Lot 1123* - A139 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 07. Dezember 2006, 10.00 Uhr
KÖNIGLICHE PRUNK-KOMMODE,
Louis XV, sign. M. CRIAERD (Mathieu Criaerd, Meister 1730), die Bronzen mit "c couronné" (eine Steuermarke, die zwischen 1745 und 1749 auf alle Kupfer enthaltenden Legierungen angebracht wurde), mit Inventarstempel des CHATEAU DE MARLY, Paris um 1745/50.
Satinholz und Amarant gefriest sowie allseitig ausserordentlich fein eingelegt mit Rautenmuster, Diamantspitz und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen ohne Traverse. Ausserordentlich feine, matt- und glanzvergoldete, teils ersetzte Bronzebeschläge und -sabots. Mehrfach profilierte "Griotte Rouge"-Platte. 133x60x84 cm.
Provenienz: - Ehemals Bestand der königlichen Sammlungen des Château de Marly, Frankreich. - Aus französischem Besitz. Hochbedeutende, restaurierte Kommode von perfekter Qualität und Eleganz, das "klassische Modell" von M. Criaerd: ausserordentlich feine Verarbeitung mit Rautenmuster, Diamantspitzmarketerie und die für Criaerd charakteristischen Bronzen "en rocaille". Eine diesbezüglich sehr ähnliche Kommode wurde in unserer Juni-Auktion 2006 (Katalognr. 1162) verkauft. Eine weitere ist abgebildet in: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 217 (Abb. B). Bereits 697 n.Chr. wurde Marly erstmals erwähnt. Im 11. Jahrhundert teilte man die Stadt auf in "Marly le Chastel" und "Marly le Bourg". Als König Louis XIV in den 1670er Jahren beschloss, an diesem Ort einen privaten, gemütlichen Landsitz erbauen zu lassen, wurden die beiden Städtchen unter dem Namen "Marly-le-Roi" wieder vereinigt. Noch während Versailles zur Hauptresidenz von König und Hof erweitert wurde, beauftragte Louis XIV Jules Hardouin Mansart mit dem Um- und Ausbau des Anwesens von Marly, das der König als seinen künftigen Zufluchtsort vor der strengen Hofetikette auserkoren hatte. 1679 begannen die Bauarbeiten; 1686 waren sie so weit fortgeschritten, dass sie einen ersten Aufenthalt des Sonnenkönigs erlaubten. Bis zum Ende seiner Regierungszeit liess Louis XIV Marly unentwegt verschönern und durch das Anlegen eines Flusses, eines grossen Wasserfalles und eines prächtigen Parkes zu einer imposanten Anlage erweitern, die als einzige für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Zur Zeit Louis XIV war Marly Schauplatz zahlreicher königlicher Feierlichkeiten, fern von Etikette und Formalität. Mit dem Tod Louis XIV ging auch die Blütezeit von Marly zu Ende. Bereits unter der Regentschaft, die nach dem König die Staatsgeschäfte leitete, wurde der Park, dessen Unterhalt man als viel zu kostspielig erachtete, von Grund auf neu angelegt. Louis XVI und Marie-Antoinette waren die letzten Vertreter des französischen Königshauses, die das Schloss in Marly-le-Roi bewohnten; während der Revolution verwahrloste das Anwesen völlig und wurde 1799 schliesslich dem Industriellen Sagniel verkauft. Als dieser 1806 finanziell ruiniert war, liess er Schloss und Nebengebäude abreissen und die Baumaterialien verkaufen. Mit dem Erwerb durch Napoleon im darauffolgenden Jahr ging Marly-le-Roi in Staatsbesitz über. Im 19. Jahrhundert war der Ort Anziehungspunkt für viele Künstler. Alexandre Dumas baute hier 1844 nach dem Erfolg seines Romanes "Die drei Musketiere" ein kleines Renaissance-Schloss. Für weitere Angaben zu M. Criaerd siehe auch die Fussnote der Katalognr. 1107.
CHF 120 000 / 180 000 | (€ 123 710 / 185 570)
Verkauft für CHF 166 000 (inkl. Aufgeld)