Lot 1315* - A137 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 22. Juni 2006, 10.00 Uhr
KAMINPENDULE "LA LETTRE D'AMOUR",
Directoire, das Modell von F.L. SAVART (François Louis Savart, tätig um 1795/1820), das Zifferblatt sign. KINABLE PALAIS ROYAL NO 131 (Dieudonné Kinable, tätig um 1790/1830), Paris um 1800.
Bronze matt- und glanzvergoldet. Auf einem Fauteuil sitzende junge Frau, auf dem Knie eine Taube mit Liebesbrief im Schnabel, dahinter Guéridon "aux griffons", auf bastionsförmigem, gestuftem Sockel mit Kreiselfüssen. Emailzifferblatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Pariser Werk mit 1/2-Stundenschlag auf Glocke. Reiche, vergoldete Bronzeapplikationen und -beschläge in Form von Putti, Relief, Fackeln, Pfeilen, Insekten, Maschen, Blumen, Voluten und Zierfries. 45x18x49 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Belgien. In der Bibliothèque Nationale befindet sich eine von F.L. Savart signierte und mit "Mr Savart fabrique de bronze rue Philipaux no 11" beschriftete Federzeichnung, die als Vorlage für die hier angebotene Pendule diente. Leicht abgeänderte Varianten dieses Modelles befinden sich im Badischen Museum in Karlsruhe, in der englischen Botschaft in Paris und im Hôtel Borghese. Mehrere weitere Modelle sind bekannt: Eines wurde in Paris von M. Rieuner & Bailly-Pommery am 6.6.1990 (Katalognr. 93) verkauft; ein zweites, sign. Le Roy Horloger De S.A.I. Madame Mère de l'Impéreur, war Bestand der Sammlung D. Brunet; ein drittes wurde von Sotheby's New York am 6.11.1982 (Katalognr. 12) verkauft; eine weitere wurde in unserer November-Auktion 1995 (Katalognr. 4032) verkauft. F.L. Savart bezeichnete sich selbst als "monteur de pendule"; leider sind nur einige Modelle dieses wenig bekannten Uhrmachers erhalten geblieben. D. Kinable führte sein Atelier im Palays Royal Nr. 131, wo er während der letzten Dezennien des 18. Jahrhunderts tätig war. Seine eigentliche Spezialität waren Prunkpendulen "en portique", "en lyre" und "en squelette", die er vor allem für den Pariser Hofadel fertigte. Zwischen 1795 und 1805 erwarb er 21 Gehäuse in Lyrenform aus Sèvres-Porzellan. Kinable arbeitete vor allem mit den "emailleurs" J. Coteau und mit L. Dubuisson zusammen und schuf die wohl elegantesten Uhren der Louis-XVI-Epoche. Lit.: J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1995; S. 339 (biogr. Angaben zu D. Kinable). H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzen, München 1986; I, S. 376 (Abb. 5.15.12, die erwähnte Federzeichnung und Abb. 5.15.13, die Pendule aus dem Badischen Landesmuseum).
CHF 12 000 / 18 000 | (€ 12 370 / 18 560)
Verkauft für CHF 15 600 (inkl. Aufgeld)