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Lot 1119* - A138 Möbel, Porzellan & Dekoration - Mittwoch, 20. September 2006, 10.00 Uhr

MITTELTISCH "AUX BACCHUS" MIT "PIETRA DURA"-PLATTE,

Napoléon III, sign. F. BARBEDIENNE (Ferdinand Barbedienne, Saint-Martin de Fresney 1810-1892 Paris), Paris um 1870.
Bronze matt- und glanzvergoldet sowie schwarze Jade. Das Blatt ausserordentlich fein eingelegt mit Malachit, Lapislazuli und diversen Halbedelsteinen; Stilleben mit Vasen und Krügen, Früchten, Blumen, Blättern, Schmetterlingen und Zierfries. Rechteckiges, in profilierten Bronzestab gefasstes Blatt auf gerader Zarge mit durch eingezogenes, durchbrochenes Zwischentablar verbundenen Bacchus-Beinen auf Tatzenfüssen. 126x70x83 cm.

Provenienz: Westschweizer Privatbesitz. Hochbedeutender Mitteltisch von perfekter Qualität und Eleganz. F. Barbedienne, Sohn eines bescheidenen Landwirts, stellte mit Erfolg Tapeten her, bevor er sich 1838 dem Mechaniker Achille Collas (1795-1859) anschloss, der ein Verfahren zur Herstellung kleinerer Bronzeobjekte erfunden hatte. Im Jahr darauf gründete Barbedienne eine Giesserei zur Nachfertigung der meisten sich in den europäischen Museen befindenden Statuen in reduzierten Grössen, die sich leicht in moderne Einrichtungen integrieren liessen. Sein Verfahren konnte er auch für die Werke zeitgenössischer Bildhauer anwenden. Sein Neffe und Nachfolger, Gustave Leblanc-Barbedienne, entwickelte das Verfahren weiter, zur Herstellung von monumentalen Skulpturen wie auch von Nachfertigungen. Seit 1847 fertigte er auch Möbel - zumeist im Stile der Renaissance oder im "goût écletctique" seiner Epoche. Das hier angebotene Möbel stellt diesbezüglich sein bedeutendstes und qualitativ bestes Werk dar. Dies umso mehr, als F. Barbedienne relativ wenig Möbel fertigen liess. Ende des 16. Jahrhunderts liess der Herzog Francesco de' Medici die bedeutendsten Steinschneider seiner Zeit, die ursprünglich in Rom und Mailand tätig waren, in Florenz verpflichten. Im Erdgeschoss der Uffizien wurden sie und andere Kunsthandwerker zu einer straff organisierten "officina" zusammengeschlossen. Die rigide Struktur des Produktionswesens, kombiniert mit den innovativsten und kreativsten Entwerfern und Künstlern, führte zu einer bis anhin nicht erreichten Hochblüte. Im Bemühen, die Bildkunst nachzuahmen, entstanden Platten für Prunktische und Kabinette von höchster Qualität. Im Laufe des 18. Jahrhunderts fertigten arrivierte Maler wie G. Zocchi spezielle Vorlagen für die Florentiner Werkstätte und trugen so zum immensen Erfolg dieser Werke bei - man denke an die Platten in den Wiener Palästen und an die 4 grossen Bildplatten des Bernsteinzimmers im Katharinenpalast. Lit.: D. Ledoux-Lebard, Le mobilier français du XIXe siècle, Paris 1989; S. 38 (biogr. Angaben). C. Payne, 19th century european furniture, Suffolk 1981; S. 32 (biogr. Angaben). N.B. Tunze, Bildkunst mit edlen Steinen - Pietre Dure, München 1998; S. 12-15 (allg. Angaben zur Entwicklung der Pietre Dure in Florenz) und Abb. 16-26 (diverse Tischplatten aus Florentiner Werkstätten).

CHF 80 000 / 140 000 | (€ 82 470 / 144 330)

Verkauft für CHF 442 000 (inkl. Aufgeld)