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Antoine de Lonhy

ANMUT AUF GOLDGRUND –
WIEDERENTDECKUNG EINES ALTARFLÜGELS


VORSCHAU AUF DIE AUKTION GEMÄLDE ALTER MEISTER AM 19. SEPTEMBER

In einer Schweizer Privatsammlung wurde vor Kurzem ein herausragendes Werk der spätmittelalterlichen Malerei wiederentdeckt: die elegante Darstellung des Erzengels Michael mit der Seelenwaage. Jahrzehntelang galt das Gemälde in der kunsthistorischen Forschung als verschollen. Ursprünglich war es Teil eines Antoine de Lonhy zugeschrieben fünfteiligen Altars für einen Dominikanerorden.

Antoine de Lonhy

ANTOINE
DE LONHY

Der Erzengel Michael.
Öl, Tempera und Goldgrund auf Holz.
103,8 × 44,4 cm.
Schätzung:
CHF 40 000 / 60 000


Die Michaeltafel bildete den linken Flügel des Retabels. Daneben befand sich einst die Darstellung des Heiligen Dominikus, die heute in der Galleria Sabauda in Turin aufbewahrt wird. Das zentrale Hauptbild, die Geburt Christi, ist heute Teil der Sammlungen des Museums Mayer van den Bergh in Antwerpen. Die beiden rechten Flügel zeigen Johannes den Täufer mit der Stifterin – heute in Schweizer Privatbesitz – sowie den Heiligen Vinzenz Ferrer, der sich inzwischen im Musée de Cluny in Paris befindet. Vermutlich ergänzte eine Predella den Altaraufbau und verband die einzelnen Tafeln zu einer geschlossenen Komposition.

Altarpiece by Antoine de Lonhy

ANTOINE
DE LONHY

Eine hypothetische Rekonstruktion
des ursprünglichen Altarbildes:
Heiliger Dominikus, Erzengel Michael,
Geburt Christi, Johannes der Täufer
mit der Auftraggeberin,
Heiliger Vinzenz Ferrer


Für welche Kirche der Altar mit der Darstellung des Erzengels Michael ursprünglich entstand, ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Am wahrscheinlichsten ist ein Auftrag für die Kirche San Domenico in Turin oder für San Domenico in Chieri, dort möglicherweise für die einflussreiche Familie Solaro. Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Ensemble im Verkaufskatalog des Mailänder Kunsthändlers Francesco Molinari. Nachdem es offenbar zunächst keinen Käufer fand, gelangte es um 1889 nach Paris, wo unsere Michaeltafel und das zentrale Bild der Geburt Christi ein Jahr darauf im Hôtel Drouot versteigert wurden.

ANTOINE
DE LONHY

Christus in Majestät.
Temperafarben, Blattgold und Goldfarbe.
34.5 × 25 cm
© The J. Paul Getty Museum, Los Angeles
Illustrated manuscript by Antoine de Lonhy

Antoine de Lonhy war nicht nur Maler, sondern auch Buchillustrator und Glasmaler. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts arbeitete er in verschiedenen Regionen Europas – in Burgund, Toulouse, Katalonien, Savoyen und schliesslich im Piemont. Seine Werke zeichnen sich durch eine klare Linienführung, feine Farbnuancen und eine ausgeprägte Sensibilität in der Darstellung von Gesichtsausdrücken aus. Besonders auffällig an der Michaeltafel sind die sorgfältig modellierten, fast transparent wirkenden Haarsträhnen des Erzengels sowie der in stiller Andacht ruhende Blick.

Mit dieser Wiederentdeckung wird nicht nur das Œuvre de Lonhys ergänzt, sondern auch das Bild der piemontesischen Malerei im Cinquecento um ein bedeutendes Kunstwerk bereichert.

Sano di Pietro


SANO DI PIETRO

(1406 Siena 1481)
Der Heilige Bernhardin von Siena.
Um 1444–45.
Öl, Tempera und
Goldgrund auf Holz.
30,5 × 26,6 cm.
Schätzung:
CHF 50 000 / 70 000
Barnaba da Modena


TOSKANISCHER MEISTER
AUS DEM UMKREIS DES
BARNABA AGOCCHIARI,
genannt BARNABA DA MODENA

(um 1328 Modena um 1386)
Madonna mit Kind und Pietà umrahmt von Heiligen
Antonius Abbas und Katharina von Alexandrien, ca. 1385.
Tempera und Goldgrund auf Holz. 55,5 × 35,5 cm.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000
Hieronymous Bosch


HIERONYMUS
BOSCH,
Nachfolger

(um 1450 's-Hertogenbosch um 1516)
Christus im Limbus.
Öl auf Leinwand.
43,5 × 58,5 cm.
Schätzung:
CHF 20 000 / 30 000

Karoline Weser, Koller Auctions

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KAROLINE WESER

Abteilungsleiterin
Gemälde Alter Meister

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