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Lot 3027 - A216 Gemälde Alter Meister - Freitag, 27. März 2026, 14.00 Uhr

PIETER BRUEGHEL d. J.

(Brüssel 1564–1638 Antwerpen)
Allegorie des Herbstes. 1622.
Öl auf Holz.
Unten rechts auf dem Brunnenrand signiert und datiert: P. BREVGHEL. 1622.
Verso mit Brandmarken der Stadt Antwerpen und vom Tafelmacher Michiel Claessens (tätig in Antwerpen 1590–1637).
41,1 × 56 cm.

Provenienz:
- Wohl Sammlung Henri Auguste Brölemann (1775–1854).
- Wohl Sammlung Arthur Brölemann (1826–1904).
- Wohl Sammlung Blanche Bontoux (1859–1955), Nichte von Arthur Brölemann, Ehefrau von Etienne Mallet (1853–1929), wohnhaft in der Villa Choisi, Westschweiz.
- Wohl Auktion Sotheby's, London, 19.6.1935, Los 7, als Teil einer Jahreszeiten-Serie (mit Frühling, Sommer und Winter), dort erworben durch Rosenbaum.
- Kunsthandel Marguerite Schulthess, Basel, 1935.
- Schweizer Privatbesitz, seit vier Generationen.

Literatur:
- Wohl George Marlier: Pieter Bruegel le Jeune, Brüssel 1969, S. 235, Nr. 8.
- Wohl Ausst.-Kat. Von Cranach bis Monet. Europäische Meisterwerke aus dem Nationalen Kunstmuseum Bukarest, hrsg. von Ruxandra und Alexander Jotzu, Wuppertal 1994, S. 76.
- Wohl Klaus Ertz: Pieter Brueghel der Jüngere (1564–1637/38). Die Gemälde mit Kritischem Oeuvrekatalog, Bd. II, Lingen 1988/2000, S. 537 und S. 598–599, Nr. E649.

Untersuchungsbericht von Dr. Christina Currie, KIK-IRPA, Royal Institute for Cultural Heritage, Januar 2026.

Vor genau 404 Jahren malte Pieter Brueghel d. J. diese eindrückliche Allegorie des Herbstes, die mit P. BREVGHEL signiert und 1622 datiert ist. Sie entstand im Zusammenhang mit einer Serie der vier Jahreszeiten und war vermutlich zuletzt 1935 auf dem Auktionsmarkt angeboten. Seither in Schweizer Privatbesitz und seit vier Generationen in derselben Familie, erfreut es besonders, dass diese qualitätsvolle und museale Arbeit wieder in der Öffentlichkeit zu sehen ist.

Pieter Brueghel d. J. ist einer der bedeutendsten Vertreter der Brueghel Dynastie und prägte vor allem die künstlerische Verbreitung des väterlichen Erbes. Pieter d. J. war 5 Jahre alt, als sein Vater, Pieter Brueghel d. Ä. (1520/25–1569), verstarb, sein jüngerer Bruder, Jan d. Ä. (1568–1625), noch ein Säugling. Die Söhne erlernten das Malen zunächst von der Mutter, Mayken de Coecke (1545?–1578), Tochter des Antwerpener Meisters Pieter Coecke van Aelst (1502–1560) und der Mayken Verhulst (1518–1596/99), die als Grossmutter im Anschluss ebenfalls die künstlerische Ausbildung der Knaben beeinflusste. Nach 1578 siedelte die Familie nach Antwerpen über und Pieter d. J. wurde 1584/85 als Meistersohn (und Freimeister) Mitglied der Antwerpener Sankt Lukasgilde. Jan Brueghel wurde 1597 Mitglied.

Um 1600 entwickelte sich eine enorme Nachfrage nach der vom Vater geprägten Brueghel-Malerei, die nach dem Tod des Älteren zunächst von Künstlern wie Pieter Balten (1527/28–1584) und Marten van Cleve (1527–1577/81) aufgegriffen wurden. Pieter Brueghel d. J. beherrschte das väterliche Repertoire, darunter Jahreszeitendarstellungen, Sprichwörter, Drei Königs-Darstellungen, Hochzeits- und Jahrmarktszenen vorzüglich, die durch druckgraphische Vorlagen und Zeichnungen Verbreitung fanden. Sicherlich dürfte Pieter d. J. auch einzelne Originale des Vaters gekannt haben, aber nur wenige waren zugänglich, da sie bereits früh in aristokratische Sammlungen verkauft wurden und dort verblieben. Es war Pieter Brueghel d. J. der letztendlich die Popularität des väterlichen Malstils inszenierte, was durch die geringe Verfügbarkeit von Originalgemälden Pieter d. Ä. gefördert wurde. Pieter d. J. beherrschte vor allem vorzüglich die Darstellung von Menschen im Stile des Vaters. Anders als sein jüngerer Bruder, der als der sogenannte "Samtbrueghel" sich auf Blumenstillleben und Landschaftsmalerei spezialisierte. Pieter d. J. variierte und ergänzte die väterlichen Kompositionen und entwickelte sie zu seiner Spezialisierung.

