Lot 1061 - A214 Works of Art & Decorative Arts - Donnerstag, 18. September 2025, 13.30 Uhr
HERAUSRAGENDE SAMMLUNG VON 312 SIEGELMATRIZEN
13. Jh.–17. Jh. Überwiegend Italien, teils Frankreich und Deutschland.
Verschiedene Metalle graviert und ziseliert, darunter Bronze patiniert, Bronze vergoldet sowie Silber. Die Siegelmatrizen in einem eigens gefertigten Nussbaum-Kasten mit individuellen, durchnummerierten Plätzen für das jeweilige Siegel. Die Schubladen innen mit rotem Samt ausgeschlagen. Kasten: 50 × 37 × 75 cm.
Zusammenfassung nach Typus
Kirchliche Siegelmatrizen:
Kardinal (Nr. 1), Bischöfe (Nr. 2–6), Bischofsamt (Nr. 7), Scriniarius (Nr. 8), Protonotar (Nr. 9), Schreiber (Nr. 10), Kanoniker (Nr. 11–21), Erzpriester (Nr. 22–24), Erzdiakone (Nr. 25–26), Propste (Nr. 27–28), Pfarrer (Pievano) (Nr. 29–31), Prioren (Nr. 32–34), Rektore (Nr. 35), Priester (Nr. 36–42), Kleriker (Nr. 43), Kirchliche Würdenträger unbekannten Ranges (Nr. 44–45), Kirchen (Nr. 46–48), Kapitel (Nr. 49–52), Äbte (Nr. 53–63), Provinzoberer (Nr. 64), Konventualprioren (Nr. 65–67), Mönche (Nr. 68–80), Klöster (Nr. 81–89), Kirchensprüche (Nr. 90–94)
Weltlich-zivile Siegelmatrizen:
Gemeinden (Nr. 95–99), Städte, Ländereien und Burgen (Nr. 100–102), Militärbünde (Nr. 103), Zünfte (104–106), Richter (Nr. 107–112), Notare (Nr. 113–117), Doktoren ius. (Nr.118–119), Pfalzgrafen (Nr. 120–121), Patronat (Nr. 122), Statthalter (Podestà) (Nr. 123)
Familiennamen und persönliche Siegelmatrizen:
Sortiert von A–Z (Nr. 124–274). Darunter Familiennamen wie Pietro Alamanni (Nr. 127), Zanobi di Betto de Bardi aus der gleichen Familie wie der Künstler Donatello (Nr. 141), der Venezianer Francesco Bembo (Nr. 145), der frz. Architekt Jacques Caron (Nr. 158), Fregosino Fregoso, Sohn von Paulo Fregoso, Dogen der Republik Genua (Nr. 182), Cante de Gabrielli, dem Podestà, der die Verbannung Dantes initiierte (Nr. 183), Andrea Loredan (Nr. 216), Federico Pio di Carpi (Nr. 234), Tommaso Todini, Podestà von Florenz (Nr. 263)
Restliche Siegelmatrizen:
Sinnspruch (Nr. 275), symbolisch-piktorale ohne Umschrift (Nr. 276–302), Undefinierbare (Nr. 303–312)
Zusammenfassung nach Typus
Kirchliche Siegelmatrizen:
Kardinal (Nr. 1), Bischöfe (Nr. 2–6), Bischofsamt (Nr. 7), Scriniarius (Nr. 8), Protonotar (Nr. 9), Schreiber (Nr. 10), Kanoniker (Nr. 11–21), Erzpriester (Nr. 22–24), Erzdiakone (Nr. 25–26), Propste (Nr. 27–28), Pfarrer (Pievano) (Nr. 29–31), Prioren (Nr. 32–34), Rektore (Nr. 35), Priester (Nr. 36–42), Kleriker (Nr. 43), Kirchliche Würdenträger unbekannten Ranges (Nr. 44–45), Kirchen (Nr. 46–48), Kapitel (Nr. 49–52), Äbte (Nr. 53–63), Provinzoberer (Nr. 64), Konventualprioren (Nr. 65–67), Mönche (Nr. 68–80), Klöster (Nr. 81–89), Kirchensprüche (Nr. 90–94)
Weltlich-zivile Siegelmatrizen:
Gemeinden (Nr. 95–99), Städte, Ländereien und Burgen (Nr. 100–102), Militärbünde (Nr. 103), Zünfte (104–106), Richter (Nr. 107–112), Notare (Nr. 113–117), Doktoren ius. (Nr.118–119), Pfalzgrafen (Nr. 120–121), Patronat (Nr. 122), Statthalter (Podestà) (Nr. 123)
Familiennamen und persönliche Siegelmatrizen:
Sortiert von A–Z (Nr. 124–274). Darunter Familiennamen wie Pietro Alamanni (Nr. 127), Zanobi di Betto de Bardi aus der gleichen Familie wie der Künstler Donatello (Nr. 141), der Venezianer Francesco Bembo (Nr. 145), der frz. Architekt Jacques Caron (Nr. 158), Fregosino Fregoso, Sohn von Paulo Fregoso, Dogen der Republik Genua (Nr. 182), Cante de Gabrielli, dem Podestà, der die Verbannung Dantes initiierte (Nr. 183), Andrea Loredan (Nr. 216), Federico Pio di Carpi (Nr. 234), Tommaso Todini, Podestà von Florenz (Nr. 263)
Restliche Siegelmatrizen:
Sinnspruch (Nr. 275), symbolisch-piktorale ohne Umschrift (Nr. 276–302), Undefinierbare (Nr. 303–312)
Provenienz:
- durch Erbschaft in heutigen Schweizer Privatbesitz, vom Erblasser in den 50/60er Jahren erworben, mit handschriftlichem Verweis auf Leo Planiscig.
Die vorliegende Siegelsammlung umfasst 312 Exponate, wovon der Grossteil aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt. Die umfangreiche Sammlung ist weder auf eine bestimmte Region noch auf einen bestimmten Siegeltyp beschränkt, wobei sich eine Vorliebe für italienische Siegel herauskristallisiert. Die Vielfalt der Sammlung ist minutiös in einem Begleitdossier fotografiert, inventarisiert und klassifiziert. Gemäss mündlicher Überlieferung sowie handschriftlicher Erwähnung wurde die vorliegende Sammlung vom berühmten Kunsthistoriker Leo Planiscig (1887–1952) zusammengetragen. Ob das Inventar von Planiscig stammt kann nicht sicher bestätigt werden. Die Präzision und die wissenschaftliche Herangehensweise des Dossiers sprechen wohl aber dafür. Gemäss mündlicher Überlieferung wurde die Siegelsammlung, so wie sie in der heutigen Form vorliegt, in den 1950er Jahren erworben und blieb durch Erbfolge im gleichen bedeutenden Deutschschweizer Privatbesitz.
Siegelsammlungen von diesem Umfang sind selten und in mancherlei Hinsicht bedeutend. Eine vergleichbare Sammlung, "The Schøyen Collection of Medieval seal matrices" wurde im Juli 2019 bei Christie’s in London versteigert. Andere wichtige Sammlungen, wie bspw. "Corvisieri" im Palazzo Venezia in Rom oder die reiche Sammlung an Siegelmatrizen im Museo del Bargello sind hier nennenswert. Die hier vorgestellte Siegelsammlung zeichnet sich nicht nur durch die Qualität ihrer Exponate in historischer und künstlerischer Hinsicht aus, sondern auch in Bezug auf die ausgezeichnete Kuration und Inventarisierung, welche wohl auf den Vorbesitzer und vermutlichen Sammler, den bedeutenden Kunsthistoriker Leo Planiscig zurückzuführen ist.
