Lot 1150* - A143 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 06. Dezember 2007, 10.00 Uhr
PRUNK-CARTEL "AUX AMOURS",
Louis XV, aus einer Pariser Meisterwerkstatt, wohl von C. CRESSENT (Charles Cressent, Meister 1720), das Zifferblatt sign. GOURDAIN A PARIS (Nicolas Gourdain, Meister 1724), um 1745/50.
Bronze matt- und glanzvergoldet. Kartuschenförmiges Gehäuse mit Amoraufsatz und feinen Putti, Pfau, Drachen und markantem Blattwerk. Emailzifferblatt mit arabischen Minuten- und römischen Stundenzahlen. Feines Spindelwerk mit 1/2-Stundenschlag auf Glocke. H 88 cm.
Provenienz: Aus einer amerikanischen Sammlung. Hochbedeutendes Cartel von bestechender Qualität und Eleganz. Die Zuschreibung an C. Cressent beruht auf diversen Vergleichsbeispielen mit analogen figuralen Motiven und den markanten Drachenfiguren. Cartelle dieser Art sind Bestand des Paul Getty Museums in Malibu (Inventarnr. 71.DB115), des Musée des Arts Décoratifs in Paris und des Rijksmuseum in Amsterdam (Inventarnr. R.B:K. 18018). Sie sind abgebildet in: H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986; I, S. 79 (Abb. 1.12.7 und 1.12.6) und S. 111 (Abb. 2.3.4). N. Gourdain war als innovativer Uhrmacher bekannt und Mitglied der renommierten Société des Arts in Paris. Zu seiner illustren Kundschaft gehörte unter anderem der Marquis de Bercy. Gourdain pflegte eine intensive Zusammenarbeit mit C. Cressent, dessen Gehäuse er oft verwendete. C. Cressent, 1685 als Sohn des "sculpteur du Roi" François Cressent geboren, arbeitete zunächst im Atelier seines Vaters. Bereits als junger Lehrling hatte er Kontakt zu G. Oppenordt, der als "premier architecte" des Duc d'Orléans 1709 tätig war. 1710-1714 arbeitete C. Cressent für den Bildhauer Girardon und für Lorrain und erhielt von der Académie St. Luc 1714 den Titel "maître sculpteur". Nach der Hochzeit mit der Witwe von J. Poitou, einem "ébéniste du Régent", erhielt er auch diesen Titel und schuf hochwertiges Mobiliar für den Regenten und den Adel der französischen Metropole. Zu seiner Kundschaft gehörten der Marquis de Marigny, der Duc de Richelieu, bedeutende Sammler wie Marcellin de Selle, Bounier de la Mosson, Brozat, Julienne, Blondel de la Gagny, König Joao V. von Portugal und Angehörige des Bayrischen Hofes, für die er quellenmässig gesicherte Prunkmöbel lieferte - man denke an die als Meisterwerk zu bezeichnende Kommode "aux nymphes" und an das Kommodenpaar "aux angelots musiciens". C. Cressent und sein Konkurrent A. Gaudreaux (1680-1751) definierten in den Jahren 1720/40 den "style Régence", gekennzeichnet durch eine elegante, geschweifte und als majestätisch zu bezeichnende Formgebung und qualitativ hochwertiges, variantenreiches und bis anhin unbekanntes Bronzezierwerk, dies teilweise basierend auf Skizzen der "dessinateurs de la Chambre", die Gebrüder Slodtz. C. Cressent war nicht nur Produzent von königlichen Möbeln, sondern gleichzeitig auch rühriger Sammler solcher Werke und bedeutender Gemälde, was ihn immer wieder zum Verkauf seines "stock" zwang, da er wie viele seiner "confrères" beinahe ständig finanzielle Schwierigkeiten hatte. Hinzu kamen verschiedene Prozesse gegen die "corporation des fondeurs, ciseleurs et doreurs", die ihn anklagte, weil er als "sculpteur" seine Bronzen in Eigenproduktion schuf, was das geltende Zunftrecht verletzte. Lit.: J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 328 (biogr. Angaben zu N. Gourdain). H.L. Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris 1974; S. 268 (biogr. Angaben zu N. Gourdain). P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 197-205 (biogr. Angaben zu Cressent). J. Nicolay, L'art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 35/36 (biogr. Angaben zu Cressent). A. Pradère, Die Kunst des französischen Möbels, München o.J.; S. 129-139 (biogr. Angaben zu Cressent).
CHF 50 000 / 90 000 | (€ 51 550 / 92 780)
Verkauft für CHF 46 840 (inkl. Aufgeld)