Die hier angebotene Allegorie des Herbstes ist eine charakteristische Darstellung aus dem Kontext einer Vier-Jahreszeiten-Serie, die ländliches Treiben mit typischen Aktivitäten der herbstlichen Jahreszeit darstellt. Im Vordergrund findet eine Metzgete mit Schweineschlachtung statt, bei der neben mehreren agierenden Personen auch die Kinder zuschauen und sich bereits freudig einen Panzenluftballon zum Spiel ergattert haben. Das Geschehen findet vor einem Gasthof Krone statt, dessen namensgebendes Schild rechts neben dem Baum prominent platziert ist. Aus dem Dachfenster reicht eine Person ein Strohbündel. Im Hintergrund vor einer weiten Flusslandschaft sind rechts Rebstöcke und Bauersleute bei der Weinlese erkennbar. Im Mittelgrund werden die Trauben in Körben herbeigebracht, in einem grossen Holzbottich gestampft und der Saft wird in grosse Holzfässer gefüllt, die von einem Pferdefuhrwerk abtransportiert werden. Dahinter zwischen Bäumen sind Holzfäller am Werk, im Dorfkern finden sich Passanten in alltäglichen Tätigkeiten, darunter auch ein urinierender Mann in Rückenpose vor einer Häuserwand als belustigende Anekdote.

Technologische Untersuchungen des KIK- IRPA (Royal Institute for Cultural Heritage, Brüssel) unter der Leitung von Dr. Christina Currie, der wir dafür danken, belegen u.a. die Vielfalt an Unterzeichnungen, die den künstlerischen Aufbau der Malerei und die Virtuosität des Meisters vor Augen führen (siehe ausführlicher Bericht). Currie hebt besonders die qualitätsvolle künstlerische Umsetzung Pieter Brueghels d. J. hervor.

Rückseitig finden sich die Brandmarken der Stadt Antwerpen, mit dem Stadttor und den beiden Händen und gespreizten Fingern sowie die des Panelenmachers Michiel Classens als Qualitätsmerkmal. Eine Petition vom 13. November 1617 hatte eine Qualitätsregulierung der Panelen- und Rahmenproduktion gefordert, die von einer Gruppe von Mitgliedern der Sankt Lukasgilde beim Bürgermeister und den Ratsherren der Stadt Antwerpen eingereicht und ein Monat später bewilligt wurde. Diese war vom Ratsherrn Michiel Claessens und 21 weiteren Paneelenmachern, Spiegelhandwerkern und Rahmenmachern lanciert worden. In dem Schreiben personalisieren sich die Meister mit ihren persönlichen Motiven oder Initialen, die sie auch auf ihre Tafeln einbrannten. So auch Michiel Claessens Kleeblatt, welches rückseitig auf unserer Tafel zu erkennen ist und sogar zweimal angebracht wurde.

Prof. Jørgen Wadum, dem wir ebenfalls für seine wissenschaftliche Hilfe danken, hebt bei unserer Tafel hervor, dass diese Marken von ausgezeichneter Qualität sind und die Holzplatte in ihrer ursprünglichen Bearbeitung erhalten ist. Die markanten Werkspuren der Holzoberfläche belegen dies. Die erkennbare Antwerpener Brandmarke klassifiziert Wadum als Nr. 1, die im Zeitraum von 1617–1626 Verwendung fand (siehe auch Jørgen Wadum: The Antwerp Brand on Paintings on Panel, in: Looking through Paintings, hrsg. von Erma Hermens, London 1998, S. 189, Tafel 2).

1570 veröffentlichte der Verleger Hieronymus Cock (1518–1570) eine Jahreszeitenfolge aus vier Kupferstichen. Zwei dieser Kupferstiche basieren seitenverkehrt auf Zeichnungen von Pieter Brueghel d. Ä. ("Frühling", Albertina Wien und "Sommer", Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle). Ungeklärt bleibt, warum Pieter d. Ä. nicht auch den "Herbst" und "Winter" als Vorlagen beisteuerte. Ein möglicher Grund wird in der Wissenschaft der frühe Tod des Meisters vermutet. "Herbst" und "Winter" wurden von Hans Bol (1534–1593) gezeichnet und für die Stiche verwendet. Unsere Komposition des Schweineschlachtens basiert auf der herbstlichen Version aus der Kupferstichserie. Ob unser Gemälde einst Teil einer vollständigen Jahreszeitenfolge entstand, ist nicht ganz bewiesen, aber sehr wahrscheinlich, insbesondere da davon auszugehen ist, dass unser Gemälde 1935 aus der Sammlung Mme Mallet de Choisi in London mit den drei weiteren Jahreszeiten versteigert wurde. Die notariell beglaubigte Autorschaftsbestätigung von Marguerite Schulthess, Basel, aus demselben Jahr lässt vermuten, dass die Serie in diesem Jahr getrennt und die Werke einzeln verkauft wurden.

Klaus Ertz nennt neben der 1622 datierten und in London versteigerten Folge die einzige heute noch in Museumsbesitz befindliche Serie in Bukarest im Nationalmuseum sowie zwei weitere 1624 datierte komplette Folgen (Auktionen Fischer, Luzern, 1927, Lose 14–17/Christie's London 2016, Los 6 und Sotheby's London 1972/ Galerie L. Koetser 1972 (Ertz 1988/2000, S. 542)).

Die bei uns zu erkennende, wunderbar erhaltene Signatur P. BREVGHEL ist typisch für den Künstler, die er in dieser Weise ab 1616 verwendete, während diese zuvor noch an die väterliche Schreibweise P. BRVEGHEL angelehnt war. Die zusätzliche Datierung 1622 liefert ein wertvolles Merkmal und lässt das Werk prominent in das Oeuvre integrieren.

CHF 300 000 / 500 000 | (€ 309 280 / 515 460)

Verkauft für CHF 1 807 000 (inkl. Aufgeld)