ERFOLGE FERN
DER HEIMAT
WAS FERDINAND HODLER UND FÉLIX VALLOTTON, ALBERTO GIACOMETTI ODER MERET OPPENHEIM VERBINDET, IST IHR ERFOLG IM AUSLAND.
Vor allem Paris, aber auch Berlin, München und Wien übten eine enorme Anziehungskraft aus. Während sich das Kunstleben in der verhältnismässig kleinen Schweiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft noch an akademischen Traditionen orientierte, entfalteten die europäischen Metropolen künstlerische Sprengkraft.
FÉLIX
VALLOTTON
La Seine aux Andelys. 1924.Öl auf Leinwand.
54,3 × 65,1 cm.
Schätzung:
CHF 320 000 / 420 000
Félix Vallotton war kein Mann der lauten Gesten. Doch seine Kunst – präzise und oft verstörend still – machte im Paris der Jahrhundertwende Furore. Seine Holzschnitte und Gemälde bestechen durch stilistische Kühle und psychologische Tiefe – wie das magisch anmutende «La Seine aux Andelys» von 1924 aus unserer Juni-Auktion. In den Kreisen der Nabis um Bonnard und Vuillard war Vallotton bald eine scharf beobachtende Ausnahmeerscheinung. Er nahm die französische Staatsbürgerschaft an, stellte im renommierten Salon aus und zählte zur kulturellen Elite. Die École de Paris wurde sein geistiges Zuhause. Gleichzeitig bewahrte er seinen Schweizer Blick: nüchtern, präzise, mit leisem, manchmal ironischem Unterton.
ALBERTO
GIACOMETTI
Composition (dite cubiste I, couple). Um 1926/27.Bronze, dunkelbraune Patina. Guss 1991.
67,1 × 43,7 × 39,9 cm.
Schätzung:
CHF 350 000 / 500 000
Alberto Giacomettis Aufstieg zu einem der prägendsten Künstler des 20. Jahrhunderts ist untrennbar mit Frankreich verbunden, genauer gesagt: mit Paris. Bereits in den 1920er-Jahren liess sich der junge Alberto in Montparnasse nieder und wurde Teil der pulsierenden Surrealistenszene um André Breton. Die Stadt und ihre Menschen boten Giacometti einen inspirierenden Echoraum. Ähnlich wie er fanden auch Sophie Taeuber-Arp, Meret Oppenheim oder später Jean Tinguely, von dem mehrere Werke in unserer Auktion Post-War & Contemporary am 26. Juni angeboten werden, zu den kreativen Freiräumen an der Seine. Über diesen Umweg erlangten sie auch in der Schweiz nachhaltige Anerkennung.

Ferdinand Hodler war
im deutschsprachigen Raum
ein gefragter Künstler –
umstritten, gefeiert,
gesammelt.
FERDINAND
HODLER
Blick ins Unendliche, Kopfstudie. Um 1914.Öl auf Leinwand.
56 × 43,5 cm.
Schätzung:
CHF 350 000/500 000
Ferdinand Hodler war im deutschsprachigen Raum ein gefragter Künstler – umstritten, gefeiert, gesammelt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts schlugen Hodlers radikale Formensprache und seine monumentalen Darstellungen existenzieller Themen hohe Wellen – auch jenseits der Alpen. In München, damals ein Brennpunkt der europäischen Kunstszene, entfachte er Diskussionen: Während Konservative seine Werke zunächst ablehnten, feierten ihn progressive Kreise bald als Wegbereiter der Moderne. Die Secessionisten in Wien und Berlin sahen in ihm einen Gleichgesinnten, einen Künstler, der den Geist des Symbolismus mit einer kraftvollen Bildsprache verband und den Menschen in den Mittelpunkt eines neuen Weltgefühls stellte. In Wien fand er in Gustav Klimt einen Seelenverwandten. Der gemeinsame Nenner: das Streben nach dem Sinn hinter der sichtbaren Welt. Das um 1914 entstandene Gemälde «Blick ins Unendliche» aus Hodlers Spätwerk steht exemplarisch für diese lebenslange Suche.
JEAN TINGUELY
UND
NIKI DE SAINT PHALLE
Viva Niki. 1989.Eisenplastik mit Elektroinstallation
und Polyestermultiple.
165 × 164 × 68 cm.
Schätzung:
CHF 50 000 / 70 000