Leo Planiscig wurde 1887 im österreichischen Görz, gelegen an der Verbindungsstrasse zwischen Wien und Venedig geboren. Planiscig studierte in Wien klassische Archäologie und Kunstgeschichte bei Julius von Schlosser, mit besonderem Interesse an den Bildhauern der italienischen Gotik und Renaissance und promovierte mit einer Dissertation zur "Geschichte der venezianischen Skulptur des XIV. Jahrhundert". Planiscig wurde 1914 nach der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, dessen Berater in Kunstfragen er war, zum Kustos des Kunsthistorischen Museums Wien. Wichtige Sammlungskataloge der "Estensischen Kunstsammlung" (1919) sowie der "Bronzeplastiken – Statuetten, Reliefs, Geräte und Plaketten" (1924) waren Früchte dieser Arbeit. 1933 wurde Planiscig zum Direktor der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe ernannt. Neben zahlreichen wichtigen Publikationen zum Thema der Renaissance Plastik, eine Monographie zum bedeutenden Bildhauer Andrea Riccio (1927), beriet der umtriebige Kunsthistoriker auch private Skulpturensammler, was etwa im Katalog der Wiener Sammlung Camillo Castiglione "Collezione Camillo Castiglioni: Catalogo dei Bronzi" (1923) oder im Ersten Teil zur "Sammlung Dr. Albert Figdor" (1930) Niederschlag fand. Die an ein erweitertes Publikum gerichtete Serie von Bildermonographien der bedeutendsten Bildhauer der Renaissance, Donatello, Lorenzo Ghiberti, Lucca della Robbia, Verrocchio, Desiderio da Settignano und Rosselino (zwischen 1939 und 1942) erhöhte die Bekanntheit Planiscig’s über das Fachpublikum hinaus. Diese Monographien verfasst er in Florenz, wohin er 1938 übersiedelte und bis zu seinem Tode 1952 lebte.
Die Siegelkunde, Sphragistik, wurde bereits ab dem 17. Jahrhundert wissenschaftlich betrieben, womit gleichzeitig auch das Sammelinteresse aufkam und sich im Laufe der Jahrhunderte stetig ausweitete und mit verwandten Disziplinen wie der Heraldik und Genealogie in Verbindung gebracht wurde. Siegel vereinen ein Bild, geben Auskunft über den (religiösen bzw. säkularen) Besitzer sowie den sozialen Stand und sind demnach nicht nur wichtige Zeugen der Kulturgeschichte, aber auch der Sozial- und Rechtsgeschichte. Siegelabdrücke haben unterschiedliche Funktionen und kommen als "Untersiegelung" auf Schriften, ferner aber auch als "Versiegelung" und damit als Verschluss von Räumen und Gefässen oder als "Besiegelung" vor, welche auf einem Objekt als Qualitäts- und Herkunftsbeweis wie eine Marke diente. Hierbei ist ein intakter Siegelabdruck essentiell als Beweismittel der Unversehrtheit und unrechtmässiger Öffnung. Wie es das lateinische Wort "Sigillum", übersetzt "Bildchen/Relief", bereits andeutet, repräsentiert ein Siegel den Stempelinhaber. Dies nicht nur in visueller Hinsicht mit Schrift, Bild und Symbolen, sondern auch auf rechtlicher Ebene, wo es als Beweismittel der Echtheit bspw. als Beglaubigungsmittel auf Urkunden diente. Ein augenfälliges Symbol ist ein am Anfang mancher Inschriften aufscheinendes "+", welches den Namen Gottes symbolisiert, der vor allen Handlungen der Christen stehen soll. Dieses Zeichen wurde bereits ab dem 10. Jh. eingeführt.
Der künstlerische Wert dieser Siegel steht dem historischen in nichts nach. Viele weisen eine besondere Präzision in der Ausführung auf, fein in der Gravur und klassisch im Relief, sowohl plastisch wie auch lebendig gestaltet. Die Siegelformen sind ebenso vielseitig wie die -grössen und reichen von rund, oval, spitzoval bis hin zu schildförmig, wobei teils nicht nur eine Vorderseite, sondern auch ein Gegensiegel vorhanden ist.
Im Folgenden werden 23 der wichtigsten Siegelmatrizen präsentiert. Die Beschreibungen und Zuordnungen basieren auf dem kompletten Inventar der 312 Siegelmatrizen, vermutlich erstellt von Leo Planiscig, welches als PDF vorhanden und im Online-Katalog einsehbar ist. Um das komplette Dossier einzusehen, konsultieren Sie bitte die Lotbeschreibung auf unserer Webseite.
1 (1) IOANES.VENETUS.CAR.SANCTI.ALIOR–M.ABBATIE.BALME.COMMDATARE
Ioanes venetus cardinalis sancti (?) abbatiae balme comm(en)datar(ius).
Italien, 15. Jh. Bronze graviert mit Resten einer Vergoldung. Spitzovale Form. H 7,7 cm. Darstellung Hl. Petrus in gotischer Architektur, darunter ein Wappen bekrönt durch Kardinalshut. Wohl Wappen des Kardinals Giovanni Michiel (1446–1503).
Balma – Verweis auf heutiges Baume, Arrondissement Saint-Claude, Frankreich. Altes Kloster, gegründet um die Mitte des 5. Jh., von den Heiligen Romanus und Lupicinus, die dort ihre Schwester, die „Mutter der Jungfrauen“, mit einer Gemeinschaft von 100 Nonnen ansiedelten. Die Basilika, die den Leib des Heiligen Romanus beherbergte, gehörte zu diesem Kloster. Nachdem dieses aufgelöst worden war, wurde es in ein Priorat von Mönchen umgewandelt und erhielt den Namen Saint-Romain-de-Roche, bis heute der Name der aktuellen Kirche. Ein Konvent von San Pietro befand sich auch in Beaume-les-Moines, gegründet Ende des 4. Jh., wiederaufgebaut im Jahr 926; es gehört zur Diözese Besançon. Das Wappen bekrönt durch den Kardinalshut verweist auf Kardinal Giovanni Michiel. Vgl. ein Wappenrelief aus Stein im Kardinalspalast Verona bei der Piazza Vescovado. (Catalogo Bene Culturali, Inv.-Nr. 0500089410).
Giovanni Michiel wurde am 21. November 1468 von seinem Onkel, Papst Paul II. zum Kardinal erhoben. 1471 wurde er zum Bischof von Verona. Er nahm als Kardinal am Konklave 1484 teil, welches Papst Innozenz VIII. wählte (Vgl. Webseite Catholic Hierarchy, Stichwort ‘Giovanni Michiel’).
2 (217) S. IOHIS' DEI GRA–EPI–CI–VITAT. CA–ST(EL)LA
Sigillum Johannis Dei Gratia Episcopi Civitatis Castellanae.
Italien, Ende 14. Jh./Anfang 15. Jh. Bronze dunkel patiniert und graviert. Spitzovale Form. H 5,4 cm. Darstellung der Hl. Muttergottes mit Kind, darunter zwei Heilige in gotischer Architektur. Darunter ein Bischof flankiert von zwei Wappenschilder.
Giovanni degli Arcioni aus Rom wurde am 30. April 1395 von Papst Bonifaz IX. zum Bischof von Civita Castellana ernannt und hatte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1406 inne (Vgl. Webseite Diocesi di Civita Castellana). Während seines Bischofsamts wurde die Kapelle des Hl. Nikolaus gegründet, durch Pietro di Somma aus Neapel, damals Rektor und Gouverneur von Civita Castellana. Der Bischofssitz von Civita Castellana hatte bereits seit 1252 auch den von Gallese in sich aufgenommen; 1437 wurde auch der von Orte hinzugefügt. Der Siegeltyp ist bei italienischen und französischen Kirchensiegeln vom 14. bis zum späten 15. Jh. üblich.
