MEISTERLICHE
HANDWERKSKUNST
VORSCHAU AUF DIE AUKTION WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS VOM 18. SEPTEMBER 2025
Diese prachtvollen Tierfiguren aus Meissener Porzellan, die um 1742 nach Modellen von Johann Joachim Kändler geschaffen wurden, zeigen Hahn und Henne in lebendiger Natürlichkeit und barocker Eleganz. Der Hahn erhebt den Kopf zum Krähen, während die Henne mit prüfendem Blick auf ihr gerade gelegtes Ei verweist. Die Figuren wurden von Prinzessin Johanna Charlotta von Anhalt-Dessau, Äbtissin von Herford, in Auftrag gegeben und verkörpern nicht nur meisterhafte Kunstfertigkeit, sondern auch höfische Repräsentation sowie die symbolische Bedeutung von Fruchtbarkeit und Wachsamkeit.
HAHN
UND HENNE
Meissen, Modelle um 1742von J. J. Kändler.
H 21,9 cm und 24 cm.
Schätzung:
CHF 30 000 / 35 000
SPÄTGOTISCHE
CHORMANTELSCHLIESSE,
SOG. «MARIENHEFTEL»
Ungarn, Siebenbürgen/Transsilvanien, um 1500/50.Silber teils vergoldet. Ø 11,8 cm.
Schätzung: CHF 14 000 / 24 000
Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen sakraler Goldschmiedekunst zählt eine spätgotische Chormantelschliesse bzw. ein sog. «Marienheftel» aus Siebenbürgen, das um 1500/50 entstanden ist. Das Exponat ist aus Silber, teils vergoldet, und zeichnet sich durch filigrane Bänder und einen komplexen Aufbau aus. Auf mehreren Ebenen erheben sich gotische Gesprenge mit Tierköpfen, die von vier Heiligenfiguren getragen werden. Im Zentrum thront Maria mit Kind, flankiert von Heiligen und eingefasst von Tierdarstellungen, Rosetten und Edelsteinen. Ursprünglich diente die Schliesse wohl als Verschluss eines Pluviales, eines mantelähnlichen liturgischen Gewandes. Vergleichsstücke finden sich im Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim oder im Ungarischen Nationalmuseum.
Die um 1710/15 in Paris gefertigte Kabinett-Pendule Tête de Poupée, die vom Hofuhrmacher Pierre Gaudron signiert wurde, verkörpert den luxuriösen Glanz der Pariser Hofkunst unter Louis XIV. Ihr kartuschenförmiges Gehäuse erhebt sich auf Bronze-Tatzenfüssen und ist meisterhaft mit Boulle-Marketerie in contre-partie aus Messing, Zinn und rotbraun unterlegtem Schildpatt dekoriert. Vergleichbare Stücke finden sich in bedeutenden Sammlungen wie dem Musée de Dijon oder der Royal Collection in Windsor. Ein Gutachten von Prof. Dr. Hans Ottomeyer hebt die vollendete Harmonie von Material und Ornament hervor, die dieses Meisterwerk auszeichnet: «Die singuläre Pendule in so aufwändiger wie kunstfertiger Gestaltung ist ein gelungenes Kunstwerk der Pariser Hofkunst. Die sparsamst gesetzten Schildpattstreifen und filigranen Ornamente sind vollkommen in die ‹Marqueterie› integriert und handwerklich perfekt fugenlos in die Flächen der unterschiedlichen Materialien eingearbeitet.»
Ein prachtvolles Damenbureau mit schwarzen Lackdekor, um 1750/55 in Paris gefertigt und mit Innungsstempel versehen, verbindet französische Eleganz mit dem damals hochgeschätzten goût asiatique. Da die asiatischen Lackarbeiten in Europa sehr gesucht waren, entstand in China eine Produktion für den europäischen Export. Objekte wurden auf Bestellung nach gewissen Vorgaben und Wünschen produziert, die sogenannten «laques d’exportations». Parklandschaften mit Figuren, Gebäuden, Vögeln, Bambus und Schilf entfalten sich als poetisches Panorama. Virtuos gearbeitete, vergoldete Bronzebeschläge verleihen dem Möbel zusätzlichen Glanz. Trotz kleiner Risse und Restaurierungen bleibt das elegante Ziermöbel ein charaktervolles Zeugnis französischer Rokoko-Kunstfertigkeit und exotisch geprägter Geschmackskultur des 18. Jahrhunderts.
PAAR SELTENE
VERMEIL-GIRANDOLEN
Wien, 1796. MeistermarkeIgnaz Sebastian Würth (Wirth).
H ca. 99,5 cm.
Schätzung:
CHF 50 000 / 80 000
SCHREITENDER
BULLE
Florenz, wohl Anfang 17. Jh.Nach einem Modell von Giambologna.
Bronze mit rötlich-brauner Patina.
H 19 cm, L 23 cm (ohne Sockel).
Schätzung:
CHF 15 000 / 25 000
Das Vorbild für diesen schreitenden Bullen wohl aus dem 17. Jahrhundert ist bei einem der berühmtesten Bildhauer der Renaissance zu finden: Giovanni da Bologna, auch Giambologna genannt. Der schreitende Bulle verbindet antike Strenge mit barocker Eleganz. Es lassen sich zwei Typen unterscheiden: eine kraftvoll-naturalistische Version mit massigem Körper und breitem Kopf sowie eine stilisierte, verfeinerte Variante mit schlankeren Läufen und länglichem Kopf. Letztere fand grössere Verbreitung und ist heute in bedeutenden musealen Sammlungen vertreten. Viele dieser Bronzen stammen aus der Werkstatt von Antonio Susini, Giambolognas begabtestem Mitarbeiter. Susini spezialisierte sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf kleinformatige Tierstatuetten. Präzision, Eleganz und ein Sinn für Bewegung machen seine Güsse unverwechselbar. Solche Bronzen waren in ganz Europa begehrt, dienten oft als diplomatische Geschenke der Medici und verkörpern bis heute nicht nur technische Meisterschaft, sondern auch den Glanz und das Prestige einer Epoche, in der Kunst, Macht und Repräsentation untrennbar miteinander verbunden waren.
BRONZEFIGUR
EINES PFERDES
MIT KNABEN
Norditalien, frühes 16. Jh.Severo Calzetta da Ravenna zugeschrieben.
Bronze mit dunkler Patina.
H 23 cm (ohne Sockel).
Schätzung:
CHF 18 000 / 28 000
Eine zweite Bronze aus unserer September-Auktion ist noch ein Jahrhundert älter. Das sich kraftvoll aufbäumende Pferd mit nach rechts gewendetem Kopf und aufgerissenem Maul gehört zu einem Typus, der in bedeutenden Museen vertreten ist. Die Gestaltung des Schweifs, der Mähne und der kraftvoll gespannten Hufe verweist auf antike Pferdedarstellungen oder auch auf die Renaissance-Bronzen von Bertoldo di Giovanni oder Bartolomeo Bellano. Im Gegensatz zu den eher gedrungenen Formen dieser Künstler zeigt unser Exemplar eine naturalistischere Modellierung. Feine Adern zeichnen sich an Bauch und Läufen ab, wodurch eine Nähe zu Werken Andrea Riccios oder Severo da Ravenna erkennbar wird. Ein verwandtes Pferd befindet sich in der Cà d’Oro in Venedig, eine Bronze im florentinischen Museo Nazionale del Bargello. Solche Darstellungen veranschaulichen nicht nur die handwerkliche Virtuosität der Renaissance-Bronzegiesser, sondern auch deren Faszination für Bewegung und Dynamik sowie für antike Vorbilder.










