Lot 1131* - A157 Mobilier, Porcelaine & Décoration - jeudi, 23. juin 2011, 10h00
TAPESTRY "PSYCHE IMPLORE CERES",Louis XV, monogrammed B.B (for Brussels), signed F.V.D BORCHT (Jean-Francois Van der Borcht, died 1774) and inscribed No 2 P:PSICHE, probably after design drawings by V. JANSSENS (Victor Janssens, 1658-1736), Brussels circa 1726/38. H 330 cm, W 255 cm. With expertise from Professor G. Delmarcel, Antwerp 2011.
Louis XV, monogr. B.B (für Brüssel), sign. F.V.D BORCHT (Jean-François Van der Borcht, gest. 1774) und bez. No 2 P:PSICHE, wohl nach zeichnerischen Vorlagen von V. JANSSENS (Victor Janssens, 1658-1736), Brüssel um 1726/38.
Baumbestandene Landschaft mit sitzender Psyche, Ceres und weiteren Personen sowie Drachen im Hintergrund. Feine Kartuschen- und Blätterbordüre. H 330 cm, B 255 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Monte Carlo. Mit Gutachten von Prof. G. Delmarcel, Antwerpen 2011. Die hier angebotene Tapisserie ist Teil der "Histoire de Psyché", von der 4 weitere Sujets bekannt sind - alle mit der kuriosen Inschrift "Psiche" und einer Nummer versehen. Die Datierung der Entstehungszeit erklärt sich mit dem Jahr 1728, als F. van der Borcht die Tapisserien zu signieren begann und 1738, als J.B. Vermillion - der das gleiche Sujets fertigte - seine Produktion schloss. Als zeichnerische Vorlage darf V. Janssens vermutet werden, von dem analoge Entwürfe bekannt sind; "Renaud et Armida" (1701) oder "Les Hommes Illustres d'après Plutarque" (1711/12). Die Brüsseler Weberfamilie der van der Borcht war tätig im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Jean van der Borcht ist zudem quellenmässig belegt bei einer Serie von Verduren. Sein Zeitgenosse und Verwandte Jacques Ier erheilt im Jahre 1676 ein sog. "privilège" der Stadt Brüssel. Sein Sohn führte die Werkstatt weiter, gebrauchte aber - um sich von den Elaboraten seines Vater zu unterscheiden - eine andere Signatur. Zu den bekannten Sujets dieser Dynastie gehören "Les armes de Guillaume et Marie d'Angleterre", "L'art de la Guerre", Le triomphe des Dieux" der "Achille". Die Szene beruht auf der berühmten Erzählung von Amor und Psyche aus dem lateinischen Roman des "Goldenen Esels" von Lucius Apuleius. Psyche wird von der zornigen Liebesgöttin Venus verfolgt, da ihr Sohn Amor sich eine Sterbliche als Geliebte ausgesucht hatte und sich ihrem Befehl, Psyche mit der Liebe zum lächerlichsten und niedrigsten aller Menschen zu bestrafen, widersetzt hatte. Der von Psyches Schönheit überwältigte Amor kann ihr nicht wiederstehen. Weil sie ihren göttlichen Geliebten nicht sehen darf, erscheint er nur des Nachts. Von ihren Schwestern ermutigt, beleuchtet Psyche Amor und erblickt seine Gestalt. Venus bestraft sie mit schweren Prüfungen. In der hier gezeigten Darstellung wendet sich Psyche in ihrer Verzweiflung an die im Himmel erscheinende Göttin Ceres und bittet sie um Hilfe. Die Darstellung auf der linken Seite zeigt Amor, der nach seinem nächtlichen Besuch, Psyche verlässt. Lit.: G. Delmarcel, La Tapisserie flamande, Paris 1999; S.363f. (biogr. Angaben über die Familie van der Borcht). K. Brosens, The Story of Psyche in Brussels Tapestry c. 1700: new information on Jan van Orley, Jan-Baptist Vermillion and Victor Janssens, in: The Burlington Magazine, CXLVII, (2005); S. 401-406.
CHF 15 000 / 25 000 | (€ 15 460 / 25 770)
Vendu pour CHF 18 600 (frais inclus)