4 (57) PAPYR. DESILVES. EPS: MACER. ET. TOLEN
Papyrius De Silvestris Episcopus Maceratae et Tolentini.
Italien, 17. Jh. Bronze fein graviert. Runde Form mit rückseitigem, mächtigem Kolbengriff. Ø 4,9 cm. Darstellung einer Wappenkartusche mit Skorpion-Emblem bekrönt von Prälatenhut, Kordelwerk und zwei Putten.
Papirio Silvestri (1592–1659), ein Adliger aus Cingoli, war Berater der Römischen Inquisition, bekannt für seine Frömmigkeit, seine sittliche Integrität und seine Gelehrsamkeit. Er wurde von Papst Urban VIII. am 14. Juli 1642 zum Bischof von Macerata und Tolentino ernannt. Zur gleichen Familie gehörte Francesco Silvestri, Bischof von Florenz von 1323 bis 1341. Der Bischofssitz von Tolentino war 1586 mit dem von Macerata vereinigt worden.
5 (146) +S.FRIS. IOHIS. DEI.G-RA. EPI. VULTURARIESI
Sigillum Fratris Iohannis Dei Gratia Episcopi Vulturariensis.
Italien, 14. Jh. Bronze dunkel patiniert und graviert. Spitzovale Form mit rückseitigem, verdicktem, und geschweiftem Mittelgrat sowie später graviert S. CLARE. H 6 cm. Darstellung der Hl. Muttergottes mit Kind, darunter ein hl. Bischof sowie Johannes der Täufer in gotischer Architektur, darunter ein kniender Bischof.
Bruder Giovanni di Montepulciano, ein Toskaner aus dem Orden der Eremiten des Hl. Augustinus, Doktor der Theologie, wurde am 28. März 1353 von Papst Innozenz VI. zum Bischof von Vulturara ernannt und blieb dies bis 1359. Der Bischofssitz Vulturara war seit 969 dem von Benevent unterstellt; 1433 wurde ihm der von Montecorvino angegliedert.
6 (224) +S FRIS NICOLAY EPIECLE YSERNIESIS
Sigillum Fratris Nicolay Episcopi Ecclesiae Yserniensis.
Italien, 13. Jh. Frühes Bischofssiegel. Bronze dunkel patiniert. Spitzovale Form. H 4,6 cm. Darstellung eines frontal stehenden Bischofs.
Drei Bischöfe mit dem Namen Nikolaus aus dem Bischofssitz von Isernia sind bekannt: Einer hatte das Amt von 1258 bis nach 1263 inne; ein Zweiter von 1376 bis 1379 und ein Dritter, ein Mönch des Benediktinerordens, war zunächst Bischof von Gaeta, wurde aber am 14. Mai 1404 erneut nach Isernia versetzt und starb unter Papst Johannes XXIII. Der Typus des Siegels mit einem frontal stehenden, Mitra-tragenden Bischof wird ab der 2. Hälfte des 13. Jh. zunehmend seltener. Daher ist es wahrscheinlich, dass der erste der drei genannten Bischöfe der Inhaber des Siegels war.
7 (13) +S VICARIATVS EPATVS CONCORDIEN
Sigillum Vicariatus Episcopatus Concordiensis.
Italien, 14. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Runde Form. Ø 4,6 cm. Darstellung des Hl. Stephans auf Rautengrund.
Vikariatsiegel des Bistums Concordia. Concordia Sagittaria (heute in der Provinz Venedig) war ein Bischofssitz zur Zeit der Langobarden, dem patriarchalen Titel von Aquileia und später Grado bis zum Ende des 6. Jh. zugeordnet. Danach blieb es der Jurisdiktion von Aquileia unterstellt, mit der es weiterhin verbunden war. Der Titel wurde 1585 nach Portogruaro verlegt. Die Kathedrale von Concordia ist dem Heiligen Stephanus geweiht.
9 (56) (AE)NEAS.TVRRIVS.I.V.D.CAN.ARRET.ET.PROTH.APLICVS.
Aeneas Turrius Iuris Utriusque Doctor Canonicus Arretinus et Prothonotarius Apostolicus.
Italien, 17. Jh. Bronze graviert. Runde Form, balusterförmiger Griff mit Gegensiegel. Front mit Darstellung einer Wappenkartusche mit Turm auf 6 Wabenhügeln, bekrönt von einem Prälatenhut sowie flankiert von Kordeln und Arabesken. Gegensiegel oval, gleiche Darstellung. Front Ø 4,1 cm, Verso H 2,7 cm.
Der Besitzer dieses Siegels war ein hoher Beamter und Würdenträger, wie die zahlreichen Tituli zeigen. Jener Aeneas Turrius besass einen Doktortitel, war Kanoniker (Mitglied des Domkapitels) des Domkapitels Arretinus (ital. Arrezzo) und apostolischer Protonotar. Das Wappen mit dem Turm ist eine Anspielung an den Nachnamen Turrius.
27 (27) +S’ ALESII*TRVLIE*PPOSITI*SCI*GEORGI*INPALLATIO
Sigillum Alesii Trulie Praepositi Sancti Georgii in Pallatio.
Italien, Mailand, 14. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Spitzovale Form. H 5,4 cm. Darstellung eines berittenen Hl. Georgs zu Pferd einen Drachen mit seiner Lanze tötend, darunter ein Wappenschild zweigeteilt mit Adler und Sternen.
Die Kirche San Giorgio al Palazzo in der Via Torino in Mailand ist eine der ältesten Kirchen der Stadt. Die Ursprünge der Kirche reichen ins 8. Jh. zurück, gegründet vom heiligen Natale, Bischof von Mailand, in den Jahren 746–747; die heutige Kirche wurde am 15. Januar 1129 geweiht. 14. Jh. Der Inhaber des Siegels, Propst ‘Alesius Truli’ konnte bisher nicht ermittelt werden.
48 (201) +S SANCTE MARIE SANCTIQVE THEOBALDI METENSIS
Sigillum Sancte Marie Sanctique Theobaldi Metensis.
Frankreich, Metz, 2. Hälfte 13. Jh. Bronze graviert und dunkel patiniert. Spitzovale Form. H 6,6 cm. Darstellung mit Thronender Muttergottes und Jesuskind auf dem Schoss, flankiert von zwei Engeln, darunter ein Betender auf Knien.
Metensis bezieht sich auf Metz, Suffraganbistum zunächst von Trier, später von Besançon. Die Jungfrau erscheint auch auf dem Siegel des Domkapitels von Metz (vgl. Roman, Manuel de sigillographie française, Paris 1912, S. 172). Ein weiteres Exemplar ist aus der Sammlung Abbé Jobal bekannt (Auktion Sotheby’s London, 6.7.2021, Lot 20). Unser Siegel dürfte auf die nicht mehr erhaltenen Kirchen Sainte-Marie (zerstört 1833) sowie die Kapelle Saint-Thiébault (zerstört vor 1740) zurückzuführen sein.
51 (206) +S CAPITVLI SCI GRISOGONII
Sigillum Capituli Sancti Grisogoni.
Wohl Kroatien, Anfang 14. Jh. Bronze graviert. Runde Form. Ø 5,3 cm. Darstellung Hl. Jakob und Hl. Grisogonus einander zugewandt, darunter in gebrochener Zeile bez. S ANASTASIA und die kniende, betende Hl. Anastasia. Zwischen den beiden Heiligen drei Sterne.
