VISIONEN DER NATUR
VORSCHAU AUF DIE AUKTIONGEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS VOM 18. SEPTEMBER 2026
Die Schweiz kannte Hans Thoma von zahlreichen Reisen. Sein Heimatort lag unweit der Grenze, und immer wieder zog es ihn in die Schweizer Alpen – so auch 1904, im Entstehungsjahr des vorliegenden Gemäldes. Auf dieser Reise besuchte er das Lauterbrunnental, dessen monumentale Bergwelt ihn zu diesem aussergewöhnlichen Werk inspirierte. Die rhythmisch gegliederten Wolken erinnern an die Bildsprache Ferdinand Hodlers. Präzise beobachtete Partien im Vordergrund und in der Ferne rahmen einen beinahe traumhaften Mittelgrund, in dem Thoma die Landschaft auf wenige grosszügige Formen reduziert. Auch der völlige Verzicht auf Figuren trägt zur besonderen Wirkung des Bildes bei: Nichts steht zwischen dem Betrachter und der Landschaft. Für einen Augenblick scheint man selbst vor diesem gewaltigen Panorama zu stehen und etwas von jenem Staunen zu empfinden, das Thoma zu seiner Darstellung bewegt haben mag
HANS
THOMA
Blick ins Lauterbrunnental. 1904.
Öl auf Leinwand. 160,5 × 134 cm.
Schätzung: CHF 60 000/80 000
Andreas Schelfhout gehörte zu den erfolgreichsten Malern der niederländischen Romantik und verdankte seinen Ruhm vor allem seinen Winterlandschaften. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren Strand- und Winterszenen in der niederländischen Malerei weitgehend aus der Mode gekommen; Schelfhout verhalf beiden Gattungen zu neuer Popularität. Seine Vorbilder fand er bei den grossen Meistern des niederländischen Goldenen Zeitalters, allen voran Meindert Hobbema und Jacob van Ruisdael. Zugleich setzte er sich mit zeitgenössischen Künstlern auseinander, darunter Eugène Isabey, dessen Einfluss besonders in seinen Strandszenen spürbar ist, und John Constable. An diesen erinnert auch der bewegte Wolkenhimmel, der sich weit über die Landschaft des vorliegenden Gemäldes spannt.
ANDREAS
SCHELFHOUT
Schlittschuhläufer auf einem zugefrorenen
Fluss vor einer Stadt. 1847.
Öl auf Holz. 49,7 × 68 cm.
Schätzung: CHF 40 000/60 000
ANDREAS
SCHELFHOUT
Schlittschuhläufer auf einem zugefrorenen
Fluss vor einer Stadt. 1847.
Öl auf Holz. 49,7 × 68 cm.
Schätzung: CHF 40 000/60 000
Als dieses Gemälde in den 1840er-Jahren entstand, war Schelfhouts Kunst zur vollen Reife gelangt. Eine umfassende akademische Ausbildung hatte er nie erhalten – worauf er nicht ohne Stolz verwies –, doch seit seinen Anfängen in den frühen 1810er-Jahren hatte er eine bemerkenswerte künstlerische Entwicklung durchlaufen. Seine meisterhafte Lichtführung, die Sicherheit seiner Kompositionen und nicht zuletzt seine grossartigen Himmelsdarstellungen brachten ihm bei zeitgenössischen Kritikern den Beinamen ‘holländischer Claude Lorrain’ ein.
Wie begehrt insbesondere seine Winterlandschaften waren, zeigt sich auch daran, dass sie nur selten in öffentlichen Ausstellungen erschienen: Viele waren bereits wohlhabenden und königlichen Sammlern versprochen, darunter König Wilhelm I. von Württemberg und Zar Alexander II. von Russland.
EUGÈNE LOUIS
BOUDIN
Trouville, les jetées, marée basse. 1894.
Öl auf Holz.
27 × 21,7 cm.
Schätzung: CHF 25 000/35 000
JEAN-BAPTISTE
CAMILLE COROT
Blick auf Saint-Lô bei Abendstimmung (Detail).
Öl auf Holz.
29,5 × 49,7 cm.
Schätzung: CHF 120 000/150 000
GUSTAVE
COURBET
Le petit pêcheur, vallée de la Loue. Um 1870 (Detail).
Öl auf Leinwand.
65,5 × 81,5 cm.
Schätzung: CHF 80 000/120 000


