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Lot 1079* - A144 Möbel, Porzellan & Dekoration - Montag, 17. März 2008, 10.00 Uhr

AUFSATZSCHREIBKOMMODE,

Barock, Mainzer Raum um 1740.
Nussbaum, -wurzelmaser, Kirsche und heimische Früchtehölzer gefriest sowie fein eingelegt mit Figuren, Filets, Reserven und Zierfries. Prismierter Korpus mit fein geschnitzten Eckvoluten und gekehltem Giebel auf gekehltem Sockel mit Volutenfüssen. Schräge, aufklappbare Schreibplatte über 3 Schubladen. Inneneinteilung mit grossem Zentralfach, flankiert von je 3 übereinander liegenden Schubladen. Zurückgesetzter, architektonisch gegliederter Aufsatz mit geschweifter Doppeltüre zwischen 3 Lisenen mit fein geschnitzten Kapitellen über 2 nebeneinander liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit grossem Zentralfach, flankiert von je 3 übereinander liegenden Schubladen unter Fach. Feine Messingbeschläge und -hänger. 136x68x(offen 79)x225 cm.

Provenienz: Privatbesitz, Deutschland. Sehr bedeutendes, qualitativ hochstehendes Schreibmöbel, in der Art der für den mainfränkischen Raum typischen "Cantourgen". Die Eremitage in St. Petersburg besitzt einen in der Grundstruktur ähnlichen Schreibschrank. Der Stil und die Entwicklung des Rokoko-Möbels in Franken wurden durch die Grossaufträge für die Innenausstattung der Würzburger Residenz bestimmt, die in mehreren Etappen zusammengetragen und ergänzt wurde. Eine der bedeutendsten Werkstätten um 1730/40 war jene von G.A. Guthmann, urkundlich belegt ab 1735. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei G.A. Guthmann um einen ursprünglich aus München angeworbenen Kunstschreiner, der mit drei seiner Familienangehörigen in Würzburg tätig war. Seine Werke zeigen den Einfluss der bayrischen Metropole und von F. Cuvilliés (1695-1768). Seine Formensprache muss als prachtvolle und lokal angepasste Weiterentwicklung der französischen Hofmöbel verstanden werden, die in den 1730er und 40er Jahren in die Residenz geliefert wurden und auf die lokalen Handwerker einen grossen Einfluss ausübten. Die an sich bereits neuen "Münchner" Formen und Schnitzereien entwickelten sich im Würzburger Raum weiter. Der sehr eigenwillige Stil, geprägt von der Opulenz der französischen Régence und der Verspieltheit der Münchner Werke, wurde auf qualitativ hohem Niveau angewandt. Lit.: H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels - Spätbarock und Rokoko, München 1970; II, S. 189-202. A. Gonzales-Palacios, Europäische Möbelkunst - Deutschland, München 1975; S. 49-52. H. Zinnkann, Meisterstücke Mainzer Möbel des 18. Jahrhunderts, Frankfurt 1988; S. 54 (Abb. 48, der erwähnte Schreibschrank aus der Eremitage).

CHF 30 000 / 50 000 | (€ 30 930 / 51 550)

Verkauft für CHF 32 400 (inkl. Aufgeld)