Lot 1143 - A218 Sammlung Dr. Peter Ducret - Donnerstag, 17. September 2026, 14.00 Uhr
FIGUR EINES HEILIGEN
Schrezheim, um 1770–75. Modell möglicherweise von Johann Martin Mutschele.
Fayence mit Muffelfarbendekor. Auf einem hohen, barocken Architektursockel, im Demutsgestus mit der linken Hand zur Brust geführt und verkündender Geste mit seiner rechten ausgebreiteten Hand. Sein gelb staffierter Umhang über einem violettfarbenen Gewand und polychrom staffiertem Sockel. Zur Montierung auf dem Kopf und am Rücken durchbohrt. Ohne Marke.
H 31,5 cm.
Rechte Hand und Nasenspitze restauriert.
Provenienz:
- Sammlung Wintergerst, Auktion Nagel Stuttgart, 1981, Nr. 162.
- Auktion Neumeister München, 1984, Nr. 96.
- Auktion Stuker Bern, Mai 1986, Nr. 4303.
- Sammlung Peter Ducret, Kilchberg.
Das bedeutendste Werk der Schrezheimer Fayence Fabrik ist der Rokoko-Fayencealtar in der St. Antonius-Kapelle im Ellwanger Stadtteil Schrezheim, ausgeführt vom Bildhauer Johann Martin Mutschele aus Bamberg, um 1773–74, in der Ellwanger Manufaktur im Stadtteil Schrezheim von Johann Baptist Bux in Fayence umgesetzt. Die Figurenplastik des weiss glasierten Altars mit zurückhaltender farbiger Staffierung, trägt ähnliche Merkmale im Inkarnat wie unsere Figur.
Mutschele gilt als Modelleur ein Paar bedeutender Heiligenfiguren aus Schrezheim, vgl. Erdner-Nagel, 1972, Abb. 3-5. Im Museum of Fine Arts in Boston wird die bedeutendste Schrezheimer Skulptur verwahrt, eine Madonna mit Kind für den Fürstenhof von Wolfram-Eschenbach, ehemals Slg. Igo Levi, Inv.Nr. 61.1185.
Schrezheim (1752-1865)
Am 29. Juli 1752 erhielt der Weinhändler Johann Baptist Bux, ein gebürtiger Schrezheimer, vom Erzbischof von Trier, dem Kurfürsten Franz Georg von Schönborn, zu dessen Gebiet die Fürstpropstei Ellwangen gehörte, den „Freyheits Brieff“ mit wirtschaftlichen Privilegien, um eine Manufaktur „Porcellain-Fabric“ im heutigen Stadtteil Schrezheim zu gründen.
Eine Konkurrenzsituation am Ort (Adam Friedrich Prahl, Arkanist Josef Jakob Ringler) zwang ihn, im April 1758 möglichst rasch neben der Fayenceproduktion an das Arkanum der Porzellanherstellung zu gelangen, um seinen Freibrief für das Betreiben der Fabrik nicht zu verlieren. Ringler wanderte zum großen Glück für Bux nach Ludwigsburg ab und Bux konnte 1761 Johann Andreas Bechdolff für die ausgesprochen kostspielige Porzellanherstellung verpflichten, der jedoch bereits 1763 wieder ausschied. Bis zu seinem Tod 1817 betätigte er sich als Haus- und Dosenmaler. Später kam der aus Lunéville stammende Louis Victor Gerverot nach Schrezheim, und prägt die Produktion bis 1775.
Schrezheim erfährt bis etwa 1780 seine Blütezeit, doch die Porzellanherstellung wird bereits 1775 eingestellt. Aufgrund der kurzen Periode der Porzellanherstellung sind nur wenige Porzellane aus Schrezheim bekannt.
Mit dem Tod von Bux im Jahr 1800 ist der Niedergang der Manufaktur vorprogrammiert. Der Betrieb fiel an die Kinder, den Pfarrer Alois Bux und dessen zwei verheiratete Schwestern bzw. deren Männer, Anton Wintergerst und Anton Pfister. Die Fabrik besteht weiter, unter der Riege der Nachfahren, der Familie Wintergerst, bis zur Einstellung der Produktion 1852. Restbestände wurden 1865 versteigert.
Die berühmte Schrezheimer Levi-Madonna (Boston, USA) gehört zu den bedeutendsten Fayence-Bildwerken. Zwischen 1773-74 vermutet man die Entstehungszeit des Hauptwerks der Manufaktur, den Fayence-Altar für die St. Antoniuskapelle in Schrezheim.
Mutschele gilt als Modelleur ein Paar bedeutender Heiligenfiguren aus Schrezheim, vgl. Erdner-Nagel, 1972, Abb. 3-5. Im Museum of Fine Arts in Boston wird die bedeutendste Schrezheimer Skulptur verwahrt, eine Madonna mit Kind für den Fürstenhof von Wolfram-Eschenbach, ehemals Slg. Igo Levi, Inv.Nr. 61.1185.
Schrezheim (1752-1865)
Am 29. Juli 1752 erhielt der Weinhändler Johann Baptist Bux, ein gebürtiger Schrezheimer, vom Erzbischof von Trier, dem Kurfürsten Franz Georg von Schönborn, zu dessen Gebiet die Fürstpropstei Ellwangen gehörte, den „Freyheits Brieff“ mit wirtschaftlichen Privilegien, um eine Manufaktur „Porcellain-Fabric“ im heutigen Stadtteil Schrezheim zu gründen.
Eine Konkurrenzsituation am Ort (Adam Friedrich Prahl, Arkanist Josef Jakob Ringler) zwang ihn, im April 1758 möglichst rasch neben der Fayenceproduktion an das Arkanum der Porzellanherstellung zu gelangen, um seinen Freibrief für das Betreiben der Fabrik nicht zu verlieren. Ringler wanderte zum großen Glück für Bux nach Ludwigsburg ab und Bux konnte 1761 Johann Andreas Bechdolff für die ausgesprochen kostspielige Porzellanherstellung verpflichten, der jedoch bereits 1763 wieder ausschied. Bis zu seinem Tod 1817 betätigte er sich als Haus- und Dosenmaler. Später kam der aus Lunéville stammende Louis Victor Gerverot nach Schrezheim, und prägt die Produktion bis 1775.
Schrezheim erfährt bis etwa 1780 seine Blütezeit, doch die Porzellanherstellung wird bereits 1775 eingestellt. Aufgrund der kurzen Periode der Porzellanherstellung sind nur wenige Porzellane aus Schrezheim bekannt.
Mit dem Tod von Bux im Jahr 1800 ist der Niedergang der Manufaktur vorprogrammiert. Der Betrieb fiel an die Kinder, den Pfarrer Alois Bux und dessen zwei verheiratete Schwestern bzw. deren Männer, Anton Wintergerst und Anton Pfister. Die Fabrik besteht weiter, unter der Riege der Nachfahren, der Familie Wintergerst, bis zur Einstellung der Produktion 1852. Restbestände wurden 1865 versteigert.
Die berühmte Schrezheimer Levi-Madonna (Boston, USA) gehört zu den bedeutendsten Fayence-Bildwerken. Zwischen 1773-74 vermutet man die Entstehungszeit des Hauptwerks der Manufaktur, den Fayence-Altar für die St. Antoniuskapelle in Schrezheim.
CHF 2 000 / 3 000 | (€ 2 060 / 3 090)
Verkauft für CHF 3 000 (inkl. Aufgeld)