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Lot 3614 - Z34 Estampes & Multiples - samedi, 22. juin 2013, 14h00

ERNST LUDWIG KIRCHNER

(Aschaffenburg 1880–1938 Frauenkirch)
Martin Monsch. 1919.
Farbholzschnitt. Eines von 4 bekannten Exemplaren. Unten rechts signiert: E.L. Kirchner, sowie unten links bezeichnet: Probedruck. Darstellung 34,5 x 29,5 cm auf blauem Vélin 50,2 x 40,5 cm.

Wir danken Herrn Prof. Dr. Gercken für seine wissenschaftliche Unterstützung. Das Werk wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Druckgrafik Ernst Ludwig Kirchners von Herrn Prof. Dr. Günther Gercken unter der Nummer 1073 aufgenommen. Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert. Provenienz: - Direkt vom Künstler durch Frau Anna Boner in Davos erworben. - Durch Erbschaft an den heutigen Besitzer, Privatbesitz Schweiz. Literatur: vgl. Ausst.Kat.: Ernst Ludwig Kirchner. Farbige Druckgrafik, Brücke Museum, Berlin 2008, Paul-Modersohn-Becker-Museum, Bremen 2009. Werkverzeichnis: Dube, Nr. 412b. Kaum ein zweiter Künstler des 20. Jahrhunderts beherrscht die Technik des Farbholzschnittes, wie auch die übrigen Drucktechniken, künstlerisch und technisch so perfekt wie Ernst Ludwig Kirchner. 1917 kommt der schwerkranke und vom Ersten Weltkrieg traumatisierte Ernst Ludwig Kirchner erstmals zu ärztlicher Behandlung nach Davos. Von Lähmungserscheinungen in Beinen und Armen sowie seiner Drogen- und Medikamentensucht gezeichnet, soll die Schweiz ein kurzfristiger Zufluchtsort der Genesung und Erholung sein, wird aber schnell zur neuen Heimat und Motor für eine neue Schaffensphase in seinem Oeuvre. Bereits im darauffolgenden Jahr mietet er das Haus "In den Lärchen", das er als Sommersitz behält. 1921 siedelt seine Lebensgefährtin Erna Schilling endgültig in die Schweiz über, und 1923 ziehen beide in ihr neues Haus auf dem Wildboden bei Frauenkirch. Für Kirchner bietet die Bergwelt Schutz vor dem Krieg. Er klammert sich an die von ihm so positiv empfundene Landschaft, erkundet die neue Umgebung und sucht aktiv den Kontakt mit den Bauern, was ihm über seine psychischen und physischen Probleme einstweilen hinweg hilft. Reidemeister beschreibt Kirchners Weg nach Davos wie folgt: "... nach mannigfaltigen Stationen einer qualvollen Krankheitsgeschichte [hat er] in der Bergwelt des Davoser Tals wieder Wurzeln geschlagen, um dort zum Interpreten einer grandiosen Natur und eines starken, in ihren Rhythmus eingebundenen Menschengeschlechts zu werden." (Ausst.Kat.: Expressionismus in den Bergen, u.a. Kunstmuseum Berlin, 2007, S. 9). Die Bewunderung der naturverbundenen und körperlich hart arbeitenden Bauern drückt Kirchner in dieser Zeit in zahlreichen Holzschnitten aus. In seinem Tagebuch, das er während seiner Davoser Zeit führt, finden sich unzählige Stellen, in denen er seine Begegnung mit den Bauern in enthusiastischen Worten beschreibt. Immer wieder finden sich Einträge zu einzelnen Personen, so auch zu Martin Monsch: "Martin kommt und schwatzt, ob ich schon ein wenig weiter bin?" (Grisebach, Lothar. Ernst Ludwig Kirchner. Davoser Tagebuch, Köln 1997, S. 32). Diese Frage könnte durchaus als Hinweis darauf zu verstehen sein, dass Kirchner an einem Porträt von Martin Monsch arbeitet. Am 26. September 1919 notiert er dann "26. [...]. Holzschnitt Martins, schwarz gelb." (ebenda, S. 53). Das Werk, an dem er gearbeitet hat, ist der vorliegende Farbholschnitt, der Martin Monsch im Halbprofil zeigt. Der Junge hat einen in sich gekehrten Blick und hält ein Buch in der Hand. Hinter ihm erhebt sich die Schweizer Bergwelt, die aber nur schematisch angedeutet ist. Übergross erscheint Monsch vor der alpinen Kulisse, das gesamte Werk dominierend. Meisterlich setzt Kirchner dabei flächige, ruhige Partien wie die Berge oder die Haare gegen dynamische, grob ins Holz geschnittene Flächen wie in Gesicht und Körper oder im Himmel gegeneinander und schafft einen harmonischen und beeindruckenden Holzschnitt. Darüber hinaus steigert er die Qualität dieses zweiten Zustandes durch den gekonnten Einsatz von Farbe: so handelt es sich zwar um einen 2-Farbenholzschnitt - gelb und schwarz - aber durch die Verwendung des blauen Papiers steht ihm eine dritte Farbe zur Verfügung, die er für die Komposition vollwertig nutzt. Die geringe Auflage des Blattes, bisher sind nur 3 weitere Exemplare bekannt, sowie die für Kirchner typische Bearbeitung der Druckstöcke zwischen den einzelnen Abzügen, macht dieses Werk zu einer kleinen Rarität.

CHF 40 000 / 60 000 | (€ 41 240 / 61 860)

Vendu pour CHF 84 000