Lot 3265 - A213 Impressionismus & Moderne - Freitag, 27. Juni 2025, 16.30 Uhr
MARIANNE VON WEREFKIN
(Tula 1860–1938 Ascona)
Vor dem Gewitter.
Tempera auf Papier auf Karton.
Unten rechts monogrammiert: MW.
Verso auf dem Künstleretikett signiert, betitelt und nummeriert: Marianne von Werefkin / Vor dem Gewitter / Nr. 8.
Verso auf dem Künstleretikett signiert, betitelt und nummeriert: Marianne von Werefkin / Vor dem Gewitter / Nr. 8.
67,1 × 49,5 cm.
Provenienz:
- Schweizer Privatbesitz.
- Kunst und Buchantiquariat Auktionen Hans Widmer, St. Gallen, 29.11.1991.
- Privatsammlung Schweiz, an obiger Auktion erworben.
Ausstellung:
Marianne von Werefkin lebt seit 1920 unter bescheidenen Umständen alleine in Ascona und knüpft in dieser Zeit mit ihrer Bildsprache wieder vermehrt an die frühe Russlandzeit an. Sie beschreibt Szenen des einfachen Lebens um sie herum, z.B. Fischer oder so wie hier ein Zöllner am See. Aber wie schon immer steht sie der realistischen Welt ihres Lehrers Ilja Repins innerlich fern. Sie sucht nach dem, was sich hinter der dargestellten Realität versteckt, sie deutet an, erzählt symbolisch Geschichten.
Oder wie sie selber einmal in ihrem Tagebuch schreibt: "J’aime les choses qui ne sont pas." (Zit. in: Ausstellungskatalog Chichio Haller, 1969, Vorwort S. 5).
Weit entfernt ist das hier vorliegende Werk denn auch von einem landschaftlichen Idyll am Lago Maggiore. Bereits die Wahl des für Portraits üblichen Hochformats anstelle des für Landschaften typischen Querformats ist ein erstes Indiz dafür.
Anstelle eines strahlenden Himmels, des blauen Wassers oder der lieblich grünen Hügel der Südschweiz finden wir hier dunkle Wolken und grünbraunes Wasser. Ein Teil des Himmels und der rote vulkanförmige Hügel scheinen förmlich zu brennen.
Es schwebt über allem eine Unheil verkündende Stimmung. Dazu trägt auch die fehlende Tiefenperspektive bei, wodurch die gewaltigen Hügel bedrohlich nahe scheinen. Die Figur steht wie festgewurzelt da, träge und machtlos.
Bezeichnend für die Künstlerin ist auch die Wahl des Titels "Vor dem Gewitter", der eine Vorwegnahme des düsteren Geschehens ist und Spielraum für Interpretationen und Assoziationen lässt.
Unverkennbar steht über allem die meisterliche Handschrift Werefkins: die intensive und ausdrucksstarke Pinselführung und die gekonnte Anordnung von Formen und Farbflächen. So wird das Werk zu einer lebendigen und beeindruckenden Parabel des Alltags eines Zöllners an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien.
Oder wie sie selber einmal in ihrem Tagebuch schreibt: "J’aime les choses qui ne sont pas." (Zit. in: Ausstellungskatalog Chichio Haller, 1969, Vorwort S. 5).
Weit entfernt ist das hier vorliegende Werk denn auch von einem landschaftlichen Idyll am Lago Maggiore. Bereits die Wahl des für Portraits üblichen Hochformats anstelle des für Landschaften typischen Querformats ist ein erstes Indiz dafür.
Anstelle eines strahlenden Himmels, des blauen Wassers oder der lieblich grünen Hügel der Südschweiz finden wir hier dunkle Wolken und grünbraunes Wasser. Ein Teil des Himmels und der rote vulkanförmige Hügel scheinen förmlich zu brennen.
Es schwebt über allem eine Unheil verkündende Stimmung. Dazu trägt auch die fehlende Tiefenperspektive bei, wodurch die gewaltigen Hügel bedrohlich nahe scheinen. Die Figur steht wie festgewurzelt da, träge und machtlos.
Bezeichnend für die Künstlerin ist auch die Wahl des Titels "Vor dem Gewitter", der eine Vorwegnahme des düsteren Geschehens ist und Spielraum für Interpretationen und Assoziationen lässt.
Unverkennbar steht über allem die meisterliche Handschrift Werefkins: die intensive und ausdrucksstarke Pinselführung und die gekonnte Anordnung von Formen und Farbflächen. So wird das Werk zu einer lebendigen und beeindruckenden Parabel des Alltags eines Zöllners an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien.
CHF 80 000 / 130 000 | (€ 82 470 / 134 020)
Verkauft für CHF 125 000 (inkl. Aufgeld)