Lot 1279 - A140 Mobilier, Porcelaine & Décoration - jeudi, 22. mars 2007, 10h00
PAIR OF CHESTS OF DRAWERS,Louis XVI, Genoa circa 1780. Walnut, burlwood, cherry and local fruitwoods in veneer and finely inlaid with rosettes, cartouches, wave band and frieze. With 2 sans traverse drawers under 2 narrow drawers alongside each other. With later gilt bronze mounts. 125x63x81 cm. Provenance: - formerly Bernheimer collection, Munich. - Château de Vincy, West Switzerland.
Louis XVI, Genua um 1780.
Nussbaum, -wurzelmaser, Kirsche und heimische Früchtehölzer gefriest sowie allseitig ausserordentlich fein eingelegt mit Rosetten, Kartuschen, Mäanderband und Zierfries. Rechteckiger Korpus mit vorstehendem Blatt und profilierten Eckstollen auf gerader Zarge mit sich nach unten verjüngenden Vierkantbeinen. Front mit 2 Schubladen ohne Traverse unter 2 nebeneinander liegenden schmalen Kopfschubladen. Ersetzte, vergoldete Bronzebeschläge. 125x63x81 cm.
Provenienz: - Ehemals Sammlung Bernheimer, München. - Château de Vincy, Westschweiz. Ausserordentlich feines Paar von bestechender Qualität und Eleganz, mit der für den Genueser Raum typischen geometrischen Marketerie. Analoge Kommoden sind Bestand der Sammlungen des Palazzo Reale in Genua und abgebildet in: L. Caumont Caimi, L'ebanisteria genovese del Settecento, Parma 1995; S. 262-266 (Abb. 215, 218, 220 und 222). Genua war im 18. Jahrhundert eine wirtschaftlich und kulturell aufstrebende Stadt, wo noble Familien wie Doria, Brignoni und Sale ihren Reichtum durch prunkvolle Bauten manifestierten und ihre Paläste mit teuerstem Mobiliar einrichten liessen. Als wesentlich erwies sich der Kontakt zu Frankreich. 1684 wurde die Stadt von Louis XIV erobert, was den "stile genovese" prägte, da sich nach dem Edikt von Nantes 1685 viele französische, protestantische Ebenisten in der ligurischen Hauptstadt niederliessen. Die Werke der "bancalari" - so wurden die Genoveser Tischler genannt - zeichneten sich durch die französisch beeinflusste Formensprache, perfekte Konstruktion und Liebe zum Detail aus; auch nicht sichtbare Teile der Möbel wurden akkurat ausgearbeitet und gepflegt. 1751 wurde die Accademia Ligustria gegründet, wo die bedeutendsten Ebenisten, wie zum Beispiel A. Ratti und A. Tagliafichi, ihr Handwerk lernten. Als Meisterarbeiten wurden Kommoden und "ribalte" gefordert, die durch die ausserordentlich elegante Formgebung und das feine Furnier "a motivo di fiore quadrilobato" charakterisiert waren. Lit.: M. Cera, Il mobile italiano, Mailand 1983; S. 112. A. Disertori / A.M. Necchi-Disertori, Il mobile del settecento - Italia; Novara 1985; S. 44-48 (Abb. einer "ribalta"). W. Terni de Gregory, Vecchi mobili italiani, Mailand 1985; S. 161 und 169.
CHF 80 000 / 140 000 | (€ 82 470 / 144 330)
Vendu pour CHF 177 500 (frais inclus)