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Fernando Botero. Monalisa.

DAS LÄCHELN
DES FERNANDO BOTERO


MIT SEINER GROSSFORMATIGEN ZEICHNUNG VON 1959 NÄHERT SICH FERNANDO BOTERO EINEM DER BERÜHMTESTEN BILDMOTIVE DER ABENDLÄNDISCHEN KUNSTGESCHICHTE: LEONARDOS «MONA LISA».


Doch anstelle von blosser Reproduktion oder ironischer Brechung präsentiert Botero eine überraschend persönliche Neuinterpretation. Er zeigt die Gioconda als Kind mit überzeichneten Proportionen, rundem Gesicht und dem geheimnisvollen Lächeln des Originals.

Fernando Botero. Monalisa. 1959.

FERNANDO
BOTERO

Monalisa. 1959.
Kohle, Pastell- und Wachskreide
auf Kraftpapier auf Holz. 144 × 122 cm.
Schätzung:
CHF 250 000 / 350 000
Schon hier zeigt sich die charakteristische Formensprache, für die Botero später berühmt werden sollte: das Spiel mit formatfüllendem Volumen, die Monumentalisierung des Körpers und eine präzise Komposition. Die frontal dargestellte Figur trägt ein gestreiftes Kleid, in den Händen hält sie eine dunkle Blume – ein poetisches Detail, das sich gegen die stilistische Überzeichnung behauptet. Rosa und leuchtend blaue Akzente verleihen der grossformatigen Zeichnung auf Papier eine unerwartete Farbigkeit, die auf die malerische Experimentierlust des jungen Botero verweist. «Monalisa» gehört zu einer kleinen Werkgruppe, mit der Botero die ikonische Gioconda als Projektionsfläche für seine künstlerischen Studien nutzt – noch vor dem Durchbruch seines unverkennbaren Stils, den er später selbstironisch «Boterismo» nennt. Das verwandte Gemälde «Mona Lisa, Aged 12» wird 1961 vom Museum of Modern Art in New York erworben – ein entscheidender Impuls für die internationale Karriere des 1932 geborenen kolumbianischen Künstlers.

FERNANDO
BOTERO

Mona Lisa, Age 12. 1959.
Öl und Tempera auf Leinwand. 211 × 195,5 cm.
© Museum of Modern Art, New York
<Fernando Botero.Mona Lisa, Age 12. 1959.

DIE ZEICHNUNG ZEUGT VON SEINER FRÜHEN AUSEINANDERSETZUNG MIT DER EUROPÄISCHEN KUNSTTRADITION, INSBESONDERE MIT DEN ALTEN MEISTERN, DENEN ER SICH INTENSIV WIDMETE.


Mit feinem Witz und formaler Strenge verbindet Botero kunsthistorische Bezüge mit individueller Handschrift. Die Zeichnung zeugt von seiner frühen Auseinandersetzung mit der europäischen Kunsttradition, insbesondere mit den Alten Meistern, denen er sich während seines Europaaufenthaltes in den Jahren 1953/54 intensiv widmete. Boteros Mona Lisa verweist damit nicht nur auf Leonardo da Vinci, sondern auch auf Strategien der künstlerischen Moderne – von Marcel Duchamps Mona-Lisa-Readymade «L.H.O.O.Q.» bis zu Andy Warhols ikonischen Serienbildern. In dieser Verbindung von westlicher Kunstgeschichte und lateinamerikanischer Perspektive kommentiert Botero zugleich die Kommerzialisierung der Kunst und den Wandel des Bildes zum breit rezipierten Kulturgut. Botero schuf dabei eine eigenständige Bildsprache, die lokale Realität, politische Kritik und kunsthistorische Reflexion miteinander verbindet. Boteros Werke sind weltweit in bedeutenden Museen und öffentlichen Sammlungen vertreten; in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts steht der 2023 verstorbene Künstler als Solitär zwischen Tradition und Popkultur. Sein Werk fordert die Betrachtenden heraus, über Schönheit, Macht und soziale Normen nachzudenken.
Fernando Botero. Ms. Rubens #3. 1964.

FERNANDO
BOTERO

Ms. Rubens #3. 1964.
Öl auf Leinwand. 183 × 178 cm.
Verkauft bei Koller Auktionen
für CHF 825 000
Seit den 1970er-Jahren wird Botero weltweit ausgestellt – häufig im öffentlichen Raum. Gerade seine Skulpturen, etwa auf Plätzen in Paris, New York oder Medellín, trugen dazu bei, ein globales Publikum zu erreichen. Während er in Lateinamerika vielfach verehrt wurde und wird, galt seine Kunst in westlichen Kunstkreisen lange Zeit als gefällig oder zu «populär» – ein Vorurteil, das sich zunehmend auflöst. Das seltene Frühwerk aus unserer kommenden Auktion dokumentiert die Schaffensphase, in der sich Boteros eigenständige Bildsprache herausbildet – ausbalanciert zwischen tief empfundener Hommage und ironischer Distanz, oder wie er es selbst formulierte: «Ich beschreibe in realistischer Form eine nicht-realistische Realität.».

FERNANDO
BOTERO

Cane. Um 1980.
Bronze mit Schwarzbrauner Patina.
40 × 30 × 22 cm.
Verkauft bei Koller Auktionen
für CHF 360 000
Fernando Botero. Cane. Um 1980.

WEITERE HIGHLIGHTS

John Chamberlain. Grass Skirt Opus. 2002.


JOHN
CHAMBERLAIN

Grass Skirt Opus. 2002.
Stahlplastik, lackiert und verchromt.
41,5 × 40 × 35 cm.
Schätzung:
CHF 70 000 / 100 000
Chen Zhen. Le Monde / Le Chaos II. 1991.


CHEN
ZHEN

Le Monde / Le Chaos II. 1991.
Installation.
216 × 155 × 40 cm.
Schätzung:
CHF 170 000 / 270 000
Arnaldo Pomodoro. Porte dell'Edipo. 1988.


ARNALDO
POMODORO

Porte dell'Edipo. 1988
Bronzeplastik.
63 × 74 × 40 cm.
Schätzung:
CHF 70 000 / 100 000
Jean Tinguely. Musical Baby Machine. 1991.


JEAN
TINGUELY

Musical Baby Machine. 1991.
Eisenplastik mit Elektroinstallation.
200 × 160 × 130 cm.
Schätzung:
CHF 60 000 / 90 000
Clarisse Doge, Koller Auktionen

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