressionisten, verhungert», sagte Monet. «Ihm verdanken wir alles.»

