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Lot 1026* - A155 Furniture, Porcelain & Decoration - Thursday, 02. December 2010, 10.00 AM

PAIR OF MOOR BUSTS,late Baroque, in the style of M. BARTHEL (Melchior Barthel, 1625 Dresden 1672), Venice circa 1880. Black, white and polychrome marble. H approx. 78 cm. Provenance: from a highly important European private collection.

Spätbarock, in der Art von M. BARTHEL (Melchior Barthel, 1625 Dresden 1672), Venedig um 1880.
Schwarzer, weisser und polychromer Marmor. Weibliche bzw. männliche Mohrenbüste mit stilisierter Rüstung. H ca. 78 cm.

Provenienz: Aus einer hochbedeutenden europäischen Privatsammlung. Mohrenbüsten wurden bereits in der Antike hergestellt, waren aber vor allem seit der Renaissance sehr beliebt. Im 17. Jahrhundert fanden sie bei jungen wohlhabenden Edelleuten besonders Anklang, die auf ihrer "Grand Tour" durch Mitteleuropa, Italien und Frankreich reisten und die aus buntem Marmor und Schmucksteinen geschaffenen Skulpturen erwarben. Die wohl erste bedeutende Mohrenfigur ist jene von N. Cordier (Nicolas Cordier, 1567-1612), die für die Villa Borghese gefertigt wurde; später erwarb sie Napoleon, und heute ist sie Teil der Sammlungen des Musée du Louvre. Eine weitere wichtige Büste ist jene des "Antonio Nigrita" (Leiter einer Gesandtschaft von Kongo) in Sta Maria Maggiore, 1608 gefertigt vom römischen Bildhauer Francesco Caporale (tätig um 1600-1620). Im späten 18. und während des gesamten 19. Jahrhunderts waren die Mohrenfiguren wieder äusserst gefragt; sie wurden als dekorative Elemente in den Residenzen zahlreicher Persönlichkeiten und Kunstsammler aufgestellt und sollten wohl den kultivierten Geschmack des Besitzers bezeugen und sein Status als "Globetrotter". Das Mohrenmotiv an sich war vor allem in Venedig sehr beliebt und wurde vor allem in der Ebenisterie weiterentwickelt - wie z.B. von A. Brustolon, der pompöse Möbel mit Mohren fertigte - und zeigte so die kulturelle Verbindung zwischen der Lagunenstadt und dem exotischen schwarzen Kontinent; viele Afrikaner waren nach Venedig emigriert und dort als Pagen, Reitknechte oder Spassmacher tätig. Das hier angebotene Paar unterscheidet sich vom stark idealisiert gestalteten Mohr von N. Cordier vor allem durch die realistische Darstellung und erinnert an eine Büste von M. Barthel, die sich im Art Museum von St. Louis befindet; die detaillierte Ausführung der Gewänder und der Haartracht erinnert an Werke des norditalienischen Bildhauers Santi Cassarini, über dessen Leben es nur wenige Informationen gibt. Bekannt ist nur, dass er im ausgehenden 17. Jahrhundert in der lombardischen/venezianischen Region tätig war. Eine ähnliche Mohrenbüste, M. Barthel zugeschrieben, wurde bei Christie's London am 13.6.2002 (Katalognr. 64) verkauft. Weitere 4 bedeutende, ähnliche Mohren-Büsten waren Teil der Sammlungen von Baron Meyer de Rothschild und wurden in der berühmten "Mentmore"-Auktion von Sotheby's Parke Bernet "in situ" am 18.5.1977 (Katalognr. 225 und 226) verkauft. M. Barthel stammte ursprünglich aus Dresden und begann seine künstlerische Tätigkeit in Süddeutschland, ehe er sich in Rom weiterbilden liess. Danach war er 17 Jahre lang als bedeutender Bildhauer in Venedig tätig. Sein wichtigster Auftrag war das Grabmal von Giovanni Pesaro in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Fari, für das er mehrere grosse Mohrenfiguren fertigte. Später kehrte M. Barthel nach Dresden zurück und war dort als Hofbildhauer tätig. Lit.: S. Pressouyre, Nicolas Cordier - Recherches sur la sculpture à Rome autour de 1600, Paris o.J.; S. 413-415 (Abb. 190-198, die erwähnten Mohren von N. Cordier). A. Bacchi, La scultura a Venezia da Sansovino a Canova, Mailand 2000; S. 692-694 (vergleichende Beispiele). Ibid., Scultura del 600 a Roma, Mailand 2000; S. 792f. (Abb. 271, die Mohrenfigur aus der Villa Borghese).


CHF 40 000 / 70 000 | (€ 40 000 / 70 000)

Sold for CHF 48 000