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Lot 517 - A208 Books & Autographs - Wednesday, 20. March 2024, 02.00 PM

KALENDARIUM -

Kalendarium. Französische Handschrift auf Pergament. Mit 12 grossen farbigen Dornblatt-Initialen auf Goldgrund, unterhalb jeweils Doppelstab-Zierleisten mit Dornblatt-Ranken, 12 farbigen Monatsbildern und 11 farbigen Tierkreiszeichen, ferner mit zahlreichen einzeiligen Blattgold-Initialen auf blauem oder blassrotem Grund.
Paris um 1380/90. 22 × 17,5 cm. Samteinband des 18. Jahrhunderts.

“Ein sehr anmutiges Beispiel eines mit Monatsbildern und Tierkreiszeichen versehenen Kalenders aus Paris, in treffender Weise von einem Meister des 14. Jahrhunderts illuminiert. Kalendarien wie überhaupt Stundenbücher aus der Entstehungszeit dieses Kodex sind recht selten!“ (Eberhard König). - Besonders reizend sind die vielen Details der Monatsbilder, die das Alltagsleben des späten Mittelalters veranschaulichen, so der Haken für die Kochtöpfe über der Feuerstelle (Februar), die Sense mit den beiden Handgriffen (Juni), der bewegliche Dreschflegel (August) u.v.m. - Malweise und Stil der Miniaturen entsprechen der Pariser Buchmalerei in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Charakteristisch sind die etwas gedrungenen Figuren mit breit angelegten, unproportional großen Gesichtern in Deckweiß. Die Zeichnung selbst ist in Braun, die Kolorierung bevorzugt leuchtendes Zinnober, Dunkelblau und Altrosa sowie ein verwaschenes Grasgrün als Bodenfläche für die Figuren (selbst bei den Fischen des Tierkreiszeichens für Februar). „In entsprechender Weise sind eine ganze Reihe von literarischen Handschriften, darunter eine wichtige Gruppe von Rosenromanen, gestaltet; in diesen Rosenromanen ... kommt es zur Ausprägung sehr interessanter Grotesken“ (E. König).
Der vollbesetzte Kalender hebt ausschließlich Heilige hervor, die für Paris (und vereinzelt für Nordfrankreich) charakteristisch sind, darunter Mor (15. Jan.), Nicholas (9. Mai), Eloy (25. Juni und 1 Dez.), Martin (5. Juli), Magdalena (23. Juli), Estienne (3. Aug.), Louys (25. Aug.), Denis (9. Okt.) und Katherine (25. Nov.). Genoveva ist nicht hervorgehoben, jedoch mit 2 Festen vertreten (3. Jan. und 26. Nov.). Auch findet sich in Rot einer der Patrone von Rouen, Saint Ouen (24. Aug.), sowie Saint Quentin (31. Okt.).

Der Kodex war vermutlich Bestandteil eines bedeutenden Pariser Stundenbuchs, das in den 1930er Jahren aufgelöst wurde. Einzelne Miniaturen daraus sind in den nachfolgenden Jahrzehnten im Kunsthandel verkauft worden, so das Blatt mit der Kreuzigung, das sich heute im New Yorker Metropolitan Museum als Nr. 39.81 im Pulitzer Fund befindet (online unter: http://www.metmuseum.org/toah/works-of-art/39.81.4/).

Provenienz: E. König, Leuchtendes Mittelalter V (H. Katalog Tenschert XXX), 1993, Nr. 9. - Sotheby’s 6. Dez. 2001, Lot 15. - Europäischer Privatbesitz.


CHF 40 000 / 60 000 | (€ 41 240 / 61 860)