Lot 1307* - A153 Mobilier, Porcelaine & Décoration - mercredi, 23. juin 2010, 10h00
IMPORTANT COMMODE "AUX ENFANTS", Regence style, after an imperial model by C. CRESSENT (Charles Cressent, maitre 1720), attributed to F. LINKE (Francois Linke, 1855-1946), Paris circa 1900. Purpleheart and rosewood in veneer with exceptionally fine inlays. Slightly salient front with 2 drawers. Exceptionally rich, matte and polished gilt bronze mounts and applications. Light brown, black veined onyx top. 148x62.5x93 cm.
Régence-Stil, nach einem königlichen Modell von C. CRESSENT (Charles Cressent, Meister 1720), F. LINKE (François Linke, 1855-1946) zuzuschreiben, Paris um 1900.
Veilchenholz und Palisander gefriest sowie ausserordentlich fein eingelegt mit Rautenmuster, Diamantspitz und Zierfries. Geschweifter, rechteckiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. In der Mitte leicht gebauchte Front mit 2 Schubladen. Ausserordentlich reiche, matt- und glanzvergoldete Bronzebeschläge und -applikationen in Form von Kindern, Bäumen, Öllampe, Tauben, Rocaillen und Kartuschen. Profilierte, hellbraune, schwarz geäderte Onyxplatte. 148x62,5x93 cm.
Provenienz: Privatsammlung, USA. Das Modell, das der hier angebotenen Kommode als Vorlage diente, gehörte zu den Sammlungen des Hamilton Palace in England, später zu den Sammlungen von A. de Rothschild in Waddesdon Manor. Das Gegenstück war Bestand der Sammlung von A. Ojjeh in Frankreich und wurde bei Sotheby's Monaco am 25.6.1979 (Katalognr. 14) verkauft. F. Linke wurde in Pankraz (Böhmen) als zweites von elf Kindern eines Steinmetzes geboren und gilt als der bedeutendste Pariser Kunsttischler des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. 1868 begann er im Alter von 13 Jahren eine vierjährige Lehre als Möbeltischler, danach arbeitete er bis 1874 als Gehilfe in Prag und zweieinhalb Jahre in Wien, wo er in einer Werkstatt tätig war, die der Innung angehörte. Durch die Wiener Innung erhielt Linke die Einschreibung als Geselle. 1875 kehrte er nach Böhmen zurück, wurde vom Militärdienst freigestellt, wanderte nach Dresden, über Weimar nach Hessen bis nach Mainz. Ende des Jahres verliess Linke Deutschland und reiste nach Paris, wo er sich vermutlich in der Werkstatt des aus Deutschland stammenden Ebenisten Joseph Emmanuel Zwiener anstellen liess. Ab 1877 arbeitete Linke wieder bei seinem alten Lehrmeister Franz Neumann in Reichenberg und fertigte dort im Alter von nur 22 Jahren sein Meisterstück. Gegen Ende des Jahres kehrte Linke nach Paris zurück; seine Räumlichkeiten befanden sich im traditionsreichen Ebenisten-Viertel Faubourg Saint-Antoine und an der vornehmen Place Vendôme. Linkes Haupt-Inspirationsquellen waren königliche Möbel aus der Regierungszeit von Louis XV und Louis XVI. Lit.: D. Ledoux-Lebard, Le mobilier français du XIXe siècle, Paris 1989; S. 439ff. (biogr. Angaben). C. Payne, 19th Century European Furniture, Suffolk 1981; S. 39/40 (biogr. Angaben). Ibid, François Linke, 1855-1946, The Belle Epoque of french furniture; Suffolk 2003.
CHF 60 000 / 90 000 | (€ 61 860 / 92 780)
Vendu pour CHF 72 000 (frais inclus)