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Lot 50 - A153 Sammlungen - Freitag, 25. Juni 2010, 10.00 Uhr

Hebel, Johann Peter.

Bedeutendster u. bahnbrechender alemannischer Mundartdichter mit Versen von klassischer Schlichtheit. Schrieb auch meisterlich schwankhafte Anekdoten u. volkstümlich-realistiche Erzählungen. Von Goethe u. Jean Paul gelobt. (1760-1826). Eigenh., höchst wichtiger u. inhaltsreicher Br. m. U., Karlsruhe, 2. Juni 1811. 1 Bl. 4°, 1 ½ S. beschrieben.- 2 kl. Randeinrisse.

An Jean Paul. Hebel übersendet ein Exemplar des ‚Schatzkästleins des rheinischen Hausfreunds' und bedankt sich für Jean Pauls warmherzige Empfehlung der ‚Alemannischen Gedichte'. Jean Paul hatte am 24. Nov. 1803 in der ‚Zeitung für die elegante Welt' (Sp. 1119-1121) einen Besprechung von Hebels Gedichtbuch publiziert, die den Titel trug: ‚Allemannische Gedichte. Schreiben an den Herausgeber von Hrn. Legationsrath Jean Paul Friedrich Richter'. Er übernahm den Text 1809 auch in sein Buch ‚Katzenbergers Badereise. Nebst einer Auswahl verbesserter Werkchen' (S. 182-188). Mit vorliegendem Brief dankt Hebel für diese Anerkennung. "Verehrtester Herr Legationsrath! Die alemannischen Gedichte könnten nicht höher geehrt u. der Verfasser dazu nicht inniger erfreut werden als es in der Z. f. d. e. W. [= ‚Zeitung für die elegante Welt'] und im unvergleichlichen Katzenberger durch Ihr Urtheil geschehen ist, durch das Urtheil eines Mannes, dem so alle guten u. fühlenden Menschen huldigen, u. ich rechne es zu den schönsten Preisen, die mir die Muse ersang, dass Sie mir gut sind und dass ich iezt an Sie schreiben kann, fast wie ein guter Bekannter an den andern, wenn ichs mir auch ein wenig … könnte. Ich bitte Sie das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, das dieser Brief begleitet, gütig von mir anzunehmen. Es enthält gar nicht viel, was Sie anziehen kann. Der Inhalt ist fast so calenderhaft, als Druck u. Papier. Aber wenn ich unterdessen auch nur ein ABC-Buch geschrieben hätte, was ich auch in Zukunft noch zu thun im Stande bin, es hätte mir zum Mantel dienen müssen, Ihnen einmal in diesem Leben meinen Dank für so manche himmlische Stunde, die mir durch Ihre Schriften ward, und die wahrhaft heilige Liebe zu Ihnen zu bezeugen…" Literarhistorisch hochbedeutsames Dokument zur persönlichen Beziehung dieser beiden unklassischen Klassiker der deutschen Literatur. Der Brief ist publiziert in: ‚Wahrheit aus Jean Paul's Leben', Bd. 7, hrsg. von Ernst Förster. Breslau 1833, S. 207 f. (Erstdruck, nicht korrekt).- ‚Briefe von J. P. Hebel. Eine Nachlese'. Gesammelt, erläutert u. hrsg. von Karl Obser. Karlsruhe 1926, S. 70, Nr. 54.- ‚Johann Peter Hebels Briefe. Gesamtausgabe', hrsg. u. erläutert von Wilhelm Zentner. Karlsruhe 1939, S. 466, Nr. 305.- Johann Peter Hebel. ‚Briefe der Jahre 1810-1826 der Gesamtausgabe zweiter Band', hrsg. u. erläutert von Wilhelm Zentner. Karlsruhe 1957, S. 503, Nr. 321.- ‚Acht Hebelbriefe'. Mitgeteilt von Theodor Engelmann, in: ‚Basler Jahrbuch 1927', hrsg. von August Huber u. Ernst Jenny, S. 174-191. Der Brief an Jean Paul mit Erläuterung S. 186-188, Nr. 6 (nach der Handschrift, ohne Besitzerangabe).- Faksimiliert für die Jahrestagung der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft in Sitten am 2. u. 3. Brachmonat 1945 (als Einzelblattdruck in 160 Expl. durch Hügin & Sprenger in Basel vervielfältigt u. an der Jahrestagung verteilt).

CHF 6 000 / 9 000 | (€ 6 190 / 9 280)

Verkauft für CHF 15 600 (inkl. Aufgeld)