Lot 1520 - A156 Silber & Porzellan - Montag, 28. März 2011, 14.00 Uhr

AUS EINEM TEE- UND KAFFEESERVICE MIT EMAILMALEREI UND VERMEILMONTIERUNG, AUGSBURG,

UM 1703-1705. Eine Tasse und zwei Unterschalen. Silber getrieben, gegossen, ziseliert, graviert und vergoldet. Emailmalerei auf Kupfer. Mit feiner farbenprächtiger Emailmalerei mit Szenen aus der antiken Mythologie sowie aus dem Leben der Venus, jeweils in orangeroter goldgehöhter Blattwerkkartusche auf beiden Seiten der Tasse und Perlstabbordüre auf den Unterschalen. Auf dem Boden der Tasseninnenseite und im Boden des Standrings ein Blumenmedaillon. Die Vermeilfassung der Tasse vom glatten Rand über zwei aus Rollwerkornamenten gebildeten Henkeln bekrönt durch ein Maskaron, gehalten durch zwei seitlichen Spangen über einem gekehlten Standring. Die Unterschalen mit einer breiten godronnierten Fahne mit Perlschnurfries. Auf dem Standring der Unterschalen eingeritzte Besitzerzeichen (?) 'BvG.' H Tasse 4,7 cm; D Unterschale 15,7 cm.

Provenienz: Privatbesitz, Zürich. Bei der Wahl der Vorlagen bediente man sich in Augsburg mit Vorliebe der antiken Mythologie, vor allem die Geschichten um Götterliebschaften. Bei den vorliegenden Stücken hat sich der Emailleur auf ein Hochzeitsgedicht mit graphischen Illustrationen 'Der reisende Cupido' von Christian Hoffman von Hoffmanswaldau (1616-1679) berufen . Die Szenen auf der Tasse greifen die Szene auf, in der man ein durch Amors Taten glücklich vereintes Paar vor der thronenden Venus sieht, bzw. die Schlussszene des Gedichtes mit den beiden frisch Vermählten im Hochtzeitsgemach. Dieses Werk diente wie fast das ganze lyrische Oeuvre dieses schlesischen Dichters der geistreichen Unterhaltung eines kleinen Kreises gebildeter Freunde und kursierte daher zunächst nur in handschriftlicher Form. Die Ausgabe von 1703 mit Illustrationen des Ausburger Goldschmieds und Kupferstechers Johann Andreas Thelott (1655-1734) muss zu diesem Zeitpunkt ungemein beliebt gewesen sein. Sie erschien daher den Feuermalern als ideale Grundlage für die Dekore der damals neuen, hochmodischen Emailservice. Jedoch ging es dem Emailleur nicht um die Illustration eines konkreten Handlungsablaufes, sondern um die Darstellung einer Landschaftsidylle, die mit dem Auftauchen der Liebesgöttin Venus und des Amorknaben einen erotischen Aspekts erhält. Ulrike Weinhold, Emailmalerei an Augsburger Goldschmiedearbeiten von 1650 bis 1750., S. 120, 121, Kat. 39 zu einem ähnlichen Service aus der Münchner Schatzkammer in der Residenz.

CHF 4 000 / 6 000

€ 3 740 / 5 610

Verkauft für CHF 90 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr