
FASZINATION
FAYENCE
Vorschau auf die Auktion der Sammlung Dr. Peter Ducret vom 17. September 2026
«Leidenschaft» ist ein Wort, das oft verwendet wird, um Sammler zu beschreiben, und doch trifft es ihre eigentliche Motivation nicht immer. Für manche Menschen ist Sammeln mehr als ein Hobby: Es ist eine Berufung. Peter Ducret, Sohn des international renommierten Porzellansammlers und -experten Siegfried Ducret, wuchs von klein auf in einer Welt des Sammelns auf. Obwohl Sammelleidenschaft keineswegs vererbbar ist, begann auch er schon früh, Schnecken, Muscheln und Fossilien zusammenzutragen. Seine Eltern förderten dieses Interesse, besonders seine Mutter, die ihm Naturfunde und später Fayencen schenkte.
Diese Geschenke legten den Grundstein für eine lebenslange Faszination für Fayencen. Peter Ducret bereiste später die ganze Welt und hielt überall Ausschau nach aussergewöhnlichen Stücken. Seine Tochter schreibt im Katalogvorwort: «Immer wieder begleiteten wir unsere Eltern auf ihren Streifzügen durch Antiquitätenläden und Flohmärkte. Damals sprach ich noch kein Französisch, aber der Satz
‹Est-ce que vous avez de la faïence du 18e siècle?›
ging mir ganz selbstverständlich über die Lippen.»
BEDEUTENDE BILDPLATTE
MIT EINER MONATSALLEGORIE
Künersberg, um 1760.
Fayence mit Muffelfarbendekor. D 38 cm.
Schätzung: CHF 20 000/30 000
Das Sammeln brachte Peter Ducret nicht nur grosse persönliche Freude, sondern auch zahlreiche langjährige Freundschaften und Bekanntschaften. Mit wissenschaftlichem Effort erschloss er sich sämtliche Aspekte seiner Objekte: ihre Herstellungstechniken, ihre Geschichte, ihre Provenienz und ihren Platz im europäischen Kulturerbe. Seine aussergewöhnliche Offenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sein Wissen weiterzugeben und seine Sammlung allen zugänglich zu machen, die sich ernsthaft dafür interessierten, machten ihn zu einer zentralen Persönlichkeit unter Kunstsammlern. Fayencen und ihre Erforschung wurden für ihn zu einer Quelle persönlicher Erfüllung und zugleich zu einer Bereicherung für andere.
HOCHBEDEUTENDE
BILDPLATTE
Fulda, um 1741–44.
Bemalt von Adam Friedrich von Löwenfinck.
Fayence mit Aufglasurtechnik.
18,5 cm × 15,2 cm.
Schätzung: CHF 30 000/40 000
HOCHBEDEUTENDE
BILDPLATTE
Fulda, um 1741–44.
Bemalt von Adam Friedrich von Löwenfinck.
Fayence mit Aufglasurtechnik.
18,5 cm × 15,2 cm.
Schätzung: CHF 30 000/40 000
Die Sammlung Ducret umfasst eine aussergewöhnliche Vielfalt an Fayencen des 18. Jahrhunderts in all ihren Erscheinungsformen. Einen besonderen Platz nehmen jedoch Trompe-l’oeil-Fayencen ein. Der französische Begriff bedeutet wörtlich «Täuschung des Auges». Und genau das tun diese Objekte: Sie geben sich als etwas aus, das sie nicht sind, etwa als Blumenkohl, Ente oder Spargelbündel. Doch wie entstand diese Mode an den europäischen Fürstenhöfen? Kaum etwas fürchtete der Adel des 18. Jahrhunderts mehr als die Langeweile. Tanz, Theater und Glücksspiel aber auch Klatsch und Intrigen sorgten für Zerstreuung im oft eintönigen Hofleben. Vor allem aber begeisterte alles, was überraschte und Staunen hervorrief. Prächtige Feuerwerke, Automaten oder Zauberkünstler waren stets willkommen, ebenso wie Trompe-l’oeil-Keramiken, die diese Vorliebe für das Unerwartete perfekt bedienten. Auf reich gedeckten Tafeln verbargen sich in Terrinen in Form von Gemüse, Fischen oder Vögeln Suppen aus eben jenen Zutaten oder, überraschender noch, köstliche Süssspeisen.
TROMPE-L'OEIL BLUMENKOHL
UND PRÉSENTOIR
Strasbourg, Periode Paul Hannong, um 1754–60.
Terrine Ø 27,5 H 18,5 cm, Présentoir Ø 41 cm, H 7 cm.
Schätzung: CHF 8 000/12 000
PAAR TROMPE-L'OEIL SPARGELBÜNDEL AUS DEM CLEMENSWERTHER SERVICE
Strasbourg, Periode Paul Hannong, 1751.
Je L 16,5 cm; H 6,5 cm.
Schätzung: CHF 4 000/6 000
Es verwundert daher kaum, dass diese geistreichen Schöpfungen auch Peter Ducret mehr als zwei Jahrhunderte später in ihren Bann zogen. Seine Sammlung umfasst zahlreiche seltene und herausragende Beispiele dieser Kunstgattung, viele davon aus der berühmten Strassburger Werkstatt der Hannong-Dynastie. Ein Paar Terrinen in Entenform, eine Taubenterrine, Terrinen in Form von Spargelbündeln und Artischocken sowie zwei originelle Butterdosen in Gestalt von Schildkröten zeugen nicht nur von Peter Ducrets sicherem Gespür für Qualität und Seltenheit, sondern auch von seinem Bestreben, einen repräsentativen Überblick über diesen bemerkenswerten Zweig der Fayence-Produktion zusammenzutragen. Entstanden ist dabei eine Sammlung, die Historikern ebenso wie Liebhabern dieses Kunsthandwerks neue Einblicke eröffnet. So verband Peter Ducret zwei Bereiche, die ihn sein Leben lang faszinierten: die Natur und die Fayence.
SCHILDKRÖTE
ALS BUTTERDOSE
Fulda, um 1750, zugeschrieben.
L 25 cm, H 7,5 cm, B 11,5 cm.
Schätzung: CHF 5 000/7 000
PAAR TROMPE-L'OEIL
ARTISCHOCKEN
Strasbourg, Periode Paul Hannong, um 1750–54.
Jeweils ca. Ø 10,5 cm; H 11 cm.
Schätzung: CHF 4 000/6 000
PAAR TROMPE-L'OEIL REBHÜHNER AUS DEM CLEMENSWERTHER-SERVICE
Strasbourg, Periode Paul Hannong, um 1745–54.
L 21,5 cm; H 18 cm bzw. 20,5 cm; H 18,5 cm.
Schätzung: CHF 12 000/22 000

