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拍品 3029 - A138 大师画作 - Freitag, 22. September 2006, 03.00 PM

HIERONYMUS FRANCKEN the Younger

(1578 Antwerp 1623) Still life with coins and ars moriendi. Oil on panel. 51.1 x 65.5 cm. Expertise: Frau Dr. Ursula Härting. Provenance: Swiss Private collection.
Stilleben mit Münzen und ars moriendi.
Öl auf Holz.
51,1 x 65,5 cm.

Gutachten: Frau Dr. Ursula Härting. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Das mir im Original bekannte Gemälde Stilleben mit Münzen und ars moriendi ist ein Werk des Antwerpener Malers Hieronymus Francken II. (1578-1623). Sein ungewöhnliches und unterschätztes Oeuvre aus Stilleben und Kleinfiguren ist bislang nicht ausreichend bearbeitet. Einige ähnliche Stilleben, eigenhändige und Versionen aus dem Atelier der Familie Francken, werden ihm zugeschrieben. Sie datieren vom Ende des 16. und dem frühen 17. Jahrhundert, aus der Zeit als die Gattung der autonomen Stilleben in den südlichen Niederlanden entstand, etwa zeitgleich mit Werken von Osias Beert, Jan Brueghel oder Clara Peeters. Vielleicht ist die Datierung des Gemäldes, ?604, als Aufschrift auf einem Folianten am linken Bildrand angegeben. Mit Sicherheit gehört dieses Gemälde zu dem frühen Werkkomplex erster Stilleben dieser Zeit. Vorn sieht man auf einer Tischplatte Pfandbriefe in einer Spanschachtel, Münzen, Additionen auf Papier und Schiefertafel, eine goldene geflochtene Prunkkette, eine silberne Tazza, einen goldenen Pokal, Geldsäcke und eine runde Dose mit kostbaren Ringen. Dinge, die für den luxuriösen, irdischen Besitz eines reichen und/oder habgierigen Menschen stehen. Im rechten Bildhintergrund erscheinen wie in einem Fensterausschnitt Dämonen, die einen Sterbenden bedrängen. Er hat in Panik und Ungeduld sein Mahl mit den Füssen vom Bett gestoßen. Und diese Szene erläutert die Deutung des reichen Münzstillebens im Vordergrund, denn sie bezieht sich auf die seit dem Mittelalter bekannte Literatur zur Kunst des guten Sterbens (ars moriendi). Mit Sicherheit ist die vorliegende Komposition aus der Kenntnis der illustrierten ars moriendi entstanden. Dort heißt es, dass der Sterbende in seiner letzten Stunde von Dämonen in Versuchung geführt wird. Er soll sich zu Gold und Geld bekennen, damit die Teufel ihn in die Hölle schleppen können. Doch ein guter Mensch soll gelassen den Tod erwarten, sich zum Glauben bekennen und alles irdische Gut hinter sich lassen, wenn er es ohne Habgier erworben hat und nun zum Trost der Familie, ihnen, den Freunden und Armen hinterlässt. So wird er in die Seligkeit eingehen. Aus der mittelalterlichen Sterbeliteratur kennt man Illustrationen des Sterbenden mit Dämonen. Doch erst Hieronymus Francken II malte und verknüpfte die Dämonen-Versuchung mit dem Stilleben zum irdischen Wohlstand. Hieronymus II mag der Inventor, der Erfinder dieser Komposition sein. Wir danken Frau Dr. Ursula Härting für diesen Katalogeintrag

CHF 60 000 / 90 000 | (€ 60 000 / 90 000)

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