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KollerView 3-26

ZWEI WERKE
ZWEIER BRÜDER


Vorschau auf die Auktion Gemälde Alter Meister vom 18. September 2026

Pieter Brueghel der Jüngere und sein jüngerer Bruder Jan Brueghel der Ältere waren Mitglieder einer der bedeutendsten Maler-Dynastien Flanderns im frühen 17. Jahrhundert. Auf verschiedene Art traten sie in die Fussstapfen ihres berühmten Vaters Pieter Brueghel dem Älteren (um 1525/30–1569), dessen künstlerisches Schaffen einen Höhepunkt der flämischen Malerei bildet. Pieter Brueghel d. J. führte die von künstlerischen Innovationen geprägte Arbeit seines Vaters in enger Anlehnung an dessen Motivik und Malstil fort. Mit neuen Fassungen von dessen Bildkompositionen begründete er seinen eigenen Ruhm. Im Unterschied dazu legte Jan Brueghel d. Ä. den unmittelbaren Bezug zur Arbeit des Vaters früh ab und entwickelte seinen eigenen, miniaturhaften Stil. Am Ende seines reichen Künstlerlebens zählte er zu den bedeutendsten Kabinettbildmalern Antwerpens.

PIETER
BRUEGHEL D. J.

Das Wirtshaus zum Schwan. Um 1626.
Öl auf Holz. 44 × 62,8 cm.
Schätzung: CHF 600 000/900 000

Das um 1626 zu datierende Gemälde eines Dorffestes im und vor dem Wirtshaus zum Schwan von Pieter Brueghel d. J. lebt von seinen erzählerischen Details. Meisterhaft dargestellte, kleine Episoden illustrieren die ausgelassene Stimmung des Fests: Alle Feiernden haben sich hübsch gekleidet, es wird reichlich getrunken, es gibt manchen Disput und ein Schwein sucht das Weite. Auffallend ist die Farbenfreude, mit der Brueghel die Szenerie und vor allem die Kleider der Dargestellten gemalt hat. Vor dem Hintergrund des Dorfes in unterschiedlichen Brauntönen leuchten die Personen ganz besonders intensiv und ziehen die Blicke auf sich.

Neben der Signatur des Künstlers, der sich ab 1616 «Breughel» schrieb, gibt die Marke des Tafelmachers auf der Rückseite einen wertvollen Hinweis auf die Entstehungsgeschichte des Bildes. Es handelt sich um das Meisterzeichen von Michiel Vrient (1615–1637), der 1615 Meister der Antwerpener Tafelmacherzunft wurde.

Beim Landschaftsbild mit Reisenden von Jan Brueghel d. Ä. fällt die genaue Datierung ungleich leichter, da der Künstler das Gemälde nicht nur signiert, sondern auch mit dem Entstehungsjahr 1606 bezeichnet hat. Das Motiv stammt aus einer kleinen Folge von Malereien, die jeweils eine Gruppe von Menschen in einer idealisierten Landschaft zeigen. In dem Bild auf Kupfer aus unserer September-Auktion begegnen sich verschiedene gesellschaftliche Schichten und es offenbart Brueghels Talent, feinste Details präzise darzustellen. Hier wie beim zuerst beschriebenen Bild gibt die Marke des Herstellers des Bildträgers weiteren Aufschluss. Die von Peter Staas (1565–1616) gefertigten Kupfertafeln zählten zum qualitativ Besten, was Antwerpen für die Maler jener Epoche zu bieten hatte.

JAN
BRUEGHEL D. Ä.

Weg zum Markt. 1606.
Öl auf Kupfer. 29,5 × 44 cm.
Schätzung: CHF 350 000/500 000

JAN
BRUEGHEL D. Ä.

Weg zum Markt. 1606.
Öl auf Kupfer. 29,5 × 44 cm.
Schätzung: CHF 350 000/500 000

Beide Brüder waren Mitglieder der Antwerpener Lukasgilde und ihre Werke erfreuten sich grosser Beliebtheit im Kreis einer wohlhabenden Kundschaft. Während Pieter das Erbe seines Vaters nahtlos fortsetzte und mit einem umfangreichen OEuvre einen vergleichsweise breiten Markt bediente, erfuhr Jan insbesondere durch eine Reise nach Italien neue Einflüsse. Viele Käufer seiner exklusiven und teuren Werke – darunter Landschaften, Blumenbilder aber auch mythologische Szenen und Allegorien – gehörten zur europäischen Aristokratie. Heute befinden sich die Werke der beiden Brüder in den namhaftesten Kunstsammlungen der Welt, von der Eremitage in St. Petersburg bis zum Prado in Madrid, von der Londoner National Gallery bis zum Metropolitan Museum of Art in New York.

Karoline Weser, Koller Auctions

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KAROLINE WESER

Abteilungsleiterin
Gemälde Alter Meister & des 19. Jh.

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