Die Darstellung der hl. Anastasia lässt vermuten, dass es sich um die Kirche S. Grisogono in Zara (heutiges Zadar, Kroatien) handelt, wo diese Heilige als Patronin der Kathedrale verehrt wird. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass es sich um die römische Kirche des Hl. Grisogonus handelt, da der Kult dieses Heiligen laut Legende im 6. Jh. in Rom entstand und ihn mit dem Martyrium von vier Heiligen verbindet, darunter Anastasia. Es handelt sich um ein besonders wertvolles Siegel aufgrund seiner feinen Ausführung.
53 (6) +S. PRIS. BLASI(AB) BIS–MON–SCE. TRINITATIS. DE. FLOR(EN)
Sigillum Prioris Blasii Abbatis Monasterii Sanctae Trinitatis De Florentia.
Italien, Florenz, Ende 15. Jh./Anfang 16. Jh. Bronze dunkel patiniert im Relief gearbeitet. Spitzovale Form. H 6 cm. Darstellung einer Hl. Dreifaltigkeit in frontaler Ansicht. Thronender Gottvater, davor Jesus am Kreuz und die Taube, bekrönt von einer Mitra. Unten ein kniender Mönch.
Don Biagio Milanesi, General des Vallombrosani-Ordens, Biograph, starb 1505. Verfasser einer Denkschrift über verschiedene Werke bzw. der Geschichte seines Ordens. Handschrift befindet sich angeblich im Archiv von Vallombrosa. Ein Porträt von ihm, ein Werk von Pietro Perugino, befindet sich in den Uffizien.
56 (60) S.MARTINI (x) ABBATIS.SCTI.PETRI.A GERIN
Sigillum Abbatis Martini Sancti Petri Agerinensis.
Spanien, Katalonien, 15. Jh. Bronze teils unleserlich graviert. Spitzovale Form mit rückseitigem, geschwungenem Bügelgriff. Grösstes Siegel der Sammlung. H 9,2 cm. Darstellung stehender Hl. Petrus in gotischer Architektur, darunter ein durch Mitra bekröntes Wappenschild.
San Pedro d’Àger (Sant Pere d’Àger), Benediktinerkloster in den Bergen von Urgell (Lleida), wurde im 11. Jh. vom Vizegrafen von Castellbò, Arnald Mir de Tost, gegründet, der den Arabern das Gebiet dieses Fürstentums abnahm. In der Liste der bekannten Äbte dieses Klosters ist jedoch kein Abt namens Martin aufgeführt. Ein ebenfalls Aggerinensis genannter Konvent bestand auch in Enger bei Erfurt in Sachsen, Bistum Mainz, gegründet 990; doch ist es wahrscheinlicher, dass unser Siegel zu ersterem Kloster gehört.
102 (210) + VRBIS ME DIGNV ASISII NOSCI(TE) SIGNV
Urbis Me Dignum Asisii Noscite Signum.
Italien, Assisi, 13. Jh. Altes Stadtsiegel von Assisi. Bronze graviert. Spitzovale Form. H 5,8 cm. Darstellung eines steigenden Löwen.
Es ist das alte Wappen von Assisi, bevor es im ersten Feld durch ein lateinisches Kreuz geteilt wurde. Die Umschrift ist ein sog. „versus leoninus“, ein Vers, bei dem die letzte Silbe des zweiten Halbverses mit der des ersten reimt. Viele italienische Städte hatten ihren eigenen „leoninus“ als geschichtliches, politisches, religiöses oder lobendes Stadtmotto.
120 (2) +S.ANTONII.DE.PRIIOLIS.I.PERIALIS.COMITIS.PALATINI.P.V.
Sigillum Antonii De Priiolis Imperialis Comitis Palatini Procuratoris Veneti.
Italien, Venedig, 17. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form mit rückseitigem Henkel gestaltet als Delphin. Ø 4,2 cm. Darstellung eines Wappenschilds mit Prunkzier in Form eines Greifenkopfs.
Antonio Priuli (1548–1623) entstammte einer seit 1297 in Venedig belegten Familie, welche durch Landbesitz und Handel zu einem grossen Vermögen gelangte. Er belegte ab 1603 als Prokurator von San Marco das zweithöchste Amt der Republik Venedig und regierte danach vom 5. April 1618 bis zu seinem Tod am 12. August 1623 sogar als Doge von Venedig. Zuvor war Antonio Priuli wesentlich an den Verhandlungen mit den Habsburgern zu einer Beendigung des Uskoken-Kriegs beteiligt, der 1617 mit Erzherzog Ferdinand im Vertrag von Madrid besiegelt wurde. Die vorliegende Siegelmatrize verweist in die Zeit als Priuli noch Prokurator von San Marco war. Das Wappen der Familie Priuli ist geteilt: oben rot, unten golden und blau gestrichelt.
121 (10) R D P FRANCISCI.COMITIS.PALATINI.VERFIGURA.PORCELINO.NOBILI.D.GENTE.CREATI
Sigillum Francisci Comitis Palatini Veronensis Figura Porcelinorum Nobili De Gente Creati.
Italien, 17. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Runde Form mit Öffnung oben, rückseitiger Griff in Form eines Blütenkelchs. Ø 6,3 cm. Detailreiche Darstellung mit drei Wappenschilde, das Mittlere mit einem Ferkel überhöht von Prunkzier in Form eines Leoparden (?). Flankiert von einem Papstwappen mit gekreuzten Schlüsseln bekrönt von der Papst-Tiara sowie einem Wappen mit Doppeladler mit weltlicher Krone. Die Umschrift in einem geschwungenen Spruchband.
Beim unteren Wappen mit dem Ferkel handelt es sich wohl um einen gewissen Pietro Francesco Porcelli, der um 1650 in Fiesole bekannt war. (Vgl. Steinrelief in Fiesole mit identischem Wappen, Catalogo generale dei Beni Culturali Inv.-Nr. 0900007441).
123 (8) +S.NICHOLAI.BADU(AR)IO.POT.P(AR)ENCII
Sigillum Nicholai Baduario Potestatis Parencii.
Italien, wohl Venedig, 14. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,7 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch.
Nicolò Badoero war Bürgermeister von Parenzo. Ein Nicoleto Badoero war 1362 unter dem Dogen Lorenzo Celsi Münzmeister in Venedig.
145 (3) +S FRANCISCI PENPO
Sigillum Francisci Bembo.
Italien, Venedig, 15. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,5 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild der Familie Bembo.
Eine der wichtigen venezianischen Familien. Ihr Wappen zeigt ein goldenes Schrägdreieck auf blauem Grund, begleitet von drei goldenen Rosen. Francesco di Giovanni Bembo war eine zentrale politische Figur der venezianischen Geschichte: 1397 Heerführer gegen Gian Galeazzo Visconti Herzog von Mailand, 1400 Podestà Paduas, 1405 Flottenkommissar im Golf, 1411 Hauptmann in Padua, 1422 Kommissar in Verona, 1425 Statthalter von Friaul, 1426 Oberbefehlshaber am Po und Teilnehmer an der Seeschlacht von Ancona gegen Mailand. Ab 1427 verliert sich seine Spur (Vgl. Silvano Borsari: “Francesco Bembo”, in Dizionario biografico degli italiani, Bd. 8, Rom, Istituto dell'Enciclopedia Italiana, 1966).
173 (9) +SIGILVM.TOME.DE.MOLINO
Sigillum Tome de Molino.
Italien, Venedig, 2. Hälfte 14. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,4 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild der Familie Molin.
Ebenfalls eine wichtige venezianische Patrizierfamilie, die beispielsweise Francesco Molin (1575–1655) als Dogen von Venedig hervorbrachte.
