Lot 1104 - A153 Möbel, Porzellan & Dekoration - Mittwoch, 23. Juni 2010, 10.00 Uhr
TAPISSERIE "ADORATION DES BERGERS AVEC SAINT FRANCOIS ET SAINTE CLAIRE",
Renaissance, nach einer Zeichnung von PARMIGIANINO (Girolamo Francesco Maria Mazzola oder Mazzuoli, gen. Il Parmigianino, Parma 1503-1540 Casalmaggiore), wohl Brüssel, 2. Hälfte 16. Jh.
Darstellung der Hl. Familie mit sich vor dem Jesuskind verbeugenden, ihm ein Lamm darbietenden Hirten, eingerahmt vom Hl. Franziskus von Assisi mit Kruzifix als Allusion auf die Stigmata und der Hl. Klara in Franziskanerkutte, mit Buch als Allusion auf den Clarissenorden. Im Hintergrund Landschaft mit jungem Mann und Vierfüssern vor einem Torbogen. In fein gefasstem Renaissancestil-Rahmen. H 120 cm, B 250 cm.
Provenienz: - Ehemals Bernheimer, München. - Privatsammlung, Schweiz. Diese Tapisserie wurde im Jahr 1963 erstmals in der Galerie Bernheimer in München entdeckt. Aller Wahrscheinlichkeit nach war sie für ein Kloster des Franziskaner-Ordens gewoben worden. Das ungewöhnliche Format lässt vermuten, dass sie als Altaraufsatz oder Altarverkleidung gedient haben könnte. Die zentrale Komposition erinnert an eine Zeichnung des Francesco Mazzola, genannt Il Parmigianino, und heute im Bestand der Graphischen Sammlung in Weimar (Inventarnr. KK 7393). Sie wurde vom Kupferstecher Jacobo Caraglio für eine bereits im Jahr 1526 entstandene Arbeit "en contrepartie" übernommen. Das Gegenstück diente als Vorlage zu einer Tapisserie. Die erste Version befindet sich auf einer Tapisserie, die sich heute im erzbischöflichen Palais in Mailand befindet. Diese Anfertigung, mit leicht unterschiedlicher Anordnung der Personen und leicht unterschiedlichen Massen, ist mit Woll- und Seidenfäden sowie auch mit Gold- und Silberfäden gewoben. Die originale Bordüre wurde in Form eines Türrahmens gearbeitet. Unsere hier angebotene Tapisserie lässt vermuten, dass es sich um eine Variante der Mailänder Tapisserie handelt, die für eine spezifische Verwendung eines Franziskaner-Klosters adaptiert wurde. Wegen der fehlenden Bordüre und Signatur ist es schwierig, die Tapisserie genau zu lokalisieren; die bei der Mailänder Tapisserie vorhandenen Elemente könnten zwar auf die Werkstätte von Ferrara hindeuten, allerdings wurden Bordüren dieser Art bereits früher in Brüsseler Ateliers gefertigt - die Mailänder Tapisserie wurde schliesslich den Brüsseler Werkstätten zugeschrieben. Die Ausschmückung unserer Tapisserie mit kleinen Blumen und Pflanzen sowie einer Trauerweide im Hintergrund weist ebenfalls auf die Brüsseler Werkstätte hin. Lit.: A.E. Popham, Catalogue of the Drawings of Parmigianino, New Haven-London 1971; I, S. 11 und II, S. 192 (Nr. 631, Tafel 144). N. Forti Grazzini, Arazzi a Ferrara, Mailand 1982; S. 106f. Ibid, Arazzi a Milano, Mailand 1988, S. 15 und 78f. Ibid, Ausstellungskatalog, Le stanze del cardinale Monti 1635-1650, Mailand 1994; S. 183f. E. Kirschbaum, Lexikon der christlichen Ikonographie, Freiburg i.Br. 1994 (VI, Abb. 272 und VII, Abb. 315).
CHF 10 000 / 16 000 | (€ 10 310 / 16 490)
Verkauft für CHF 19 200 (inkl. Aufgeld)