ANTIKER SCHMUCK
ALS SPIEGEL DER WELTKULTUREN
VORSCHAU AUF DIE AUKTION WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS VOM 18. SEPTEMBER 2025
Der Luzerner Ernst Kofler-Truniger und seine Frau Marthe gehörten zu den bedeutendsten Schweizer Privatsammlern des 20. Jahrhunderts. Mit feinem Gespür für künstlerische Qualität und kulturhistorische Relevanz trugen sie über Jahrzehnte hinweg eine herausragende Sammlung antiker Kunst, liturgischer Gerätschaften und aussereuropäischer Objekte zusammen. Ihr Sammlungskonzept ging dabei weit über das rein Ästhetische hinaus. Es war Ausdruck ihres tiefen Interesses an den Kulturen der Welt.
Sie unterschieden sich von anderen zeitgenössischen Sammlerinnen und Sammlern gerade dadurch, dass sie nicht das Grossformatige, Laute oder Schrille suchten, sondern ihre Aufmerksamkeit dem Kleinteiligen, den stillen Preziosen des Kunsthandwerks widmeten. Der Luzerner Unternehmer und langjährige Betreiber des Modehauses Kofler genoss zeitlebens ein grosses Renommee bei Museen und Kuratoren weltweit. Dies widerspiegelte sich ab den späten 1950er-Jahren in zahlreichen Leihgaben und Museumsschauen.
Die Akribie, mit der das Paar seine Sammlung betreute, wurde von den Museumsfachleuten weltweit geschätzt. Die besondere Sorgfalt zeigt sich etwa beim minutiösen Verfassen von Karteikarten für jedes einzelne Objekt, was heute eine wertvolle Grundlage für unsere Katalogbeschreibungen ist. Aus dem umfangreichen eklektischen Sammlungsnachlass hat das Auktionshaus Koller die Ehre, einen Teil der hochwertigen antiken Schmucksammlung in mehreren Auktionen zu präsentieren.
Die Sammlung beweist, dass Schmuck der Antike weit mehr als blosse Zierde war. Er ist vielmehr Ausdruck von Identität, Status, Glauben und handwerklicher Meisterschaft. Von den majestätischen Goldarbeiten der Achämeniden über die feinsinnige Symbolik ägyptischer Amulette bis hin zur eleganten Klarheit hellenistischer Schmuckformen entfaltet sich ein schillerndes Panorama kultureller Vielfalt und künstlerischer Exzellenz.
Gold war das bevorzugte Material vieler antiker Hochkulturen. Es fasziniert nicht nur durch seinen Glanz und seine Unvergänglichkeit, sondern auch durch seine rituelle und symbolische Bedeutung. Neben Gold umfasst die Kofler-Truniger-Sammlung auch Unikate aus Silber, Elektron, Glasfluss, Bronze und Kupfer sowie Beispiele für feinste Emaille-Techniken. Die Schmuckstücke zeugen von grenz- und epochenübergreifendem Kunsthandwerk. Die Sammlung vereint eindrucksvolle Exponate vorwiegend aus den antiken Hochkulturen des Mittelmeerraums sowie aus dem Gebiet des Mittleren und Vorderen Orients. Achämenidische, ägyptische, etruskische, hellenistische und römische Schmuckstücke sind ebenso vertreten wie gallorömische Artefakte und merowingische Fibeln und Gürtelschnallen aus der Zeit der Völkerwanderungen.
CLOISONNÉ-GOLDKNOPF
Wohl achämenidisch 6.–4. Jh. v. Chr. (?)Gold und Cloisonné-Technik. D 2,1 cm.
Schätzung: CHF 3 000 / 4 000
Eines der ältesten Objekte der Sammlung ist ein achämenidischer Cloisonné-Goldknopf aus dem 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. mit einer runden, leicht gewölbten Form und Perldraht-Umrahmung, die ein stilisiertes Stern- bzw. Blumenmuster zeigt. Dieses ist mit Kornalin, Glaspasten und Steinen eingelegt.
Fatimidischer Schmuck besticht durch aussergewöhnlich feine Arbeiten in Goldfiligran und Golddraht, die häufig mit aufgesetzten Granulation-Kügelchen versehen sind und teils durch farbige Emaille-Cloisonné ergänzt werden. Besonders eindrucksvoll ist die kunstvolle Verarbeitung der gewundenen Drähte und winzigen Goldkügelchen, die eine erstaunliche Detailgenauigkeit aufweisen. In der Sammlung Kofler-Truniger befindet sich ein Anhänger aus der Zeit um das 12. Jahrhundert, der auf diese Weise gefertigt wurde. In der Zeit der in Nordafrika und dem Vorderen Orient ansässigen Fatimiden (909–1171) trugen sowohl Männer als auch Frauen kostbaren Schmuck, der vermutlich nicht nur dekorativen Zwecken diente, sondern auch symbolische oder schützende Funktionen erfüllte. Zahlreiche Gestaltungselemente der fatimidischen Goldschmiedekunst fanden in späteren islamischen Kulturen weitere Verwendung.
BEDEUTENDER OHRRING,
WOHL MIT DER DARSTELLUNG
EINES KAISERINNENKOPFES
Frühbyzantinisch, ca. 5.–7. Jh. n. Chr.Goldblech. H 6,3 cm, B 5,5 cm.
Schätzung: CHF 3 000 / 5 000
Ein bedeutender frühbyzantinischer Ohrring zeigt möglicherweise die Darstellung eines Kaiserinnenkopfes. Das auf das 5. bis 7. Jahrhundert datierte Exponat könnte das früheste byzantinische Beispiel für die Darstellung eines kaiserlichen Kopfs bei diesem Ohrringtyp sein. Ausschlaggebend für diese Annahme ist der typische Haarschmuck.
Die Schmuckexponate aus der Sammlung Kofler-Truniger ermöglichen uns einen Einblick in die Ästhetik vergangener Kulturen und dokumentieren zugleich Handelsbeziehungen, Glaubenssysteme und technische Innovationen. Jedes Stück ist ein unverwechselbares Zeugnis vergangener Grösse und von bleibendem kunsthistorischen und kulturellen Wert.








