Lot 1095* - A214 Works of Art & Decorative Arts - Donnerstag, 18. September 2025, 13.30 Uhr
SCHILDKRÖTE - Slg. Embden
Renaissance, Italien, wohl Padua, 16. Jh. (?)
Bronze dunkel patiniert. Feine Detaillierung der Haut- und Panzerstruktur. Der Schnabel leicht geöffnet.
L 20,5 cm, H 6 cm.
Gebrauchsspuren. Lötspuren.
Provenienz:
Bronzefiguren von Tieren, insbesondere von Reptilien waren in der Renaissance sehr beliebt. Ein Zentrum für diese Figuren war Padua. Manfred Leithe-Jasper vermutet einen Grund dafür in der dortigen Universität und dem wissenschaftlichen Interesse an der Natur (Vgl. Museo Diocesano tridentino: Rinascimento e passione per l'antico. Andrea Riccio e il suo tempo. Trento 2008, S. 382/383). Für eine besondere Detailtreue und spezielle Nähe am Objekt sorgten sogenannte Lebendabgüsse oder "Abgüsse über der Natur", wobei die Form direkt über dem ausgenommenen Tier modelliert und später mit flüssiger Bronze ausgegossen wurde. Somit wurde nicht nur das Tier perfekt wiedergegeben, sondern auch die in der Natur vorkommenden Unregelmässigkeiten. Die Technik der Lebendabgüsse verbreitete sich später auch nach Deutschland, wo zum Beispiel Wenzel Jamnitzer ähnliche Arbeiten in Silber produzierte oder nach Frankreich, wo Bernard Palissy Tiermotive in seine Keramikarbeiten integrierte.
Entsprechende Bronzearbeiten aus dem Veneto werden in der Literatur und im Kunsthandel gerne Andrea Riccio oder Severo Calzetta da Ravenna zugeschrieben, wobei eine Zuordnung insbesondere von Lebendabgüssen ebenso schwierig ist wie eine genaue Datierung. Die Tierfiguren finden sich einerseits - wie dieses Exemplar - als einfache Figur oder ausgestattet mit einer Funktion, etwa als Tintengefäss oder Fuss für einen Kerzenleuchter. Zwei Lötstellen auf dem Rücken unserer Schildkröte könnten auf einen solchen Kontext hinweisen. Ein rein figürliches Exemplat einer Schildkröte, ebenso ein Lebendabguss, aus dem Kaiser Friedrich Museum Berlin ist abgebildet bei Wilhelm Bode: The Italian Bronze Statuettes of the Renaissance. New York, Neuauflage 1980, Tafel XXXIX, Nr. 2c. Sie wird unter dem Namen Riccio gelistet und als "wohl Norditalien, 16. Jh." katalogisiert. Eine ebenfalls Riccio zugeschriebene Lampe, bei welcher ein Satyr auf einer Schildkröte steht, welche auf einer Adlerkralle ruht, ist abgebildet auf Tafel XLIX. Diese befindet sich im Royal Museum Kopenhagen und ist ebenso ins 16. Jh. datiert.
Entsprechende Bronzearbeiten aus dem Veneto werden in der Literatur und im Kunsthandel gerne Andrea Riccio oder Severo Calzetta da Ravenna zugeschrieben, wobei eine Zuordnung insbesondere von Lebendabgüssen ebenso schwierig ist wie eine genaue Datierung. Die Tierfiguren finden sich einerseits - wie dieses Exemplar - als einfache Figur oder ausgestattet mit einer Funktion, etwa als Tintengefäss oder Fuss für einen Kerzenleuchter. Zwei Lötstellen auf dem Rücken unserer Schildkröte könnten auf einen solchen Kontext hinweisen. Ein rein figürliches Exemplat einer Schildkröte, ebenso ein Lebendabguss, aus dem Kaiser Friedrich Museum Berlin ist abgebildet bei Wilhelm Bode: The Italian Bronze Statuettes of the Renaissance. New York, Neuauflage 1980, Tafel XXXIX, Nr. 2c. Sie wird unter dem Namen Riccio gelistet und als "wohl Norditalien, 16. Jh." katalogisiert. Eine ebenfalls Riccio zugeschriebene Lampe, bei welcher ein Satyr auf einer Schildkröte steht, welche auf einer Adlerkralle ruht, ist abgebildet auf Tafel XLIX. Diese befindet sich im Royal Museum Kopenhagen und ist ebenso ins 16. Jh. datiert.
CHF 3 000 / 5 000 | (€ 3 090 / 5 150)
Verkauft für CHF 12 500 (inkl. Aufgeld)