Lot 8827 - ibid113 Photographie - online only - Mittwoch, 08. Juli 2020, 16.00 Uhr
ROBERT MAPPLETHORPE
(Floral Park 1946–1989 Boston)
Milton Moore, 1981.
Silbergelatine-Abzug. Vintage. Auf Trägerkarton aufgezogen.
Bildmass 38 × 38,5 cm; Blattgrösse 50 × 40,3 cm.
Unterhalb des Bildes voll signiert und nummeriert 2/10. Verso zusätzlich voll signiert, datiert und Photographenstempel. Unter Passepartout, gerahmt. Auf Rahmen verso montiertes Etikett "Carl Laszlo Collection".
Literatur:
- Richard Marshall. Robert Mapplethorpe. Ausstellungskatalog Whitney Museum of American Art, New York, 28.7.–23.10.1988. London, 1988 (Abb. S. 105).
- Robert Mapplethorpe Foundation (Hrsg). Mapplethorpe. München, 1992 (Abb. S. 179).
- David Leddick. The Male Nude. Köln, 2005 (Abb. S. 406).
- Paul Martineau und Britt Salvesen (Hrsg.). Robert Mapplethorpe. Die Photographien. 1969–1989. Ausstellungskatalog J. Paul Getty Museum, Los Angeles 15.3.–31.7.2016, u. a. München, 2016 (Tafel 95, S. 130).
Provenienz:
- Aus dem ehemaligen Besitz des Verlegers und Kunstsammlers Carl Laszlo.
- Schweizer Privatbesitz.
"Robert Mapplethorpes Kunst lebt von einer ans Paradoxe grenzenden Spannung zwischen ihrem sehr eigenwilligen Inhalt und der Art seiner Präsenation. Die Inhalte seiner Arbeiten sind of so erotisch, dass selbst der Künstler sie als pornographisch bezeichnet hat. Die Ästhetik der Darstellung dagegen ist klassisch rein; sie ist gleichzeitig dionysisch und apollonisch. Der Inhalt dürfte zur keinem Zeitpunkt der Vergangenheit ein ernsthaftes Thema für einen grossen Künstler gewesen sein; aber genau das war er im Amerika der siebziger Jahre, einem Jahrzehnt, das für Mapplethorpe in Hinblick auf seine Werte, seine Sensibilität und seine Einstlelung exemplarisch ist. Sieht man jedoch vom Inhalt ab, so scheinen die Photographien kaum in seine Zeit zu gehören. Es sind kontrollierte, komponierte Übungen in einer klassischen Form. Ästhetisch besteht eine weit grössere Übereinstimmung mit den Photographien des neunzehnten Jahrhunderts, die Mapplethorpe bewunderte und sammelte, als mit den Arbeiten seiner Zeitgenossen... Als Mensch lebte Mapplethorpe in beiden Dimensionen seiner Kunst. Er bewegte sich in den wilderen Regionen sexueller Ausdrucksformen, deren Erforschung die allgemeine Aufhebung von Verboten am Ende der sechziger Jahre ermöglichte, und bemühte sich andererseits um einen für die Zeit nicht gerade typischen Verhaltenskodex, der irgendwo zwischen dem eines Dandy und dem eines Gentleman lag. Die Vereinigung dieser Polaritäten in Mapplethorpes Werk – ausschweifend und asketisch, abstossend und rein, wild und diszipliniert – erklärt vielleicht die unleugbare Kraft seiner grössten Bilder. Sie erklärt auch, weshalb das Werk im Mittelpunkt feindseliger Kritik stand und steht... Nicht einmal die formale Schönheit, nach der seine Kunst strebte, machte ihn für die etablierte Kunstwelt akzeptabel."
(Arthur C. Danto, "Auf Messers Schneide. Das photographische Werk von Robert Mapplethorpe", Robert Mapplethorpe Foundation, 1992, S. 311–342, hier S. 311).
