
Das Geheimnis der Formen:
Arp und Magritte
Vorschau auf die Auktion Impressionismus & Moderne vom 26. Juni 2026
Drei Werke in unserer Juni-Auktion gewähren einen Einblick in die schöpferischen Prozesse zweier surrealistischer Künstler: Hans Arp und René Magritte.
Hans Arp begann in den 1930er-Jahren mit der Bildhauerei. Seine Modelle entstanden häufig zunächst in Gips – ein Material, das ihm grössere Freiheit bei der Entwicklung seiner abstrakten, biomorphen Formen ermöglichte. «Das ist das Geheimnis: Meine Hände sprechen mit sich selbst», sagte Arp über seinen Arbeitsprozess. «Zwischen ihnen und dem Gips entsteht ein Dialog, als wäre ich abwesend, als wäre ich nicht notwendig. So entstehen Formen, freundlich und seltsam zugleich, die sich ohne mein Zutun ordnen. Ich nehme sie wahr, wie man menschliche Gestalten in Wolken erkennt.»
«DAS IST DAS GEHEIMNIS: MEINE HÄNDE SPRECHEN MIT SICH SELBST»
Hans (Jean)
Arp
Fruit d’étoile. 1964. Cristallinmarmor.
Unikat «taille directe». 45 × 66 × 45 cm.
Schätzung: CHF 150 000/250 000
© 2026, ProLitteris, Zurich
«Coupe chimérique» entstand 1947, unmittelbar nachdem Arp nach einer vierjährigen Unterbrechung infolge des tragischen Todes seiner Frau Sophie Taeuber-Arp zu seiner künstlerischen Arbeit zurückgekehrt war. Der nach Arps Gipsmodell in Bronze gegossene Entwurf ist typisch für sein Werk, insofern die obere Form gleichsam aus eigenem Antrieb organisch aus dem darunterliegenden Gefäss hervorzuwachsen scheint. Arps Marmorskulptur «Fruit d’étoile» in unserer Juni-Auktion ist besonders faszinierend, da sie zu den nur dreiundzwanzig Werken gehört, die Arp eigenhändig aus Stein gehauen hat. Hier bietet sich die seltene Gelegenheit, den unmittelbaren «Dialog» des Künstlers zwischen seinen Händen und dem Material nachzuempfinden. Die unterschiedlichen Farbtöne und Maserungen des Steins verleihen den Skulpturen eine besondere Lebendigkeit und machen jedes Werk zu einem Unikat.
«MEINE BILDER … RUFEN EIN GEHEIMNIS HERVOR, ...»
René
Magritte
Portrait d’Arlette Magritte. Um 1950.
Öl auf Leinwand. 54,9 × 44,9 cm.
Schätzung: CHF 1 100 000/1 600 000
© 2026, ProLitteris, Zurich
Auf den ersten Blick wirkt im Gemälde «Portrait d’Arlette» alles eindeutig – doch wie so oft bei Magritte verschmelzen Realität und Surrealismus und eröffnen eine Vielzahl möglicher Deutungen. Abgesehen von der Vermutung, die Figur sei von Botticellis «Venus» inspiriert, bleiben die übrigen Elemente – eine Rose, ein Glas, eine Reihe von «Bilboquets» – Teil von Magrittes bewusstem Geheimnis.
«Meine Bilder … rufen ein Geheimnis hervor, und tatsächlich fragt man sich beim Betrachten eines meiner Gemälde diese einfache Frage: ‹Was bedeutet das?›», sagte Magritte. «Es bedeutet nichts, denn das Geheimnis bedeutet nichts – es ist unergründlich.» Wie Arp war auch Magritte überzeugt, dass der Betrachter eine zentrale Rolle für den Ausdruck eines Kunstwerks spielt. «Man fragt manchmal: ‹Was stellt dieses Gemälde dar?› », sagte er. «… der Betrachter selbst stellt das Gemälde dar; seine Gefühle und seine Gedanken repräsentieren das Bild.»
Hans (Jean)
Arp
Coupe chimérique. 1947.
Bronze, poliert. 1/3. H 80 cm.
Schätzung: CHF 130 000/200 000
© 2026, ProLitteris, Zurich
Hans (Jean)
Arp
Coupe chimérique. 1947.
Bronze, poliert. 1/3. H 80 cm.
Schätzung: CHF 130 000/200 000
© 2026, ProLitteris, Zurich

