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Lot 3450 - A216 Zeichnungen Alter Meister - Freitag, 27. März 2026, 10.30 Uhr

JEAN–HONORÉ FRAGONARD

(Grasse 1732–1806 Paris)
Tête de vieillard chauve. Nach 1767.
Pinsel in Braun über schwarzer Kreide.
35,5 x 27,8 cm. Alte Goldrahmung.

Provenienz:
- Anonymer Verkauf, 8. Juli 1793, No. 70.
- Sammlung Jacques Doucet (1853-1929), Paris.
- Seine Auktion am 16./17. Mai 1906 No. 27.
- Sammlung Marius Paulme (1863-1929), Paris.
- Seine Auktion 25./26. Mai 1932, No. 12.
- Sammlung Louis Watel Dehaynin (1885-1972), Normandie, Frankreich.
- Sammlung Fanny und Bernard Watel, Lausanne, durch Erbschaft an die heutigen Besitzer.

Ausstellungen:
-

Ausstellung:
- Fragonard. Galeries Nationales du Grand Palais, Paris, 24. Sept. 1987- 4. Januar 1988.
- Fragonard. The Metropolitan Museum of Art, New York, 2. Feb. - 8. Mai 1988.

Literatur:
- P. Rosenberg, Fragonard, Katalog zur Ausstellung, Galeries Nationales du Grand Palais und New York, The Metropolitan Museum of Art, 1987-88, Paris 1987, Nr. 230.

Von Mitte der 1760er bis Anfang der 1770er Jahre schuf Jean-Honoré Fragonard eine bedeutende Reihe von Darstellungen älterer bärtiger Männer, die als ‘Greisenköpfe’ (frz. Têtes d’hommes barbus oder Têtes de vieillards) berühmt geworden sind. Der Künstler ließ sich dabei von den alten Meistern inspirieren, insbesondere von Rembrandt van Rijn, aber auch von Peter Paul Rubens und Giovanni Battista Tiepolo. Wie schon bei Rembrandt dienten dem Maler diese meist als Brustbildnisse angelegten Köpfe, die wohl Philosophen, Heilige oder Apostel darstellen, vor allem als malerische Experimente. Sie sind aber auch als Studien für Lichtführung und Charakter zu verstehen, die menschliche Weisheit, Introspektion oder auch Erschöpfung thematisieren.
Diese virtuosen Gemälde und Ölstudien sind für ihren „impulsiven“ Farbauftrag bekannt. Fragonard nutzte dabei schnelle, heftige Pinselstriche, die den Werken den Charakter lebendiger Skizzen verleihen und oft Lichteffekte auf weißem Haar oder Bärten hervorheben. Die teils parallel dazu entstandenen Zeichnungen - wie auch das hier vorliegende Porträt - sind hingegen deutlich subtiler und feiner ausgearbeitet. Sie verlebendigen die Dargestellten durch genaue psychologische Charakterisierung, durch meisterhafte Lichtführung und stärkere Hell-Dunkel-Kontraste.
Durch die geschmeidige und flüssige Anwendung von Lavuren, mit Pinsel über schwarzer Kreide ausgeführt, lässt sich die vorliegende Zeichnung in die Zeit nach 1767 einordnen. Sie steht für eine Phase in der Karriere Fragonards, in der der Maler ein hohes Maß an Leichtigkeit und Freiheit jenseits aller vorhandenen technischen Fertigkeiten erreicht. Verbinden lässt sich das Brustbildnis mit dem Kopf des hl. Josephs aus Fragonards’ Gemälde Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (1776-78), das sich heute im Musée des Beaux-Arts, Troyes befindet (Abb.1).

CHF 20 000 / 30 000 | (€ 20 620 / 30 930)

Verkauft für CHF 150 000 (inkl. Aufgeld)