
Mit Sinn für Humor
Vorschau auf die Auktion Post-War & Contemporary vom 25. Juni 2026
Richard Princes Arbeit «Untitled (The Band 2)» aus dem Jahr 2007 gehört zu den eindringlichsten Werken seiner Serie «Joke Paintings». Auf einer monumentalen Leinwand liegt ein dichter Textblock über Fotografien der mit Bob Dylan tourenden Rockgruppe The Band. Die Gesichter der Musiker sind unter milchig weisser Farbe nur geisterhaft sichtbar. Schrift, Bild und malerische Spur verschränken sich zu einer vibrierenden Oberfläche, die zwischen Klarheit und Auflösung schwankt. Der Blick des Betrachters tastet sich suchend durch die Komposition und folgt einem Witz, der zugleich banal, verletzend und dabei präzise wirkt. Prince verbindet Strategien der Pop Art mit der freien Geste des Abstrakten Expressionismus und verwandelt Sprache selbst in Malerei. Aus einem flüchtigen Männerwitz entsteht ein Bild über Macht, Rollenbilder und kulturelle Erinnerung. «Untitled (The Band 2)» zeigt, wie eng Humor, Scham und gesellschaftliche Rituale miteinander verbunden sind.
Richard
Prince
Untitled (The Band 2). 2007.
Acryl und Collage mit Papier auf Leinwand.
2-teilig. 221 × 275 cm
Schätzung: CHF 300 000/400 000
In Barry Flanagans Bronzeplastik «Jackass and Elephant» werden zwei Tiere zu einer ebenso heiteren wie irritierenden Erscheinung vereint. Auf dem Rücken eines Elefanten sitzt ein Esel, leicht aus der Balance geraten und doch erstaunlich selbstverständlich. Die fast zwei Meter hohe Skulptur lebt von diesem Spiel aus Gewicht und Bewegung. Kompositorisch ist die Skulptur durch ein vertikales Gleichgewicht bestimmt. Der massive Körper des Elefanten bildet eine stabile Basis, während der Esel darüber eine spannungsvolle Gegenbewegung erzeugt. Flanagan belässt die Oberfläche rau und offen. Vertiefungen, Brüche und sichtbare Spuren des Modellierens erinnern daran, dass die Form hier nicht geglättet, sondern entwickelt wurde. Gerade darin zeigt sich seine Abkehr von der strengen Nachkriegsmoderne. Statt makelloser Perfektion interessiert ihn der Prozess, das Suchende und Vorläufige. Seit den 1960er-Jahren erweiterte Flanagan die Bildhauerei mit ungewöhnlichen Materialien und einer neuen Freiheit im Umgang mit Volumen und Raum. Auch «Jackass and Elephant» verbindet Humor mit skulpturaler Präzision.
Barry
Flanagan
Jackass and Elephant. 1995.
Bronze. 2/8. 205 × 112 × 56 cm.
Schätzung: CHF 300 000/400 000
© 2026, ProLitteris, Zurich
Farbliche Verdichtung
Während viele Zeitgenossen die reine Abstraktion als einzig zeitgemäss ansehen, beweist de Staël mit «Gentilly», dass die gegenständliche Welt durch die Linse der Abstraktion neu erfahren werden kann. Das Werk lebt von der farblichen Verdichtung der visuellen Erfahrung. Es vermittelt die Ruhe und Weite der Landschaft und zeugt von de Staëls einzigartiger Fähigkeit, Licht und Raum durch die physische Präsenz der Farbe zu konstruieren.
Hommage an die Farbe
«Homage to the Square (White Enclave)» von Josef Albers aus dem Jahr 1961 ist ein exemplarisches Beispiel aus einer ganzen Serie. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung der Wechselwirkungen von Farben: Wie sie im Zusammenspiel erscheinen, sich gegenseitig beeinflussen und in ihrer Wirkung verändern. Farbe wird dabei nicht als feste, unveränderliche Konstante begriffen, sondern als ein relatives und vom jeweiligen Kontext abhängiges Phänomen.
Josef Albers. Homage to the Square
(White Enclave). 1961. Öl auf Masonit. 45,5 × 45,5 cm.
Schätzung: CHF 150 000/250 000 © The Josef and Anni
Albers Foundation / 2026, ProLitteris, Zurich
Mehr Schein als Sein?
Das Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss beschäftigte sich mit den Dingen, die wir als selbstverständlich hinnehmen; Dinge, die wir entweder kaum noch wahrnehmen oder denen wir im Gegenteil eine übersteigerte Bedeutung beimessen. Hier stellen sie das Automobil in einer anonymen, standardisierten Form dar und werfen die Frage auf, wie wir unser «Zeug» eigentlich sehen. Würden wir noch immer so an den Dingen hängen, wenn wir ihren seelenlosen Kern erkennen könnten?
Peter Fischli und David Weiss.
Ohne Titel (Auto). 1986. Gips. Aus der Auflage von 6.
48 × 156 × 87 cm.
Schätzung: CHF 20 000/30 000
Eine neue Schicht
In «Coloured Vases» überträgt Ai Weiwei 39 neolithische Vasen unterschiedlicher Proportionen in einen zeitgenössischen Kontext und bewegt sich damit bewusst im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Durch die vollständige Übermalung unterzieht er die Objekte einer Transformation und macht sie zu eigenständigen neuen Kunstwerken. Mit diesem radikalen Eingriff entzieht er den Gefässen ihre historische und kulturelle Lesbarkeit.
Ai Weiwei.
Coloured Vases. 2006. Installation.
Acryl auf 39 Keramikvasen (Detail).
Schätzung: CHF 70 000/100 000


