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Rückblick 2025

«LES BELLES DU BAL»


Bei der Auktion Gemälde des 19. Jahrhunderts im März 2025 entpuppte sich ein grosses Gruppenporträt von Otto Scholderer als deren Star. Das Werk aus den Jahren 1879/80 zeigt zehn Damen und zwei Kinder bei der Vorbereitung auf einen Kostümball und weckte grosses Interesse bei Museen und privaten Sammlern. Der an der Städelschen Kunstakademie in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main ausgebildete Scholderer war ein enger Freund von Édouard Manet, Henri Fantin- Latour, Hans Thoma und Wilhelm Leibl. Er gilt als wichtiges Bindeglied zwischen Romantik und Impressionismus in der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Endpreis von 185 000 Franken übertraf die obere Schätzung um das Zehnfache; erworben hat das grossformatige Gemälde das Musée d’Orsay in Paris.

OTTO
SCHOLDERER

Vor dem Kostümball. 1879/80.
Öl auf Leinwand. 137 x 18,5 cm.
Verkauft für CHF 187 000
ans Musée d’Orsay in Paris

JEAN-BAPTISTE
CAMILLE COROT

La chevrière Italienne.
Um 1860–65. Öl auf Leinwand.
46,7 × 37,3 cm.
Verkauft für CHF 150 000
an eine Westschweizer Sammlung

Jean-Baptiste Camille Corots museales Gemälde «La chevrière italienne» entstand um 1860/65 und zählt zum Spätwerk des «Gründervaters» der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Mit seinen italienisierten Naturdarstellungen hatte Corot bereits zu Lebzeiten grossen Erfolg und auch nach seinem Tod blieb die Faszination für seine Landschaftsmalerei weltweit ungebrochen. Das von uns angebotene Gemälde war ab 1914 lange Zeit Teil der renommierten Kunstsammlung der Philanthropin Estelle Doheny in Los Angeles, bevor es 1988 aus ihrem Nachlass in die Schweiz gelangte und wir es nun marktfrisch anbieten konnten. In unsere September-Auktion ging es mit einer attraktiven Schätzung, die zum Verkaufserfolg von 150 000 Franken beigetragen hat.

«Jahrzehntelang verschollenes Kunstwerk von Wilhelm Busch wieder zurück im Berliner Kupferstichkabinett»

WILHELM BUSCH

Die drei Räuber.
Aus: Die kühne Müllerstochter.
Schwarze Kreide. 14 × 13 cm.
Staatliche Museen zu Berlin

Eine Zeichnung von Wilhelm Busch erregte 2025 grosse Aufmerksamkeit. Obwohl sie nie in unsere Auktion gelangte, schrieb sie eine der schönsten Geschichten des Jahres. Wilhelm Buschs «Drei Räuber» illustrieren das Gedicht «Die kühne Müllerstochter » von 1868. Die drei Halunken bilden das zweite Motiv einer elfteiligen Bildfolge zu einer schaurigen Geschichte die bei Nacht in einer Mühle spielt.

Bei der Provenienzprüfung erkannte Franz-Carl Diegelmann, Leiter der Abteilung Alte Grafik und Zeichnungen bei Koller, die Tuschzeichnung als ein Werk, das einst dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin gehörte. Im Jahr 1909 hatte die Institution diese und weitere Zeichnungen bei den Erben des Künstlers für die damals veranstaltete Busch-Ausstellung des Vereins Berliner Künstler erworben. 1945 lagerte das Museum die Zeichnung des Comic-Pioniers zusammen mit anderen Werken aus. Durch die Kriegs- und Nachkriegswirren ging sie – wie so viele weitere Kunstwerke auch – verloren und galt seitdem als verschollen.

Koller konnte zwischen dem Museum und der Besitzerin, die das Blatt geerbt hatte, vermitteln. Am Ende verzichtete diese grosszügigst auf die Versteigerung und schenkte das Blatt den Staatlichen Museen in Berlin, denen es einst gehörte.