184 (7) +SIGILVM.IACOBI.GEORGIO
Sigillum Iacobi Georgio
Italien, Venedig, 2. Hälfte 14. Jh. Bronze poliert und graviert. Runde Form. Ø 4,2 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild wohl der Familie Zorzi.
Die Familie Zorzi war ein venezianisches Dogengeschlecht. Das Wappen ist silbern mit einem roten Balken. Marino Zorzi war der 50. Doge Venedigs in den Jahren 1311–1312. Ein Iacopo ist nicht direkt bekannt, dürfte aber in die 2. Hälfte des 14. Jh. gehören. Die Ursprünge der Familie reichen bis zur Gründungsgeschichte der Stadt Venedig zurück. Viele ihrer Mitglieder bekleideten hohe Ämter.
204 (21) +SIGILVM ANDREA LAVREDANO
Sigillum Andrea Loredano.
Italien, Venedig, 15. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,5 cm. Darstellung des geflügelten, nimbierten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild der Familie Loredan.
Wiederum wichtige venezianische Familie. Es ist nicht eindeutig welches Familienmitglied der Loredan gemeint ist. Das Begleitdossier zitiert Andrea Loredan, der scheinbar 1498 gegen das türkische Heer kämpfte. Es sei wahrscheinlich, dass dieser Andrea Loredan in der Büste eines jungen venezianischen Edelmanns zu erkennen sei, die sich im Museo Correr befindet und Andrea Riccio zugeschrieben wird. Ob es sich bei unserem Siegel um dasjenige des bekannten Andrea Loredan (1440–1513), dem Kunstsammler, handelt, sei dahingestellt.
263 (262) +S.DNI.TOMASSI.DE.TODENIS.DE.ANCONA
Sigillum Domini Tomassi De Todenis De Ancona.
Italien, Florenz, 14. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Runde Form. Ø 4 cm. Darstellung einer sechsbögigen Kartusche mit Prunkwappen gekrönt von einem Mischwesen.
Tommaso Todini di Ancona war für kurze Zeit im ersten Halbjahr 1364 Podestà von Florenz.
273 (202) S VINCENCII.IOANNE.DE.VIPP-HEN-BERG.DNI.PP.PRIS
Sigillum Vincencii Ioanne De Vipphenberg Domini Papae Procuratoris.
Wohl Deutschland, Ende 15. Jh. Bronze dunkel patiniert und graviert. Spitzovale Form. H 6,2 cm. Darstellung der stehenden Hl. Muttergottes mit Jesuskind im Arm flankiert vom Hl. Petrus und Paulus in gotischer Architektur. Darunter eine thronende Figur mit Zepter sowie eine kniende Figur flankiert von einem Wappenschild mit steigendem Löwen.
Dieser Siegeltyp findet sich bei bischöflichen Siegeln des 16. Jh. Unser Exemplar ist jedoch aufgrund der Schriftformen und weiteren Merkmale auf das späte 15. Jh. zu datieren. Die geografische Verortung bleibt diffizil. Evtl. ist die Stadt Pfaffenberg im Schwarzwald gemeint.
300 (211) Ohne Schrift
15. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,5 cm. Darstellung eines nach links schreitenden Löwen mit umlaufendes Dekorband.
Siegelsammlungen von diesem Umfang sind selten und in mancherlei Hinsicht bedeutend. Eine vergleichbare Sammlung, "The Schøyen Collection of Medieval seal matrices" wurde im Juli 2019 bei Christie’s in London versteigert. Andere wichtige Sammlungen, wie bspw. "Corvisieri" im Palazzo Venezia in Rom oder die reiche Sammlung an Siegelmatrizen im Museo del Bargello sind hier nennenswert. Die hier vorgestellte Siegelsammlung zeichnet sich nicht nur durch die Qualität ihrer Exponate in historischer und künstlerischer Hinsicht aus, sondern auch in Bezug auf die ausgezeichnete Kuration und Inventarisierung, welche wohl auf den Vorbesitzer und vermutlichen Sammler, den bedeutenden Kunsthistoriker Leo Planiscig zurückzuführen ist.
Leo Planiscig wurde 1887 im österreichischen Görz, gelegen an der Verbindungsstrasse zwischen Wien und Venedig geboren. Planiscig studierte in Wien klassische Archäologie und Kunstgeschichte bei Julius von Schlosser, mit besonderem Interesse an den Bildhauern der italienischen Gotik und Renaissance und promovierte mit einer Dissertation zur "Geschichte der venezianischen Skulptur des XIV. Jahrhundert". Planiscig wurde 1914 nach der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, dessen Berater in Kunstfragen er war, zum Kustos des Kunsthistorischen Museums Wien. Wichtige Sammlungskataloge der "Estensischen Kunstsammlung" (1919) sowie der "Bronzeplastiken – Statuetten, Reliefs, Geräte und Plaketten" (1924) waren Früchte dieser Arbeit. 1933 wurde Planiscig zum Direktor der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe ernannt. Neben zahlreichen wichtigen Publikationen zum Thema der Renaissance Plastik, eine Monographie zum bedeutenden Bildhauer Andrea Riccio (1927), beriet der umtriebige Kunsthistoriker auch private Skulpturensammler, was etwa im Katalog der Wiener Sammlung Camillo Castiglione "Collezione Camillo Castiglioni: Catalogo dei Bronzi" (1923) oder im Ersten Teil zur "Sammlung Dr. Albert Figdor" (1930) Niederschlag fand. Die an ein erweitertes Publikum gerichtete Serie von Bildermonographien der bedeutendsten Bildhauer der Renaissance, Donatello, Lorenzo Ghiberti, Lucca della Robbia, Verrocchio, Desiderio da Settignano und Rosselino (zwischen 1939 und 1942) erhöhte die Bekanntheit Planiscig’s über das Fachpublikum hinaus. Diese Monographien verfasst er in Florenz, wohin er 1938 übersiedelte und bis zu seinem Tode 1952 lebte.
Die Siegelkunde, Sphragistik, wurde bereits ab dem 17. Jahrhundert wissenschaftlich betrieben, womit gleichzeitig auch das Sammelinteresse aufkam und sich im Laufe der Jahrhunderte stetig ausweitete und mit verwandten Disziplinen wie der Heraldik und Genealogie in Verbindung gebracht wurde. Siegel vereinen ein Bild, geben Auskunft über den (religiösen bzw. säkularen) Besitzer sowie den sozialen Stand und sind demnach nicht nur wichtige Zeugen der Kulturgeschichte, aber auch der Sozial- und Rechtsgeschichte. Siegelabdrücke haben unterschiedliche Funktionen und kommen als "Untersiegelung" auf Schriften, ferner aber auch als "Versiegelung" und damit als Verschluss von Räumen und Gefässen oder als "Besiegelung" vor, welche auf einem Objekt als Qualitäts- und Herkunftsbeweis wie eine Marke diente. Hierbei ist ein intakter Siegelabdruck essentiell als Beweismittel der Unversehrtheit und unrechtmässiger Öffnung. Wie es das lateinische Wort "Sigillum", übersetzt "Bildchen/Relief", bereits andeutet, repräsentiert ein Siegel den Stempelinhaber. Dies nicht nur in visueller Hinsicht mit Schrift, Bild und Symbolen, sondern auch auf rechtlicher Ebene, wo es als Beweismittel der Echtheit bspw. als Beglaubigungsmittel auf Urkunden diente. Ein augenfälliges Symbol ist ein am Anfang mancher Inschriften aufscheinendes "+", welches den Namen Gottes symbolisiert, der vor allen Handlungen der Christen stehen soll. Dieses Zeichen wurde bereits ab dem 10. Jh. eingeführt.