Links oben (auf dem Arm) retuschierte Kratzspur, unten an den Ecken leicht bestossen bzw. angefalzt. Verso Träger etwas angefleckt. Insgesamt sehr gut erhalten.
- Richard Marshall. Robert Mapplethorpe. Ausstellungskatalog Whitney Museum of American Art, New York, 28.7.–23.10.1988. London, 1988 (Abb. S. 105).
- Robert Mapplethorpe Foundation (Hrsg). Mapplethorpe. München, 1992 (Abb. S. 179).
- David Leddick. The Male Nude. Köln, 2005 (Abb. S. 406).
- Paul Martineau und Britt Salvesen (Hrsg.). Robert Mapplethorpe. Die Photographien. 1969–1989. Ausstellungskatalog J. Paul Getty Museum, Los Angeles 15.3.–31.7.2016, u. a. München, 2016 (Tafel 95, S. 130).
Provenienz:
- Aus dem ehemaligen Besitz des Verlegers und Kunstsammlers Carl Laszlo.
- Schweizer Privatbesitz.
"Robert Mapplethorpes Kunst lebt von einer ans Paradoxe grenzenden Spannung zwischen ihrem sehr eigenwilligen Inhalt und der Art seiner Präsenation. Die Inhalte seiner Arbeiten sind of so erotisch, dass selbst der Künstler sie als pornographisch bezeichnet hat. Die Ästhetik der Darstellung dagegen ist klassisch rein; sie ist gleichzeitig dionysisch und apollonisch. Der Inhalt dürfte zur keinem Zeitpunkt der Vergangenheit ein ernsthaftes Thema für einen grossen Künstler gewesen sein; aber genau das war er im Amerika der siebziger Jahre, einem Jahrzehnt, das für Mapplethorpe in Hinblick auf seine Werte, seine Sensibilität und seine Einstlelung exemplarisch ist. Sieht man jedoch vom Inhalt ab, so scheinen die Photographien kaum in seine Zeit zu gehören. Es sind kontrollierte, komponierte Übungen in einer klassischen Form. Ästhetisch besteht eine weit grössere Übereinstimmung mit den Photographien des neunzehnten Jahrhunderts, die Mapplethorpe bewunderte und sammelte, als mit den Arbeiten seiner Zeitgenossen... Als Mensch lebte Mapplethorpe in beiden Dimensionen seiner Kunst. Er bewegte sich in den wilderen Regionen sexueller Ausdrucksformen, deren Erforschung die allgemeine Aufhebung von Verboten am Ende der sechziger Jahre ermöglichte, und bemühte sich andererseits um einen für die Zeit nicht gerade typischen Verhaltenskodex, der irgendwo zwischen dem eines Dandy und dem eines Gentleman lag. Die Vereinigung dieser Polaritäten in Mapplethorpes Werk – ausschweifend und asketisch, abstossend und rein, wild und diszipliniert – erklärt vielleicht die unleugbare Kraft seiner grössten Bilder. Sie erklärt auch, weshalb das Werk im Mittelpunkt feindseliger Kritik stand und steht... Nicht einmal die formale Schönheit, nach der seine Kunst strebte, machte ihn für die etablierte Kunstwelt akzeptabel."
(Arthur C. Danto, "Auf Messers Schneide. Das photographische Werk von Robert Mapplethorpe", Robert Mapplethorpe Foundation, 1992, S. 311–342, hier S. 311).
Links oben (auf dem Arm) retuschierte Kratzspur, unten an den Ecken leicht bestossen bzw. angefalzt. Verso Träger etwas angefleckt. Insgesamt sehr gut erhalten.
Zustandsbericht:
Links oben (auf dem Arm) retuschierte Kratzspur, unten an den Ecken leicht bestossen bzw. angefalzt. Verso Träger etwas angefleckt. Insgesamt sehr gut erhalten. CHF 8 000 / 12 000 | (€ 8 250 / 12 370)
Verkauft für CHF 10 000 (inkl. Aufgeld)