Lot 3288 - A213 Impressionismus & Moderne - Freitag, 27. Juni 2025, 16.30 Uhr
ALBERTO GIACOMETTI
(Stampa 1901–1966 Chur)
Composition (dite cubiste I, couple). Um 1926/27.
Bronze, dunkelbraune Patina. Guss 1991.
Auf der Rückseite signiert und nummeriert: Alberto Giacometti 2/8.
67,1 × 43,7 × 39,9 cm.
Gutachten:
Provenienz:
- Privatsammlung.
- Auktion Christie's, New York, 14.11.1996, Los 221.
- Galerie Beyeler, Basel.
- Marsha Glazer, Kalifornien, in obiger Galerie erworben.
- Privatsammlung Schweiz, von Obiger erworben.
- Auktion Christie's, London, 4.2.2014, Los 35.
- Schweizer Privatbesitz, an obiger Auktion erworben.
Ausstellungen:
- New York 1994, Alberto Giacometti (1901–1966). A Loan Exhibition, Acquavella Galleries, 27.10.–10.12.1994, Nr. 1 (mit Abb. S. 31).
- Malmö 1994/95, Alberto Giacometti. Skulpturer, teckningar, målningar, Malmö Konsthall, 29.10.1994–22.1.1995.
- Santa Barbara 2005, Out of site. Selections from the Marsha S. Glazer Collection, University of California Art Museum, 5.1.–27.2.2005.
Literatur:
Alberto Giacometti kommt Anfang der 1920er-Jahre nach Paris und arbeitet im Atelier von Émile-Antoine Bourdelle. Während Bourdelle Giacomettis moderne Ansätze zwar toleriert, besteht er zugleich darauf, dass sein junger Schüler weiterhin auch klassische Arbeiten anfertigt. Trotz der stilistischen Distanz zwischen beiden profitiert Giacometti erheblich von dieser fundierten und technischen Ausbildung.
Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung ist jedoch das lebendige Umfeld in Paris Montparnasse – damals ein pulsierendes Zentrum der Avantgarde, wo Künstler aus aller Welt zusammenkamen.
Dort begegnet Giacometti 1925 den Bildhauern Constantin Brancusi, Ossip Zadkine und Jacques Lipchitz. Alle drei sind älter als Giacometti und in ihrer skulpturalen Sprache bereits fortgeschritten. Vor allem Lipchitz mit seinen postkubistischen Formen hat Mitte der 20er-Jahre einen prägenden Einfluss auf den jungen Künstler.
Diese Auseinandersetzung markiert einen entscheidenden Wendepunkt im Werk von Alberto Giacometti und kann als Beginn seiner künstlerischen Reife betrachtet werden. Giacometti beginnt hier einen eigenständigen Stil zu entwickeln, der sich in den folgenden Jahren über fast kykladisch anmutende Formen und surreal beeinflusste Skulpturen hin zu den berühmten, langgestreckten Figuren der Nachkriegszeit entfalten sollte.
In "Composition (dite cubiste I, couple)" zeigt sich, wie Giacometti den Kubismus nicht einfach übernimmt, sondern ihn für seine eigenen Zwecke nutzt und in eine Formsprache verwandelt, die sich zwischen Art Déco und Reduktion bewegt. Die streng geometrische Struktur der Skulptur bleibt nicht rein abstrakt: Die zwei zentralen, leicht geneigten Elemente erinnern an Köpfe. Dies deutet bereits Giacomettis konsequente Verbindung zur menschlichen Figur an, die in seinem gesamten Schaffen im Zentrum stehen wird. Bei dem hier vorliegenden Werk handelt es sich wohl um die erste grössere kubistische Skulptur Giacomettis. Die Plastik wurde erst 1991 bekannt, als der Originalgips aus dem Nachlass Alberto Giacomettis in Bronze gegossen wurde. Eines der weiteren Bronze-Exemplare befindet sich heute als Leihgabe im Kunsthaus Zürich.
Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung ist jedoch das lebendige Umfeld in Paris Montparnasse – damals ein pulsierendes Zentrum der Avantgarde, wo Künstler aus aller Welt zusammenkamen.
Dort begegnet Giacometti 1925 den Bildhauern Constantin Brancusi, Ossip Zadkine und Jacques Lipchitz. Alle drei sind älter als Giacometti und in ihrer skulpturalen Sprache bereits fortgeschritten. Vor allem Lipchitz mit seinen postkubistischen Formen hat Mitte der 20er-Jahre einen prägenden Einfluss auf den jungen Künstler.
Diese Auseinandersetzung markiert einen entscheidenden Wendepunkt im Werk von Alberto Giacometti und kann als Beginn seiner künstlerischen Reife betrachtet werden. Giacometti beginnt hier einen eigenständigen Stil zu entwickeln, der sich in den folgenden Jahren über fast kykladisch anmutende Formen und surreal beeinflusste Skulpturen hin zu den berühmten, langgestreckten Figuren der Nachkriegszeit entfalten sollte.
In "Composition (dite cubiste I, couple)" zeigt sich, wie Giacometti den Kubismus nicht einfach übernimmt, sondern ihn für seine eigenen Zwecke nutzt und in eine Formsprache verwandelt, die sich zwischen Art Déco und Reduktion bewegt. Die streng geometrische Struktur der Skulptur bleibt nicht rein abstrakt: Die zwei zentralen, leicht geneigten Elemente erinnern an Köpfe. Dies deutet bereits Giacomettis konsequente Verbindung zur menschlichen Figur an, die in seinem gesamten Schaffen im Zentrum stehen wird. Bei dem hier vorliegenden Werk handelt es sich wohl um die erste grössere kubistische Skulptur Giacomettis. Die Plastik wurde erst 1991 bekannt, als der Originalgips aus dem Nachlass Alberto Giacomettis in Bronze gegossen wurde. Eines der weiteren Bronze-Exemplare befindet sich heute als Leihgabe im Kunsthaus Zürich.
CHF 350 000 / 500 000 | (€ 360 820 / 515 460)
Verkauft für CHF 412 500 (inkl. Aufgeld)