Lot 164* - A174 Collection d'enluminures italiennes - vendredi, 18. septembre 2015, 13h30
LOMBARDY BOOK ILLUMINATOR, 15TH CENTURY (WORKSHOP OF JACOPO BALSEMO?) Initial N from an antiphonary with the Birth of the Virgin. Vellum. Bergamo(?), ca. 1450-55. 180 x 208 mm. Provenance: - London Sotheby's, 21 June 1994, lot 56. - London Sam Fogg. - 1994, the current collection. Bibliography: - Friedrich G. Zeileis Più ridon le carte (3.ed.), Rauris 2014, pp. 354-355. This stately historiated initial with a lively depiction of the Birth of the Virgin opens the second response to the second nocturn of the Feast of the Birth of the Virgin. Stylistically this initial has echos of the early work of Balsem. Consequently, the author of this initial, painted possibly around 1450-55 may have belonged to an early workshop of Jacopo Balsemo.
Provenienz: - London Sotheby's, 21. Juni 1994, lot 56. - 1994 London, Sam Fogg, danach heutiger Besitz. Bibliographie: - Friedrich G. Zeileis, Più ridon le carte (3.ed.), Rauris 2014, S. 354-355. Die stattliche Bildinitiale N mit der lebhaften Schilderung der Geburt der Jungfrau leitete die zweite Respons der zweiten Nokturn zum Fest der Geburt der Jungfrau (8.September) ein: Nativitas tua, Dei Genitrix Virgo gaudium annuntiavit... Im weiteren Verlauf dieses Gesangs wurde die Geburt der Jungfrau unmissverständlich ins Licht der Heilsgeschichte gerückt, denn an diesem Tag soll - so der Gesang - die Sonne der Gerechtigkeit Christus aufgegangen sein: ... ortus est Sol justitiae, Christus Deus noster, qui solven maledictionem dedit benedictionem et confunden mortem donavit nobis vitam sempiternamim... Darauf ist in der reizenden, mit viel Erzählfreude vorgetragenen Schilderung der Geburt der Muttergottes Bezug genommen. Die Strahlen des "Sol Justitiae" scheinen golden hoch oben über dem Dach des palastartigen Hauses der Anna vom blauen Himmel herunter, wo wir auch das Banner der Auferstehung Christi erkennen. Die Szene selbst spielt im Inneren eines mächtigen rosafarbenen Palastes, der Ausblick in eine reich bewaldete Hügellandschaft gewährt. Dargestellt ist ein Moment nach der Mariengeburt, in dem sich Anna im Bett aufgerichtet hat, um das ihr von einer rotgekleideten Amme dargereichte Töchterchen anzubeten. Eine weitere Amme in blauem Kleid ist am Fussende von Annas Bett erschöpft eingenickt, während eine dritte Helferin vor dem Haus damit beschäftigt ist, die gewaschenen Windeln der Neugeborenen zu trocknen. Umrahmt ist diese häusliche Idylle von der von üppigem Blattwerk überwucherten grünen Initiale, die auf dem goldenen ondulierend konturierten Initialfeld sich effektvoll kontrastiert. Die hier präsentierte Bildinitiale wurde anlässlich ihres Verkaufs in London (1994) zutreffend mit der lombardischen Buchmalerei zur Mitte des 15. Jahrhunderts in Verbindung gebracht, wobei stilistische Zusammenhänge zum sogenannten Maestro Olivetano (Kat. 160) geltend gemacht wurden. Das üppige Blattwerk der Initiale und die unregelmässige Konturierung des goldenen Initialfeldes scheinen mir eher in das Umfeld des sogenannten Meisters des Budapester Antiphonars und dessen "Alter Ego", des Meisters des Franziskaner Breviars, zu weisen. Dies gilt auch für die noch nachhallenden weichen Faltenkadenzen, wie sie im Kleid der schlafenden Amme und im Madonnenmantel ins Auge fallen und aus dem spätgotischen weichen Stil der genannten Buchmaler tradiert zu sein scheinen. Zugleich scheint auch die Integration der Szene, insbesondere der in Untersicht gezeigte Palast mit kassettierter Decke und einen seitlichen Ausblick in eine Landschaft gewährend, Kompositionsprinzipien zu verkörpern, wie sie um 1450 vom Meister des Franziskaner Breviars entwickelt wurden; so etwa in seiner Bildinitiale S mit der Verbildlichung des Pfingst Mysteriums (Venedig, Fondazione Giorgio Cini, Inv. 2207). Aus derselben Tradition geschöpft ist auch das bleiche, eher wenig reliefierte Inkarnat der hier bloss spärlich (und zudem etwas spröde) gezeichneten Gesichter. Die hier geltend gemachte Verbindung zu den genannten Protagonisten der lombardischen Buchkunst um 1450, insbesondere zum Meister des Franziskaner Breviars, weist unmittelbar ins künstlerische Umfeld des in Bergamo ansässigen und dort wirkenden Jacopo da Balsemo der seine Illustratorenkunst wohl im Umfeld der genannten Meister erlernt hatte. Stilistisch zeigt unsere Initiale Anklänge an Balsemos Frühwerk, das in den Statutenbüchern von 1453 und 1454 in der Biblioteca Civica "Angelo Mai" zu greifen ist (vgl. Tesori miniati.Codici e incunaboli die fondi antichi di Bergamo e Brescia, Mailand 1995, S.129, 135-137). Gleich wie der etwas schwache Maestro delle Virtù (Tesori Miniati ...1995, S. 138) könnte der Autor vorliegender, womöglich gegen 1450-55 gemalten Bildinitiale der Werkstatt des frühen Jacopo Balsemo angehört haben.
CHF 8 000 / 12 000 | (€ 8 250 / 12 370)
Vendu pour CHF 15 500 (frais inclus)