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MATTIOLI, SILVIO

* 2.2.1929 WINTERTHUR, † 3.4.2011 ZÜRICH

Eisen- und Stahlplastiker.

1945–49 Lehre als Steinbildhauer in Winterthur-Hegi und Besuch der Kunstgewerbeschule Zürich. 1949–1950 Aufenthalt in Paris. Hinwendung zur Malerei; unter dem Eindruck von Vincent van Goghs Malerei entstehen Landschaften, Stillleben und Porträts, die der Künstler jedoch später grösstenteils zerstört. 1950 nimmt sich Hans Aeschbacher Mattiolis an und macht ihn 1951–52 zu seinem Gehilfen in Six-Fours-la-Plage (Var, F) und Zürich. Unter dessen Einfluss wendet sich Mattioli endgültig der Bildhauerei zu. In der Tradition archaisierender Skulptur der 1930er- und 1940er-Jahre entstehen 1951–54 voluminöse Frauentorsi und Tiere in Stein und Holz. Reisen nach Frankreich und Italien. 1953–1968 Atelier in Zürich, 1962–67 zeitweise Zweitatelier in Manerba del Garda in der Nähe von Verona.

Um 1955 gibt Mattioli die Holz- und Steinbildhauerei zugunsten der Eisenplastik auf. 1956 Förderpreis der Eidgenössischen Kunstkommission; 1956, 1961 und 1974 Stipendium des Kantons Zürich; 1960 Conrad Ferdinand Meyer-Preis und Stipendium der Stadt Zürich; 1961 Eidgenössisches Kunststipendium; 1963 Kiefer-Hablitzel-Stipendium. Ab 1969 Wohnhaus und Atelier in Schleinikon. Ab Ende der 1960er-Jahre zahlreiche Grossplastiken im öffentlichen Raum. 2001 entstehen für das Kloster Disentis zwei grosse Kreuze (Kloster, Brandkreuz). 2006 Monumentalplastik für die Fondation Gianadda, Martigny.

Mattioli zählt zu den führenden Schweizer Eisenplastikern der Nachkriegszeit. Die erste Werkgruppe der Zeichen, Flammen und Vögel (1955–1961) umfasst zeichenhafte Raumplastiken mit ausgreifenden Formen. Sie weisen Anklänge an traditionelle Kunstschmiedearbeiten auf und sind aus einer einzigen Eisenplatte zu mehr oder weniger stark verformten Bändern geschmiedet. Die auf Stangen montierten abstrahierten Vögel sind Symbole der überwundenen Erdenschwere, andere geben als Gegenbilder zu Boden gestürzte, verendete Tiere wieder.

Die Arbeiten der späten 1950er-Jahre stellen vom Feuer verzehrte Vögel und Pflanzen dar. In den Dämonen und ironischen Figurationen (1958–1965) nähert sich Mattioli durch das Zusammenschweissen geschmiedeter dünnwandiger Hohlformen wieder der Volumenplastik an. Die Körper der mehrheitlich männlichen Halbfiguren sind in unterschiedlichen Realitätsgraden wiedergegeben und bringen aggressive Grobschlächtigkeit und Lächerlichkeit zum Ausdruck oder stellen mit ihren oft mythologischen oder christlichen Titeln Mahnmale des Scheiterns und Sterbens dar. 1961–1970 ungegenständliche, bio- und anthropomorphe Stelen, Hecken und Wände.

Ab 1966 werden die Stelen zu rhythmisch dynamisierten Hecken und Wänden zusammengestellt. In den Kurven und Diagonalen der 1970er-Jahre verschmelzen technoide und vegetative Elemente zu Raumplastiken. Das Licht erzeugt auf den verschweissten oder verschraubten Werkteilen aus Chrom(nickel)stahl Abstufungen von gleissender Helligkeit bis zu silbrig-grauen Schattenpartien. Mehrere Stützen führen zu einem offenen Kern, von dem Stahlbänder als visualisierte Energie in den Raum vorstossen. Ende der 1970er-Jahre setzt sich Mattioli wieder stärker mit der menschlichen Gestalt auseinander und formt unter dem Eindruck von Werken von Picasso, Naum Gabo, Antoine Pevsner und Rudolf Belling aus Blechteilen Köpfe und tänzelnde Figuren aus der Commedia dell’arte. Die ab Mitte der 1980er-Jahre entstehenden grossformatigen Anthropomorphen und ungegenständlich aufstrebenden Strukturen zeigen oft über einem Kontrapost-Motiv Teilumrisse des Kopfes.

Die Farbe tritt seit dieser Zeit häufig in einem mit Schwarz kombinierten Blau-Rot-Kontrast auf, dem in den 1990er-Jahren Gelb beigesellt wird. In den Grossplastiken aus dieser Zeit, die oft für einen architektonischen Kontext geschaffen werden, sind die Dynamik und der Drang in den Raum zurückgebunden. Zeichen für Gesichtsorgane und technoide Formelemente verweisen assoziativ auf Auftraggeber und unterstreichen die Funktion der Gebäude mit ihrer Formensprache. In den Kleinplastiken der 1990er-Jahre greift Mattioli die Formensprache seiner früheren Werkphasen wieder auf. Die Aquarelle sowie Tusch- und Bleistiftzeichnungen halten erste Formideen fest, entstehen parallel zum plastischen Arbeitsprozess oder variieren bereits ausgeführte Eisenplastiken. Die Werke der 2000er-Jahren sind von Formauflösung und Formauffächerung geprägt (Meditation und Dornenkronze, 2006; Apotheose, 2007) und zeigen eine differenzierte Oberflächenbeschaffenheit. 


SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz

Jochen Hesse, 1998, aktualisiert 2017 https://www.sikart.ch/kuenstlerinnen.aspx?id=4001297



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