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Lot 3423* - A215 Post-War & Contemporary - Donnerstag, 27. November 2025, 14.00 Uhr

ANDY WARHOL

(Pittsburgh 1928–1987 New York City)
Patty Raynes and Son. 1985.
Siebdruck und Acryl auf Leinwand.
Auf der Überlappung signiert und datiert: Andy Warhol 85.
102 × 102 cm.

Provenienz:
- Künstlerstudio.
- Privatsammlung USA, direkt vom Künstler 1985 erworben.
- Sammlung USA, von vorherigem Besitzer 2022 erworben.

Im Œuvre Andy Warhols nimmt das Porträt seit den frühen 1960er-Jahren eine zentrale Rolle ein. Frühere Arbeiten wie die bekannten Darstellungen von Marilyn Monroe, Elvis Presley oder Jackie Kennedy sind geprägt von der seriellen Repetition, der bildhaften Überhöhung und der Annäherung an die Ikonenmalerei.

Im Spätwerk richtet der Künstler sein Augenmerk zunehmend auf die Darstellung privater Identität und zwar im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Status und medialer Sichtbarkeit. "Patty Raynes and Son" aus dem Jahr 1985 steht beispielhaft für diese Entwicklung. Das Werk zählt zu einer Reihe von Porträts, in denen Warhol nicht länger ausschliesslich globale Berühmtheiten, sondern vermehrt auch Angehörige seines sozialen Umfelds abbildet, auch wenn sie ausserhalb des popkulturellen Kanons verbleiben.

Patty Raynes entstammt einer angesehenen amerikanischen Industriellenfamilie, Tochter von Marvin und Barbara Davis, wodurch das Porträt unweigerlich den Charakter eines Statusbildnisses erhält. Warhol, der sich stets mit der Beziehung zwischen Erscheinung und Identität auseinandersetzt, thematisiert hier das Bildnis als Ausdruck sozialer Zugehörigkeit.

Das Sujet von Mutter und Kind erinnert unmittelbar an das archetypische Motiv der Madonna mit dem Kinde, das über Jahrhunderte hinweg die abendländische Kunst geprägt hat. Warhol übernimmt diese traditionsreiche Bildform, transformiert sie jedoch in eine zeitgenössische Bildsprache: Der sakrale Typus wird durch die Mittel der Siebdrucktechnik gebrochen, wodurch die Szene einen kühleren, distanzierteren Charakter erhält. Die quadratische Bildfläche verleiht dem Werk symmetrische Ruhe, während der direkte Blick der Dargestellten subtile Nähe zu den Betrachtenden herstellt. Die Flächigkeit und konturhafte Überlagerung der Farben lassen eine ambivalente Spannung zwischen Figuration und Abstraktion entstehen.

Die Farbgestaltung überzeugt durch kontrollierte Expressivität. Die kontrastreichen Flächen dienen nicht allein der visuellen Ausgestaltung, sondern agieren als eigenständige Akteure. Farbe fungiert hier als Träger emotionaler Intensität: Der dominante Gelbton durchdringt die gesamte Darstellung und lässt das leuchtende Blau der Augen von Mutter und Kind, sowie die sommerliche Bluse von Patty Raynes und das Hemd ihres Sohnes, einheitlich, in den Vordergrund treten.

Die Darstellung eines Kindes in enger Verbindung zur Mutter findet sich nur selten im Werk Warhols. Obgleich die dargestellten Personen nicht dem globalen Prominenzstatus entsprechen, folgt die formale Behandlung dem klassischen Prinzip der Heroisierung Warhols: Vereinfachung, flächige Reduktion und strenge Frontalität verleihen der Szene eine starke Präsenz. Der direkte Blick der Porträtierten in die Kamera des fotografischen Ausgangsbildes, erzeugt eine unmittelbare Verbindung zu den Betrachtenden und verleiht auch diesem Werk eine eindringliche visuelle Wirkung.

CHF 180 000 / 240 000 | (€ 185 570 / 247 420)

Verkauft für CHF 206 250 (inkl. Aufgeld)