
ALTE MEISTER
IN BESTEN HÄNDEN
Jahrhundertealte Kunstwerke haben oft verschlungene Wege hinter sich, ihre Herkunft ist nicht immer lückenlosüberliefert. Gemälde auf Kupfer, Holz oder Leinwand treten uns als stille Zeugenvergangener Zeiten gegenüber. Manche Informationen zu ihrer Geschichtesind verloren, doch ihr Wert als Zeitdokument wächst. In einem Auktionshaus kommt es immer wieder zu unerwarteten Begegnungen mit Kunst, zu Entdeckungen im besten Sinne. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, entpuppt sich nach näherer Begutachtung und wissenschaftlicher Einordnung als bedeutendes Werk. Nicht selten begegnen unsere Fachleute Kunstwerken, die seit Generationen in Familienbesitz ruhen und lange nicht öffentlich zu sehen waren.
Koller verfügt über eine breit gefächerte Expertise, um Kunstwerke zu erforschen und ihre Herkunft und Geschichteaufzuarbeiten. Dabei spielen kunstwissenschaftliche Recherchen zu den Werken eine zentrale Rolle, aber auch technologische Aspekte werden zunehmend wichtiger, etwa zu den eingesetzten Farbpigmenten, Bildträgern oder historischen Rahmen. Fernerarbeiten wir eng mit internationalen Fachpersonen zusammen, um die Autorschaftender Werke zu prüfen. Darüber hinaus ist Koller darum besorgt, die eingelieferten Kunstwerke konservatorisch zu pflegen, um den Käuferinnen und Käufern die bestmögliche Qualität anbieten zu können. Zudem werden Ressourcen genutzt, um die mitunterkomplizierte Provenienz der Kunstwerkeüber die Jahrhunderte offenzulegen. Selbstverständlich werden auch das Art Loss Register und andere Fachinstitutionenkonsultiert, um die Vergangenheit eines Gemäldes oder einer Skulptur zu ermitteln.
2025 konnte Koller wieder zahlreiche hochkarätige Werke Alter Meister vermitteln. Ein Beispiel: das ehemals in Adelsbesitz befindliche Blumenstillleben mit Römerglas von Ambrosius Bosschaert d. Ä., das erst kürzlich aus einer Privatsammlung an die Oberfläche trat. Bosschaert zählt zu den Pionieren der Stilllebenmalerei im 17. Jahrhundert und gilt als Wegbereiter der Gattung. In der Frühjahrsauktion entfachte das Gemälde ein dynamisches Bietergefecht – der Zuschlag von CHF 860 000 übertraf den unteren Schätzwert um mehr als das Dreifache.
AMBROSIUS
BOSSCHAERT D. Ä.
Blumenstrauss in einem Römerglas in
einer Nische. Um 1620.
Öl auf Kupfer 26,3 × 17,1 cm.
Verkauft für CHF 865 000
in die USA
Beeindruckend verlief auch die Wiederentdeckung eines grossformatigen Erzengels Michael von Antoine de Lonhy. Die Besitzer, eine Schweizer Privatsammlung, lieferten das Gemälde als anonymes Werke in. Im Laufe unserer Recherchen erwies es sich als eine Arbeit von de Lonhy, die in der Forschung lange als verschollen galt. Ein Bezug zu den Dominikanerkirchen von Turin oder Chieri ist denkbar. Weitere Tafeln desselben Altars befinden sich heute in Museen in Antwerpen, Turin und Paris sowie in Schweizer Privatbesitz. Der Erzengelerzielte CHF 210 000 und bereichert die piemontesische Malerei des 15. Jahrhunderts wesentlich.
«Als eines der wenigen auf Alte Meister spezialisierten Auktionshäuser in Europa ermöglichen wir Entdeckungen, die sonst verborgen bleiben würden.»
Karoline Weser, Abteilungsleiterin
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte der Zuschlag für Jan Lievens’ «Bildnis einer Frau im Kerzenschein». Das eindringliche Porträt kletterte im September von einer niedrigen zweistellen Schätzung auf CHF 325 000. Anhand dieses raren Werkes zeigte sich einmal mehr, wie eine für die Käuferschaft attraktive Schätzung breites Interesse weckt und am Ende zu einem deutlich höheren Zuschlag führen kann.
Ebenfalls bemerkenswert: die «Allegorie der Geschichte» von Charles Errard d. J., die knapp CHF 100 000 erzielte. Werke Errards werden äusserst selten angeboten; das hier versteigerte Gemälde war zuvor über ein Jahrzehnt als Dauerleihgabe im Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne zu sehen.
Ein weiterer Höhepunkt war Denijs van Alsloots monumentales Gemälde «Diana und Callisto», eine mythologische Szene aus Ovids «Metamorphosen». Durch die Recherchen vor unserer Auktion konnte die Autorschaft eindeutig Denijs van Alsloot zugeordnet werden; der Zuschlag erfolgte schliesslich bei knapp CHF 400 000. Eine kleinere Version der Komposition befindet sich im Musée du Louvre in Paris.
ISAAC
SOREAU
Traubenkorb mit Pfirsichzweig
und Blumenstrauss.
Öl auf Holz. 54,2 × 74,7 cm.
Verkauft für CHF 225 000
in die Schweiz
TOSKANISCHER
MEISTER
Madonna mit Kind und Pietà mit vier
Heiligen. Tempera und Goldgrund auf
Holz. 55,5 × 35,5 cm.
Verkauft für CHF 160 000
nach Deutschland
DENIJS
VAN ALSLOOT
Diana und Callisto.
Öl auf Leinwand. 120 × 168,5 cm.
Verkauft für CHF 385 000
nach Belgien

