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Der Elefant Friedrichs II. bei einer kaiserlichen Prozession in Cremona im Jahr 1237.
(Matthew Paris, "Cronica Maiora", Teil II,
Parker Library, MS 16, fol. 151V).
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JAN BRUEGHEL d. J.
Allegorie des Gehörs. Öl auf Kupfer. 59,3 × 91 cm.
Schätzung: CHF 200 000/300 000
Verkauft für CHF 244 000
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Das Sammeln von exotischen Tieren und Haustieren zu Ausstellungszwecken war jahrhundertelang ein Zeitvertreib und ein Symbol für Prestige und Macht der europäischen Monarchen. Friedrich II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, tauschte zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Reihe seltener Tiere mit Al-Malik al-Kamil, Sultan von Ägypten, aus. Al-Kamil schickte Friedrich einen Elefanten sowie einen weissen Kakadu aus Australasien - einer Region, die der westlichen Welt zu dieser Zeit völlig unbekannt war, so dass der Vogel äusserst selten gewesen sein muss. Im Gegenzug schenkte Friedrich dem Sultan unter anderem Pferde mit edelsteinbesetzten goldenen Steigbügeln, einen weissen Pfau und einen weissen Bären. Friedrich schickte auch drei Löwen an König Heinrich III. von England, ein Geschenk, das Heinrich zur Gründung einer Menagerie im Tower von London inspirierte. Der englische König erhielt 1252 einen Eisbären vom norwegischen König und 1255 einen Elefanten von König Ludwig IX. von Frankreich.


Auch viele Künstler der Renaissance und des Barocks waren von exotischen und heimischen Tieren fasziniert. Albrecht Dürers Holzschnitt eines Nashorns aus dem Jahr 1515 erfreute sich trotz seiner anatomischen Ungenauigkeiten (er hat das Tier nie wirklich gesehen) grosser Beliebtheit und wurde in ganz Europa verbreitet. Dürer besass mehrere Papageien, die sich in mehreren seiner Werke wiederfinden, so beispielsweise, im Kupferstich "Adam und Eva" von 1504. Wie vielen anderen Tieren wurden auch Papageien in der Kunst eine symbolische Bedeutung beigemessen. Sie wurden mit der Unbefleckten Empfängnis in Verbindung gebracht – vielleicht, da die Fähigkeit des Vogels zu sprechen ebenso wundersam erschien wie die Empfängnis Mariens. Sie sind die einzigen Tiere, die Worte aussprechen können, und Wunder angeblich durch das "Wort" Gottes geschehen.


Einige Künstler aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts scheinen Tiere nicht nur wegen der symbolischen Bedeutung in ihre Gemälde aufgenommen zu haben, sondern auch aus reiner Freude, sie in all ihrer pelzigen oder gefiederten Pracht darzustellen. Jan Brueghel d. J. zeigt in seiner "Allegorie des Gehörs" zwei Aras, die sich zu unterhalten scheinen, einen weissen Kakadu und andere bunte Vögel, die über die Szene fliegen, sowie einen schelmischen Affen, der versucht, ein Horn zu spielen.

JACOB SAVERY d. J.
Adam und Eva in einer Paradieslandschaft.

Öl auf Holz. 46 × 70,8 cm.
Schätzung: CHF 50 000/70 000
Verkauft für CHF 61 000
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JAN VAN KESSEL
Liegender Otter am Felsgestade.
Öl auf Kupfer. 15,5 × 22,3 cm.
Schätzung: CHF 25 000/35 000
Verkauft für 25 000
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Jacob Savery d. J. schien sich daran zu erfreuen, eine Vielzahl von Tieren in seiner Darstellung des Gartens Eden zu platzieren, von alltäglichen Kreaturen wie einer Kuh und einem Hund bis hin zu Leoparden, einem Strauss, einer Giraffe und sogar einem Einhorn, während Adam und Eva im Hintergrund zu kleinen, silhouettenhaften Figuren reduziert werden.


Jan Brueghel d. J. und Ambrosius Francken d. J. stellen in ihrer "Allegorie der Luft" eine wunderbare Vielfalt an Vögeln dar, vom irdischen Truthahn und Strauss bis hin zu einem zarten, hochfliegenden Paradiesvogel. Und Jan van Kessel gönnt sich sogar eine kleinformatige Studie eines schlafenden Fischotters.


Die wohlhabende, herrschende Gesellschaft der damaligen Zeit begnügte sich jedoch nicht damit, künstlerische Darstellungen von Tieren zu bewundern, wenn das wahre Statussymbol der Besitz eines eigenen Tieres war. Die "Ménagerie royale" von Ludwig XIV. in Versailles hatte grossen Einfluss auf seine europäischen Regenten. Die zwischen 1662 und 1668 errichtete Ausstellung exotischer Vögel und Tiere wie Strausse, Elefanten und Dromedare war ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Besuchs im Königsschloss. Bald entstanden ähnliche Menagerien in Schlössern wie Het Loo in den Niederlanden, dem Belvedere in Wien und Sanssouci in Potsdam. Die Botschaft, die mit solchen Sammlungen vermittelt werden sollte, war, dass der Herrscher seine Macht und Kontrolle nicht nur über seine Untertanen, sondern auch über das Chaos der Natur selbst ausübte.