Der künstlerische Wert dieser Siegel steht dem historischen in nichts nach. Viele weisen eine besondere Präzision in der Ausführung auf, fein in der Gravur und klassisch im Relief, sowohl plastisch wie auch lebendig gestaltet. Die Siegelformen sind ebenso vielseitig wie die -grössen und reichen von rund, oval, spitzoval bis hin zu schildförmig, wobei teils nicht nur eine Vorderseite, sondern auch ein Gegensiegel vorhanden ist.
Im Folgenden werden 23 der wichtigsten Siegelmatrizen präsentiert. Die Beschreibungen und Zuordnungen basieren auf dem kompletten Inventar der 312 Siegelmatrizen, vermutlich erstellt von Leo Planiscig, welches als PDF vorhanden und im Online-Katalog einsehbar ist. Um das komplette Dossier einzusehen, konsultieren Sie bitte die Lotbeschreibung auf unserer Webseite.
1 (1) IOANES.VENETUS.CAR.SANCTI.ALIOR–M.ABBATIE.BALME.COMMDATARE
Ioanes venetus cardinalis sancti (?) abbatiae balme comm(en)datar(ius).
Italien, 15. Jh. Bronze graviert mit Resten einer Vergoldung. Spitzovale Form. H 7,7 cm. Darstellung Hl. Petrus in gotischer Architektur, darunter ein Wappen bekrönt durch Kardinalshut. Wohl Wappen des Kardinals Giovanni Michiel (1446–1503).
Balma – Verweis auf heutiges Baume, Arrondissement Saint-Claude, Frankreich. Altes Kloster, gegründet um die Mitte des 5. Jh., von den Heiligen Romanus und Lupicinus, die dort ihre Schwester, die „Mutter der Jungfrauen“, mit einer Gemeinschaft von 100 Nonnen ansiedelten. Die Basilika, die den Leib des Heiligen Romanus beherbergte, gehörte zu diesem Kloster. Nachdem dieses aufgelöst worden war, wurde es in ein Priorat von Mönchen umgewandelt und erhielt den Namen Saint-Romain-de-Roche, bis heute der Name der aktuellen Kirche. Ein Konvent von San Pietro befand sich auch in Beaume-les-Moines, gegründet Ende des 4. Jh., wiederaufgebaut im Jahr 926; es gehört zur Diözese Besançon. Das Wappen bekrönt durch den Kardinalshut verweist auf Kardinal Giovanni Michiel. Vgl. ein Wappenrelief aus Stein im Kardinalspalast Verona bei der Piazza Vescovado. (Catalogo Bene Culturali, Inv.-Nr. 0500089410).
Giovanni Michiel wurde am 21. November 1468 von seinem Onkel, Papst Paul II. zum Kardinal erhoben. 1471 wurde er zum Bischof von Verona. Er nahm als Kardinal am Konklave 1484 teil, welches Papst Innozenz VIII. wählte (Vgl. Webseite Catholic Hierarchy, Stichwort ‘Giovanni Michiel’).
2 (217) S. IOHIS' DEI GRA–EPI–CI–VITAT. CA–ST(EL)LA
Sigillum Johannis Dei Gratia Episcopi Civitatis Castellanae.
Italien, Ende 14. Jh./Anfang 15. Jh. Bronze dunkel patiniert und graviert. Spitzovale Form. H 5,4 cm. Darstellung der Hl. Muttergottes mit Kind, darunter zwei Heilige in gotischer Architektur. Darunter ein Bischof flankiert von zwei Wappenschilder.
Giovanni degli Arcioni aus Rom wurde am 30. April 1395 von Papst Bonifaz IX. zum Bischof von Civita Castellana ernannt und hatte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1406 inne (Vgl. Webseite Diocesi di Civita Castellana). Während seines Bischofsamts wurde die Kapelle des Hl. Nikolaus gegründet, durch Pietro di Somma aus Neapel, damals Rektor und Gouverneur von Civita Castellana. Der Bischofssitz von Civita Castellana hatte bereits seit 1252 auch den von Gallese in sich aufgenommen; 1437 wurde auch der von Orte hinzugefügt. Der Siegeltyp ist bei italienischen und französischen Kirchensiegeln vom 14. bis zum späten 15. Jh. üblich.
4 (57) PAPYR. DESILVES. EPS: MACER. ET. TOLEN
Papyrius De Silvestris Episcopus Maceratae et Tolentini.
Italien, 17. Jh. Bronze fein graviert. Runde Form mit rückseitigem, mächtigem Kolbengriff. Ø 4,9 cm. Darstellung einer Wappenkartusche mit Skorpion-Emblem bekrönt von Prälatenhut, Kordelwerk und zwei Putten.
Papirio Silvestri (1592–1659), ein Adliger aus Cingoli, war Berater der Römischen Inquisition, bekannt für seine Frömmigkeit, seine sittliche Integrität und seine Gelehrsamkeit. Er wurde von Papst Urban VIII. am 14. Juli 1642 zum Bischof von Macerata und Tolentino ernannt. Zur gleichen Familie gehörte Francesco Silvestri, Bischof von Florenz von 1323 bis 1341. Der Bischofssitz von Tolentino war 1586 mit dem von Macerata vereinigt worden.
5 (146) +S.FRIS. IOHIS. DEI.G-RA. EPI. VULTURARIESI
Sigillum Fratris Iohannis Dei Gratia Episcopi Vulturariensis.
Italien, 14. Jh. Bronze dunkel patiniert und graviert. Spitzovale Form mit rückseitigem, verdicktem, und geschweiftem Mittelgrat sowie später graviert S. CLARE. H 6 cm. Darstellung der Hl. Muttergottes mit Kind, darunter ein hl. Bischof sowie Johannes der Täufer in gotischer Architektur, darunter ein kniender Bischof.
Bruder Giovanni di Montepulciano, ein Toskaner aus dem Orden der Eremiten des Hl. Augustinus, Doktor der Theologie, wurde am 28. März 1353 von Papst Innozenz VI. zum Bischof von Vulturara ernannt und blieb dies bis 1359. Der Bischofssitz Vulturara war seit 969 dem von Benevent unterstellt; 1433 wurde ihm der von Montecorvino angegliedert.
6 (224) +S FRIS NICOLAY EPIECLE YSERNIESIS
Sigillum Fratris Nicolay Episcopi Ecclesiae Yserniensis.
Italien, 13. Jh. Frühes Bischofssiegel. Bronze dunkel patiniert. Spitzovale Form. H 4,6 cm. Darstellung eines frontal stehenden Bischofs.
Drei Bischöfe mit dem Namen Nikolaus aus dem Bischofssitz von Isernia sind bekannt: Einer hatte das Amt von 1258 bis nach 1263 inne; ein Zweiter von 1376 bis 1379 und ein Dritter, ein Mönch des Benediktinerordens, war zunächst Bischof von Gaeta, wurde aber am 14. Mai 1404 erneut nach Isernia versetzt und starb unter Papst Johannes XXIII. Der Typus des Siegels mit einem frontal stehenden, Mitra-tragenden Bischof wird ab der 2. Hälfte des 13. Jh. zunehmend seltener. Daher ist es wahrscheinlich, dass der erste der drei genannten Bischöfe der Inhaber des Siegels war.
7 (13) +S VICARIATVS EPATVS CONCORDIEN
Sigillum Vicariatus Episcopatus Concordiensis.
Italien, 14. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Runde Form. Ø 4,6 cm. Darstellung des Hl. Stephans auf Rautengrund.
