Lot 1207 - A212 Decorative Arts - Donnerstag, 27. März 2025, 13.30 Uhr
PAAR KÖNIGLICHE SPIELTISCHE MIT ZWEI SPIELFELDERN AUS SCHLOSS GATTSCHINA
Transition, Russland, St. Petersburg, Ende 18. Jh. Kyrillische Inventaretiketten und -nummern "Гатчинского дворца правление" (Vorstand des Gatchina-Palastes)
Rosenholz, Veilchenholz, Amaranth und andere Hölzer gefriest, eingelegt in rechteckigen Reserven und Filets sowie geometrischem Dekor. Rechteckiges, zweifach abklappbares, in Messingstab gefasstes Blatt auf ausgeschnittener Zarge und geschweiften Beinen, das eine Bein schwenkbar. Bronzesabots mit Ball- und Klauenfüssen (später). Das Deckblatt eingelegt mit Rautenmuster in passiger Reserve. Einmal aufgeklappt mit entsprechender Marketerie sowie mit Schachfeld. Beim zweiten Aufklappen teils mit Filz bezogen, an den Rändern vertiefte Mulden für die Spielsteine. Eine versteckte Schublade.
Tisch 1: Auf der Unterseite mit diversen Annotationen und einer Papieretikette in kyrillischer Schrift, nummeriert 15505 bzw. Inventarnummer G.610. Diverse Bleistiftannotationen bezeichnet "Restauriert am 24. Mai 1977 Christie's Schreinerei".
Tisch 2: Leicht unterschiedlich in der Konstruktion. Auf der Unterseite mit Annotation und einer Papieretikette in kyrillischer Schrift, nummeriert 6232 bzw. Inventarnummer G.1358.
Tisch 1: Auf der Unterseite mit diversen Annotationen und einer Papieretikette in kyrillischer Schrift, nummeriert 15505 bzw. Inventarnummer G.610. Diverse Bleistiftannotationen bezeichnet "Restauriert am 24. Mai 1977 Christie's Schreinerei".
Tisch 2: Leicht unterschiedlich in der Konstruktion. Auf der Unterseite mit Annotation und einer Papieretikette in kyrillischer Schrift, nummeriert 6232 bzw. Inventarnummer G.1358.
Jeweils 91,5 × 45,5 (91) × 78 cm.
Provenienz:
- höchstwahrscheinlich auf Anordnung der sowjetischen Regierung in den 1920/30ern Jahren auf dem europäischen Kunstmarkt verkauft.
- wohl unbekannte Auktion Christie's, vor Mai 1977 (gem. Bleistiftannotation auf Unterseite eines Tisches).
- Auktion Sotheby's Zürich, 10. Dezember 1996, Lot 370.
- bedeutender Schweizer Privatbesitz.
Reparaturen und Restaurationen (nicht zur gleichen Zeit, resp. von gleicher Hand). Kleine Furnierfehlstellen. Die schwenkbaren Beine restauriert. Tisch 2 stärker ausgebleicht und spätere Schublade. Blatt eines Tisches verzogen.
Die kyrillischen Annotationen unterhalb der Spieltische sowie die bezeichnete Papieretikette verweisen auf das Schloss Gattschina als Ursprungsort. Das 1781 auf Anweisung von Zarin Katharina der Grossen fertiggestellte Schloss liegt in der Nähe von Sankt Petersburg und wurde nach dem Geschmack von Graf Grigori Grigorjewitsch Orlow, einem Günstling Katharinas, ausgestattet. Wie für damalige Verhältnisse üblich, orientierten sich die Königshäuser am französischen Geschmack. Obwohl unsere Spieltische französische Stilelemente der Transition-Epoche inkorporieren, ist die robuste Konstruktion und die stämmigen Proportionen sowie die Einlegearbeiten eine eigenwillige, wohl russische Lösung. Einer der Tische ist gemäss einem Auktionskatalog von Sotheby's auf einem Aquarell von K.A. Ukhtomsky aus dem Jahre 1947 abgebildet sein, aufgestellt in der Halle bei der Rüstkammer.
Wie die Tische den Palast verlassen haben, ist unklar. Es kann spekuliert werden, ob im Zuge der russischen Revolution ab 1917 und der staatlichen Aneignung von Kulturgütern aus dem Zarenhaus durch die neue sowjetische Regierung, die Spieltische im Ausland verkauft wurden. Berühmt berüchtigte Auktionshäuser, allen voran das "Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus", durfte direkt vor Ort durch eigene Agenten Kunstgegenstände aus russischen Schlössern selektieren und diese in Berlin im Auftrag der Sowjets versteigern. Diese sog. Russenauktionen nahmen 1928 ihren Höhepunkt, als für den 60. Jahrestag des Auktionshauses Kunstwerke aus russischen Museumsbeständen und Schlössern, darunter auch der Gattschina Palast, verkauft wurden (Vgl. Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus: Kunstwerke aus den Beständen Leningrader Museen und Schlösser (Nr. 2000): Eremitage, Palais Michailoff, Gatschina u.a. Berlin 6./7. November 1928).
Die kyrillischen Annotationen unterhalb der Spieltische sowie die bezeichnete Papieretikette verweisen auf das Schloss Gattschina als Ursprungsort. Das 1781 auf Anweisung von Zarin Katharina der Grossen fertiggestellte Schloss liegt in der Nähe von Sankt Petersburg und wurde nach dem Geschmack von Graf Grigori Grigorjewitsch Orlow, einem Günstling Katharinas, ausgestattet. Wie für damalige Verhältnisse üblich, orientierten sich die Königshäuser am französischen Geschmack. Obwohl unsere Spieltische französische Stilelemente der Transition-Epoche inkorporieren, ist die robuste Konstruktion und die stämmigen Proportionen sowie die Einlegearbeiten eine eigenwillige, wohl russische Lösung. Einer der Tische ist gemäss einem Auktionskatalog von Sotheby's auf einem Aquarell von K.A. Ukhtomsky aus dem Jahre 1947 abgebildet sein, aufgestellt in der Halle bei der Rüstkammer.
Wie die Tische den Palast verlassen haben, ist unklar. Es kann spekuliert werden, ob im Zuge der russischen Revolution ab 1917 und der staatlichen Aneignung von Kulturgütern aus dem Zarenhaus durch die neue sowjetische Regierung, die Spieltische im Ausland verkauft wurden. Berühmt berüchtigte Auktionshäuser, allen voran das "Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus", durfte direkt vor Ort durch eigene Agenten Kunstgegenstände aus russischen Schlössern selektieren und diese in Berlin im Auftrag der Sowjets versteigern. Diese sog. Russenauktionen nahmen 1928 ihren Höhepunkt, als für den 60. Jahrestag des Auktionshauses Kunstwerke aus russischen Museumsbeständen und Schlössern, darunter auch der Gattschina Palast, verkauft wurden (Vgl. Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus: Kunstwerke aus den Beständen Leningrader Museen und Schlösser (Nr. 2000): Eremitage, Palais Michailoff, Gatschina u.a. Berlin 6./7. November 1928).
CHF 20 000 / 30 000 | (€ 20 620 / 30 930)
Verkauft für CHF 40 000 (inkl. Aufgeld)