JAN BRUEGHEL d. J. UND AMBROSIUS FRANCKEN d. J.
Allegorie der Luft.
Öl auf Holz. 42,7 × 61,5 cm.
Schätzung: CHF 60 000/80 000
Verkauft für CHF 73 000
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GÉRARD SCOTIN, NACH PIETER BOEL
La Ménagerie de Versailles: le pavillon central vu depuis la Cour des Demoiselles.
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ZIEGENBOCK
Meissen, um 1732. Modell wohl von J. J. Kändler für das Japanische Palais in Dresden.

© Philadelphia Museum of Art, 1989-22-2.
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PAAR LÖWEN AUF VERGOLDETEN BRONZESOCKELN
Das Porzellan Meissen, um 1751-53. Modell wohl von J. J. Kändler. Schätzung: CHF 26 000/30 000
Verkauft für CHF 61 000
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ZWEI MODELLE VON AMAZONASPAPAGEIEN
Meissen, Modelle um 1741 von J. J. Kändler.

August II. "der Starke" von Sachsen besuchte sicherlich die Menagerie von Versailles, als er sich dort als Jugendlicher während seiner Grand Tour in den Jahren 1687 und 1688 aufhielt, aber besonders beeindruckt war er vom "Labyrinthe", einem kunstvollen Gartenlabyrinth mit neununddreissig Brunnen, die mit bemalten Bleifiguren von Tieren und Vögeln geschmückt waren. Möglicherweise war das Labyrinth in Versailles eine der Inspirationen für Augusts' gigantisches und letztlich unvollendetes Projekt des "Japanischen Palais" in Dresden. August plante, den Palast mit Hunderten von lebensgrossen bemalten Porzellanfiguren von Tieren und Vögeln auszustatten, die von seiner Meissener Porzellanmanufaktur entworfen und hergestellt werden sollten. August war natürlich auch ein begeisterter Sammler von lebenden Tieren. Er begnügte sich nicht damit, sich auf das traditionelle Netzwerk von Schenkungen zwischen Monarchen zu verlassen, um seine Tiere zu erhalten, sondern organisierte Anfang der 1730er Jahre eine Afrikaexpedition, um Wildtiere und Vögel zu sammeln. Die Tiere in seinen Menagerien dienten den Künstlern und Kunsthandwerkern, die mit der Herstellung seiner Porzellanmenagerie beauftragt waren, als ein stilllebenartiger Gegenpol zu seinen lebendigen Sammlungen und als wirkungsvolle Werbung für seine Porzellanmanufaktur.


Obwohl das Projekt des Japanischen Palastes nach dem Tod Augusts des Starken aufgegeben wurde, fertigte Meissen weiterhin Tiermodelle in kleineren Formaten an. Das hier angebotene Löwenpaar aus der Zeit um 1751–53 wurde von J. J. Kändler für den Sockel eines geplanten Reiterstandbildes für den Sohn Augusts des Starken, August III, entworfen.


Die Serie an kleinen Figuren, mit Hirschen in verschiedenen Posen, einem Jäger, einem Hasen und einem Fuchs, war wahrscheinlich Teil eines aufwändigen Tischgedecks. Die Jagd spielte ein wichtiger Bestandteil des Lebens am sächsischen Hof, und es wurden regelmässig Festmahle zum Thema Wild veranstaltet. Die Porzellanfiguren waren wahrscheinlich Teil einer reich gedeckten Tafel, vielleicht mit einer Hirschherde, die von Jägern verfolgt wurde, begleitet von Zucker- und Marzipanfiguren und Brunnen.


Meissener Tierfiguren aller Art waren im 18. Jahrhundert sehr beliebt, darunter Katzen, Hunde und - auch 400 Jahre nach Friedrich II. und drei Jahrhunderte nach Dürer - Papageien. In unserer heutigen Zeit haben sich die königlichen Menagerien zu staatlichen Zoos entwickelt, allerdings zeigt Geschenk Chinas zweier Riesenpandas an die Vereinigten Staaten im Anschluss an Präsident Nixons Besuch im Jahre 1972 (sowie das Gegengeschenk von zwei Moschusochsen an China) , dass diese besondere uralte Tradition fortbesteht – und dass Tiere in den internationalen Beziehungen immer noch eine prominente Rolle spielen.


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Kataloge mit Ergebnissen


JEAN COTELLE
Vue de l’entrée du bosquet du Labyrinthe avec des nymphes et des amours prenant des oiseaux dans leurs filets. © Château de Versailles
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ZWEI MODELLE LIEGENDER HIRSCH UND HIRSCHKUH
Meissen, Modelle wohl von J.J. Kändler um 1736.
Schätzung: CHF 5 600/6 200
Verkauft füt CHF 7 000
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Die Pandas Ling Ling und Sing Sing.
Charles Tasnadi/Associated Press
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