Vikariatsiegel des Bistums Concordia. Concordia Sagittaria (heute in der Provinz Venedig) war ein Bischofssitz zur Zeit der Langobarden, dem patriarchalen Titel von Aquileia und später Grado bis zum Ende des 6. Jh. zugeordnet. Danach blieb es der Jurisdiktion von Aquileia unterstellt, mit der es weiterhin verbunden war. Der Titel wurde 1585 nach Portogruaro verlegt. Die Kathedrale von Concordia ist dem Heiligen Stephanus geweiht.
9 (56) (AE)NEAS.TVRRIVS.I.V.D.CAN.ARRET.ET.PROTH.APLICVS.
Aeneas Turrius Iuris Utriusque Doctor Canonicus Arretinus et Prothonotarius Apostolicus.
Italien, 17. Jh. Bronze graviert. Runde Form, balusterförmiger Griff mit Gegensiegel. Front mit Darstellung einer Wappenkartusche mit Turm auf 6 Wabenhügeln, bekrönt von einem Prälatenhut sowie flankiert von Kordeln und Arabesken. Gegensiegel oval, gleiche Darstellung. Front Ø 4,1 cm, Verso H 2,7 cm.
Der Besitzer dieses Siegels war ein hoher Beamter und Würdenträger, wie die zahlreichen Tituli zeigen. Jener Aeneas Turrius besass einen Doktortitel, war Kanoniker (Mitglied des Domkapitels) des Domkapitels Arretinus (ital. Arrezzo) und apostolischer Protonotar. Das Wappen mit dem Turm ist eine Anspielung an den Nachnamen Turrius.
27 (27) +S’ ALESII*TRVLIE*PPOSITI*SCI*GEORGI*INPALLATIO
Sigillum Alesii Trulie Praepositi Sancti Georgii in Pallatio.
Italien, Mailand, 14. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Spitzovale Form. H 5,4 cm. Darstellung eines berittenen Hl. Georgs zu Pferd einen Drachen mit seiner Lanze tötend, darunter ein Wappenschild zweigeteilt mit Adler und Sternen.
Die Kirche San Giorgio al Palazzo in der Via Torino in Mailand ist eine der ältesten Kirchen der Stadt. Die Ursprünge der Kirche reichen ins 8. Jh. zurück, gegründet vom heiligen Natale, Bischof von Mailand, in den Jahren 746–747; die heutige Kirche wurde am 15. Januar 1129 geweiht. 14. Jh. Der Inhaber des Siegels, Propst ‘Alesius Truli’ konnte bisher nicht ermittelt werden.
48 (201) +S SANCTE MARIE SANCTIQVE THEOBALDI METENSIS
Sigillum Sancte Marie Sanctique Theobaldi Metensis.
Frankreich, Metz, 2. Hälfte 13. Jh. Bronze graviert und dunkel patiniert. Spitzovale Form. H 6,6 cm. Darstellung mit Thronender Muttergottes und Jesuskind auf dem Schoss, flankiert von zwei Engeln, darunter ein Betender auf Knien.
Metensis bezieht sich auf Metz, Suffraganbistum zunächst von Trier, später von Besançon. Die Jungfrau erscheint auch auf dem Siegel des Domkapitels von Metz (vgl. Roman, Manuel de sigillographie française, Paris 1912, S. 172). Ein weiteres Exemplar ist aus der Sammlung Abbé Jobal bekannt (Auktion Sotheby’s London, 6.7.2021, Lot 20). Unser Siegel dürfte auf die nicht mehr erhaltenen Kirchen Sainte-Marie (zerstört 1833) sowie die Kapelle Saint-Thiébault (zerstört vor 1740) zurückzuführen sein.
51 (206) +S CAPITVLI SCI GRISOGONII
Sigillum Capituli Sancti Grisogoni.
Wohl Kroatien, Anfang 14. Jh. Bronze graviert. Runde Form. Ø 5,3 cm. Darstellung Hl. Jakob und Hl. Grisogonus einander zugewandt, darunter in gebrochener Zeile bez. S ANASTASIA und die kniende, betende Hl. Anastasia. Zwischen den beiden Heiligen drei Sterne.
Die Darstellung der hl. Anastasia lässt vermuten, dass es sich um die Kirche S. Grisogono in Zara (heutiges Zadar, Kroatien) handelt, wo diese Heilige als Patronin der Kathedrale verehrt wird. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass es sich um die römische Kirche des Hl. Grisogonus handelt, da der Kult dieses Heiligen laut Legende im 6. Jh. in Rom entstand und ihn mit dem Martyrium von vier Heiligen verbindet, darunter Anastasia. Es handelt sich um ein besonders wertvolles Siegel aufgrund seiner feinen Ausführung.
53 (6) +S. PRIS. BLASI(AB) BIS–MON–SCE. TRINITATIS. DE. FLOR(EN)
Sigillum Prioris Blasii Abbatis Monasterii Sanctae Trinitatis De Florentia.
Italien, Florenz, Ende 15. Jh./Anfang 16. Jh. Bronze dunkel patiniert im Relief gearbeitet. Spitzovale Form. H 6 cm. Darstellung einer Hl. Dreifaltigkeit in frontaler Ansicht. Thronender Gottvater, davor Jesus am Kreuz und die Taube, bekrönt von einer Mitra. Unten ein kniender Mönch.
Don Biagio Milanesi, General des Vallombrosani-Ordens, Biograph, starb 1505. Verfasser einer Denkschrift über verschiedene Werke bzw. der Geschichte seines Ordens. Handschrift befindet sich angeblich im Archiv von Vallombrosa. Ein Porträt von ihm, ein Werk von Pietro Perugino, befindet sich in den Uffizien.
56 (60) S.MARTINI (x) ABBATIS.SCTI.PETRI.A GERIN
Sigillum Abbatis Martini Sancti Petri Agerinensis.
Spanien, Katalonien, 15. Jh. Bronze teils unleserlich graviert. Spitzovale Form mit rückseitigem, geschwungenem Bügelgriff. Grösstes Siegel der Sammlung. H 9,2 cm. Darstellung stehender Hl. Petrus in gotischer Architektur, darunter ein durch Mitra bekröntes Wappenschild.
San Pedro d’Àger (Sant Pere d’Àger), Benediktinerkloster in den Bergen von Urgell (Lleida), wurde im 11. Jh. vom Vizegrafen von Castellbò, Arnald Mir de Tost, gegründet, der den Arabern das Gebiet dieses Fürstentums abnahm. In der Liste der bekannten Äbte dieses Klosters ist jedoch kein Abt namens Martin aufgeführt. Ein ebenfalls Aggerinensis genannter Konvent bestand auch in Enger bei Erfurt in Sachsen, Bistum Mainz, gegründet 990; doch ist es wahrscheinlicher, dass unser Siegel zu ersterem Kloster gehört.
102 (210) + VRBIS ME DIGNV ASISII NOSCI(TE) SIGNV
Urbis Me Dignum Asisii Noscite Signum.
Italien, Assisi, 13. Jh. Altes Stadtsiegel von Assisi. Bronze graviert. Spitzovale Form. H 5,8 cm. Darstellung eines steigenden Löwen.
Es ist das alte Wappen von Assisi, bevor es im ersten Feld durch ein lateinisches Kreuz geteilt wurde. Die Umschrift ist ein sog. „versus leoninus“, ein Vers, bei dem die letzte Silbe des zweiten Halbverses mit der des ersten reimt. Viele italienische Städte hatten ihren eigenen „leoninus“ als geschichtliches, politisches, religiöses oder lobendes Stadtmotto.
120 (2) +S.ANTONII.DE.PRIIOLIS.I.PERIALIS.COMITIS.PALATINI.P.V.
