Lot 5199 - ibid160 Möbel, Uhren, Varia, Skulpturen, Teppiche - online only - Dienstag, 22. September 2026, 10.00 Uhr
GROSSES AMEUBLEMENT
Directoire, Bern, um 1815. Werkstatt Christoph Hopfengärtner (1758–1834) zugeschrieben, wohl für die russische Grossfürstin Anna Feodorowna (1781–1860).
Nussbaum geschnitzt mit Adlerköpfen, patiniert in der Art von Mahagoini. Bestehend aus zwölf Fauteuils und einem Canapé. Die Fauteuils mit trapezförmigem, seitig gerundetem gepolstertem Sitz auf gerader Zarge und vorderen gedrechselten bzw. hinteren Säbelbeinen. Die Vorderbeine mit blütenförmigem Fuss geschnitzt. Rechteckige, leicht eingerollte gepolsterte Rückenlehne sowie geschwungene Armlehnen, in vollplastischen Adlerköpfen endend. Das Sofa mit rechteckigem gepolstertem Sitz auf den Fauteuils entsprechenden Beinen. Die Armlehnen ebenso entsprechend, jedoch zu drei Vierteln gepolstert. Teils wohl originale Veloursbezüge mit polychromer Musterung (drei unterschiedliche Versionen). Vier Fauteuils mit Vogel- und Schmetterlingsdekor, auf der unteren Stoffbespannung nummeriert 14561, vier Fauteuils mit Vasen- und Oktogonaldekor, nummeriert 14547, sowie vier Fauteuils mit Bouquet im Blumenkranz, nummeriert 14578.
Fauteuils: 60 × 64 × 92 cm; Sofa: 178 × 76 × 96 cm.
Gebrauchsspuren und Fehlstellen. Stoff stellenweise stark abgenutzt.
Provenienz:
- durch Erbschaft in Schweizer Privatbesitz.
Eine Reihe von Indizien lässt die Vermutung zu, dass es sich bei diesem aussergewöhnlichen Ameublement um ein Werk des Berner Ebenisten Christoph Hopfengärtner (1758–1834) handelt, geschaffen für die in der Berner Elfenau wohnhafte russische Grossfürstin Anna Feodorowna. Die für Hopfengärtner eher untypische Verwendung des Adlerkopfes, die Patinierung in der Art von Mahagoni sowie die Herkunft aus der Villa Morillon sprechen für eine solche Zuschreibung.
Anna Feodorowna, geborene Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld, wurde 1796 mit dem russischen Grossfürsten Konstantin Pawlowitsch Romanow, dem Bruder des späteren Zaren Alexander I., verheiratet. Die Ehe verlief unglücklich. Anna floh 1801 schwanger aus St. Petersburg und hielt sich zunächst an verschiedenen Orten in Europa auf. 1813 liess sie sich in Bern nieder, wo sie 1814 das Brunnaderngut erwarb. Dieses wurde nach ihren Anweisungen dem Geschmack der Zeit entsprechend umgestaltet und mit einem Landschaftspark versehen. Das Gut wurde in Elfenau umbenannt und entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt für die Berner Gesellschaft, die russische Kolonie sowie ausländische Diplomaten. Als Oberhofmeister und Verwalter des Gutes amtete der Berner Arzt Rudolf Abraham von Schiferli (1775–1837), Vater des dritten Kindes Anna Feodorownas, der 1812 geborenen Tochter Hilda.
Aus einer Rechnung von Christoph Hopfengärtner an „Seine Excellenz Herrn Hofrath et Kammerherr v. Schiferle v. Bern“ geht hervor, dass der Berner Ebenist im Jahr 1814 mit der Reparatur des vorhandenen Mobiliars aus dem Brunnaderngut sowie mit der Herstellung neuen Mobiliars beauftragt war. Die Rechnung erwähnt mehrere Möbelstücke; ein Ameublement wird hingegen nicht explizit genannt (Hermann von Fischer: Berner Mobiliar des Klassizismus von Christoph Hopfengärtner und Zeitgenossen, S. 11. In: Schloss Jegenstorf: Christoph Hopfengärtner, Valentin Sonnenschein. Ausstellung 1986).
Nach dem Tod der Grossfürstin im Jahr 1860 gelangte die Elfenau, verkauft durch Anna Feodorownas Sohn Eduard im Jahr 1861, in den Besitz der Familie von Wattenwyl. Es ist zu vermuten, dass das Gut damals mitsamt dem Mobiliar an die Familie von Wattenwyl überging und dieses später in die Villa Morillon gelangte.
Anna Feodorowna, geborene Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld, wurde 1796 mit dem russischen Grossfürsten Konstantin Pawlowitsch Romanow, dem Bruder des späteren Zaren Alexander I., verheiratet. Die Ehe verlief unglücklich. Anna floh 1801 schwanger aus St. Petersburg und hielt sich zunächst an verschiedenen Orten in Europa auf. 1813 liess sie sich in Bern nieder, wo sie 1814 das Brunnaderngut erwarb. Dieses wurde nach ihren Anweisungen dem Geschmack der Zeit entsprechend umgestaltet und mit einem Landschaftspark versehen. Das Gut wurde in Elfenau umbenannt und entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt für die Berner Gesellschaft, die russische Kolonie sowie ausländische Diplomaten. Als Oberhofmeister und Verwalter des Gutes amtete der Berner Arzt Rudolf Abraham von Schiferli (1775–1837), Vater des dritten Kindes Anna Feodorownas, der 1812 geborenen Tochter Hilda.
Aus einer Rechnung von Christoph Hopfengärtner an „Seine Excellenz Herrn Hofrath et Kammerherr v. Schiferle v. Bern“ geht hervor, dass der Berner Ebenist im Jahr 1814 mit der Reparatur des vorhandenen Mobiliars aus dem Brunnaderngut sowie mit der Herstellung neuen Mobiliars beauftragt war. Die Rechnung erwähnt mehrere Möbelstücke; ein Ameublement wird hingegen nicht explizit genannt (Hermann von Fischer: Berner Mobiliar des Klassizismus von Christoph Hopfengärtner und Zeitgenossen, S. 11. In: Schloss Jegenstorf: Christoph Hopfengärtner, Valentin Sonnenschein. Ausstellung 1986).
Nach dem Tod der Grossfürstin im Jahr 1860 gelangte die Elfenau, verkauft durch Anna Feodorownas Sohn Eduard im Jahr 1861, in den Besitz der Familie von Wattenwyl. Es ist zu vermuten, dass das Gut damals mitsamt dem Mobiliar an die Familie von Wattenwyl überging und dieses später in die Villa Morillon gelangte.
Zustandsbericht:
- allg. guter Zustand<br>- Bezüge gebraucht, ausgebleicht. Unten teils mit Rissen (nicht sichtbar)<br>- wenige, feine Risse im Holz<br>- wenige Dellen und Kratzer<br>- Nagelbeschlag minimal unvollständig CHF 4 000 / 6 000 | (€ 4 120 / 6 190)
Verkauft für CHF 3 625 (inkl. Aufgeld)