Lot 1394 - A218 Works of Art & Decorative Arts - Donnerstag, 17. September 2026, 10.00 Uhr
GOLD-EMAILDOSE MIT SINGVOGELAUTOMAT
Genf, um 1790. Das Werk signiert Jaq(t) Droz & Leschot London (Jaquet-Droz & Leschot London). Meistermarke GRC unter Krone für Georges Rémond & Cie.
Ovale Golddose, guillochiert und graviert, der Deckel mit transluzidem, blauem Email überzogen. Die Wandung mittels ionischen Doppelsäulen unterteilt in vier rechteckige Felder, oben und unten weiss gerahmt. Abschlüsse mit emaillierten Zierfriesen in Weiss, Türkis, Blau und Gold. Aufklappbarer Deckel mit transluzidem blauem Email mittig ein zusätzlicher ovaler Deckel in perlenbesetzter Aussparung, bemalt mit einer Schäferszene nach dem Gemälde "La Marotte" von François Boucher (1703–1770). Darunter ein beweglicher Singvogel mit echtem Federkleid und Hornschnabel. Feines Werk mit Blasebalg und Pfeife(n). Unter dem Hauptdeckel der Aufzug sowie Teile des skelettierten Werkes. Seitliche Platine mit der Signatur. Unter dem guillochierten, aufklappbaren Bodendeckel verbirgt sich ein Fach. Beide Deckel mit Meistermarke GRC.
8,7 × 6 × 4 cm.
Leichte Kratzspuren sowie geringe Fehlstellen am Email. Kl. Restaurierungen am Email. Seiten und Boden ehem. mit Emaillierung.
Provenienz:
Pierre Jaquet-Droz (1721–1790) war der Begründer einer der bedeutendsten Uhrmacherdynastien des 18. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet figürlicher Musikautomaten, technisch anspruchsvoller Uhren und Singvogelautomaten galt er als Meister seines Fachs. Seine raffinierten Erfindungen führten ihn an die grossen europäischen Königshöfe, wo er seine technischen Meisterwerke präsentierte.
Zusammen mit seinem Sohn Henri-Louis Jaquet-Droz (1752–1791) und seinem Adoptivsohn Jean-Frédéric Leschot (1746–1824) entwickelte er das Unternehmen zu einem international tätigen Betrieb mit mehreren Niederlassungen. 1775 eröffnete die Firma zudem eine Filiale in London. Dank der engen Geschäftsbeziehungen zum berühmten Goldschmied und Händler James Cox erschloss sie sich von dort aus ein florierendes Exportgeschäft bis an den chinesischen Kaiserhof, wo die Nachfrage nach feinsten Uhren, Automaten und wissenschaftlichen Instrumenten besonders gross war. Nach dem Tod von Pierre beziehungsweise Henri Jaquet-Droz in den Jahren 1790 und 1791 führte Jean-Frédéric Leschot das Unternehmen unter dem Namen „Jaquet-Droz Leschot“ weiter.
Das aufwendig und ausserordentlich fein gearbeitete Goldgehäuse mit transluzidem Email und applizierten Perlen stammt von dem berühmten Goldschmied Jean-Georges Rémond (1752–1830). Der aus Hanau stammende Meister gründete 1783 in Genf seine erste Firma „Georges Rémond & Cie“ und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Goldschmiede für luxuriöse Uhrengehäuse. Seine Arbeiten wurden in ganz Europa sowie nach Russland, in die Türkei und nach China exportiert.
Die Entwicklung mechanischer Singvogelautomaten geht auf einen Modetrend des 17. Jahrhunderts zurück. Damals erfreute sich die Haltung und Abrichtung von Kanarienvögeln grosser Beliebtheit. Ihr Gesang wurde mithilfe des Flageoletts oder später der sogenannten Serinette, einer kleinen Drehorgel, geschult. Jean-Claude Hervieux de Chanteloup beschreibt diese Ausbildung ausführlich in seinem Nouveau Traité des Sérins de Canarie (Paris, 1709), das bis heute als grundlegende Quelle gilt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Serinette durch einen weitaus raffinierteren Mechanismus ersetzt, dessen Entwicklung Jaquet-Droz und seinem Sohn zugeschrieben wird. Mithilfe einer Metallkolbenpfeife, eines steuerbaren Luftventils und eines verschiebbaren Kolbens liessen sich erstmals ausserordentlich naturgetreue Vogelstimmen erzeugen. Diese technische Innovation ermöglichte die Herstellung kleiner und hochpräziser Singvogelautomaten.
Zusammen mit seinem Sohn Henri-Louis Jaquet-Droz (1752–1791) und seinem Adoptivsohn Jean-Frédéric Leschot (1746–1824) entwickelte er das Unternehmen zu einem international tätigen Betrieb mit mehreren Niederlassungen. 1775 eröffnete die Firma zudem eine Filiale in London. Dank der engen Geschäftsbeziehungen zum berühmten Goldschmied und Händler James Cox erschloss sie sich von dort aus ein florierendes Exportgeschäft bis an den chinesischen Kaiserhof, wo die Nachfrage nach feinsten Uhren, Automaten und wissenschaftlichen Instrumenten besonders gross war. Nach dem Tod von Pierre beziehungsweise Henri Jaquet-Droz in den Jahren 1790 und 1791 führte Jean-Frédéric Leschot das Unternehmen unter dem Namen „Jaquet-Droz Leschot“ weiter.
Das aufwendig und ausserordentlich fein gearbeitete Goldgehäuse mit transluzidem Email und applizierten Perlen stammt von dem berühmten Goldschmied Jean-Georges Rémond (1752–1830). Der aus Hanau stammende Meister gründete 1783 in Genf seine erste Firma „Georges Rémond & Cie“ und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Goldschmiede für luxuriöse Uhrengehäuse. Seine Arbeiten wurden in ganz Europa sowie nach Russland, in die Türkei und nach China exportiert.
Die Entwicklung mechanischer Singvogelautomaten geht auf einen Modetrend des 17. Jahrhunderts zurück. Damals erfreute sich die Haltung und Abrichtung von Kanarienvögeln grosser Beliebtheit. Ihr Gesang wurde mithilfe des Flageoletts oder später der sogenannten Serinette, einer kleinen Drehorgel, geschult. Jean-Claude Hervieux de Chanteloup beschreibt diese Ausbildung ausführlich in seinem Nouveau Traité des Sérins de Canarie (Paris, 1709), das bis heute als grundlegende Quelle gilt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Serinette durch einen weitaus raffinierteren Mechanismus ersetzt, dessen Entwicklung Jaquet-Droz und seinem Sohn zugeschrieben wird. Mithilfe einer Metallkolbenpfeife, eines steuerbaren Luftventils und eines verschiebbaren Kolbens liessen sich erstmals ausserordentlich naturgetreue Vogelstimmen erzeugen. Diese technische Innovation ermöglichte die Herstellung kleiner und hochpräziser Singvogelautomaten.
CHF 70 000 / 110 000 | (€ 72 160 / 113 400)
Verkauft für CHF 137 500 (inkl. Aufgeld)