Sigillum Antonii De Priiolis Imperialis Comitis Palatini Procuratoris Veneti.
Italien, Venedig, 17. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form mit rückseitigem Henkel gestaltet als Delphin. Ø 4,2 cm. Darstellung eines Wappenschilds mit Prunkzier in Form eines Greifenkopfs.
Antonio Priuli (1548–1623) entstammte einer seit 1297 in Venedig belegten Familie, welche durch Landbesitz und Handel zu einem grossen Vermögen gelangte. Er belegte ab 1603 als Prokurator von San Marco das zweithöchste Amt der Republik Venedig und regierte danach vom 5. April 1618 bis zu seinem Tod am 12. August 1623 sogar als Doge von Venedig. Zuvor war Antonio Priuli wesentlich an den Verhandlungen mit den Habsburgern zu einer Beendigung des Uskoken-Kriegs beteiligt, der 1617 mit Erzherzog Ferdinand im Vertrag von Madrid besiegelt wurde. Die vorliegende Siegelmatrize verweist in die Zeit als Priuli noch Prokurator von San Marco war. Das Wappen der Familie Priuli ist geteilt: oben rot, unten golden und blau gestrichelt.
121 (10) R D P FRANCISCI.COMITIS.PALATINI.VERFIGURA.PORCELINO.NOBILI.D.GENTE.CREATI
Sigillum Francisci Comitis Palatini Veronensis Figura Porcelinorum Nobili De Gente Creati.
Italien, 17. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Runde Form mit Öffnung oben, rückseitiger Griff in Form eines Blütenkelchs. Ø 6,3 cm. Detailreiche Darstellung mit drei Wappenschilde, das Mittlere mit einem Ferkel überhöht von Prunkzier in Form eines Leoparden (?). Flankiert von einem Papstwappen mit gekreuzten Schlüsseln bekrönt von der Papst-Tiara sowie einem Wappen mit Doppeladler mit weltlicher Krone. Die Umschrift in einem geschwungenen Spruchband.
Beim unteren Wappen mit dem Ferkel handelt es sich wohl um einen gewissen Pietro Francesco Porcelli, der um 1650 in Fiesole bekannt war. (Vgl. Steinrelief in Fiesole mit identischem Wappen, Catalogo generale dei Beni Culturali Inv.-Nr. 0900007441).
123 (8) +S.NICHOLAI.BADU(AR)IO.POT.P(AR)ENCII
Sigillum Nicholai Baduario Potestatis Parencii.
Italien, wohl Venedig, 14. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,7 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch.
Nicolò Badoero war Bürgermeister von Parenzo. Ein Nicoleto Badoero war 1362 unter dem Dogen Lorenzo Celsi Münzmeister in Venedig.
145 (3) +S FRANCISCI PENPO
Sigillum Francisci Bembo.
Italien, Venedig, 15. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,5 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild der Familie Bembo.
Eine der wichtigen venezianischen Familien. Ihr Wappen zeigt ein goldenes Schrägdreieck auf blauem Grund, begleitet von drei goldenen Rosen. Francesco di Giovanni Bembo war eine zentrale politische Figur der venezianischen Geschichte: 1397 Heerführer gegen Gian Galeazzo Visconti Herzog von Mailand, 1400 Podestà Paduas, 1405 Flottenkommissar im Golf, 1411 Hauptmann in Padua, 1422 Kommissar in Verona, 1425 Statthalter von Friaul, 1426 Oberbefehlshaber am Po und Teilnehmer an der Seeschlacht von Ancona gegen Mailand. Ab 1427 verliert sich seine Spur (Vgl. Silvano Borsari: “Francesco Bembo”, in Dizionario biografico degli italiani, Bd. 8, Rom, Istituto dell'Enciclopedia Italiana, 1966).
173 (9) +SIGILVM.TOME.DE.MOLINO
Sigillum Tome de Molino.
Italien, Venedig, 2. Hälfte 14. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,4 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild der Familie Molin.
Ebenfalls eine wichtige venezianische Patrizierfamilie, die beispielsweise Francesco Molin (1575–1655) als Dogen von Venedig hervorbrachte.
184 (7) +SIGILVM.IACOBI.GEORGIO
Sigillum Iacobi Georgio
Italien, Venedig, 2. Hälfte 14. Jh. Bronze poliert und graviert. Runde Form. Ø 4,2 cm. Darstellung des geflügelten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild wohl der Familie Zorzi.
Die Familie Zorzi war ein venezianisches Dogengeschlecht. Das Wappen ist silbern mit einem roten Balken. Marino Zorzi war der 50. Doge Venedigs in den Jahren 1311–1312. Ein Iacopo ist nicht direkt bekannt, dürfte aber in die 2. Hälfte des 14. Jh. gehören. Die Ursprünge der Familie reichen bis zur Gründungsgeschichte der Stadt Venedig zurück. Viele ihrer Mitglieder bekleideten hohe Ämter.
204 (21) +SIGILVM ANDREA LAVREDANO
Sigillum Andrea Loredano.
Italien, Venedig, 15. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,5 cm. Darstellung des geflügelten, nimbierten Markuslöwen mit aufgeschlagenem Heiligen Buch, darunter ein Wappenschild der Familie Loredan.
Wiederum wichtige venezianische Familie. Es ist nicht eindeutig welches Familienmitglied der Loredan gemeint ist. Das Begleitdossier zitiert Andrea Loredan, der scheinbar 1498 gegen das türkische Heer kämpfte. Es sei wahrscheinlich, dass dieser Andrea Loredan in der Büste eines jungen venezianischen Edelmanns zu erkennen sei, die sich im Museo Correr befindet und Andrea Riccio zugeschrieben wird. Ob es sich bei unserem Siegel um dasjenige des bekannten Andrea Loredan (1440–1513), dem Kunstsammler, handelt, sei dahingestellt.
263 (262) +S.DNI.TOMASSI.DE.TODENIS.DE.ANCONA
Sigillum Domini Tomassi De Todenis De Ancona.
Italien, Florenz, 14. Jh. Bronze graviert und teilvergoldet. Runde Form. Ø 4 cm. Darstellung einer sechsbögigen Kartusche mit Prunkwappen gekrönt von einem Mischwesen.
Tommaso Todini di Ancona war für kurze Zeit im ersten Halbjahr 1364 Podestà von Florenz.
273 (202) S VINCENCII.IOANNE.DE.VIPP-HEN-BERG.DNI.PP.PRIS
Sigillum Vincencii Ioanne De Vipphenberg Domini Papae Procuratoris.
Wohl Deutschland, Ende 15. Jh. Bronze dunkel patiniert und graviert. Spitzovale Form. H 6,2 cm. Darstellung der stehenden Hl. Muttergottes mit Jesuskind im Arm flankiert vom Hl. Petrus und Paulus in gotischer Architektur. Darunter eine thronende Figur mit Zepter sowie eine kniende Figur flankiert von einem Wappenschild mit steigendem Löwen.
Dieser Siegeltyp findet sich bei bischöflichen Siegeln des 16. Jh. Unser Exemplar ist jedoch aufgrund der Schriftformen und weiteren Merkmale auf das späte 15. Jh. zu datieren. Die geografische Verortung bleibt diffizil. Evtl. ist die Stadt Pfaffenberg im Schwarzwald gemeint.
300 (211) Ohne Schrift
15. Jh. Bronze braun patiniert und graviert. Runde Form. Ø 4,5 cm. Darstellung eines nach links schreitenden Löwen mit umlaufendes Dekorband.
CHF 350 000 / 700 000 | (€ 360 820 / 721 650)
Verkauft für CHF 218 501 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.