Sie haben noch kein Login?

Klicken Sie hier um sich zu registrieren »


Wenn Sie bereits registriert sind - Login:




Lot 3448 - A217 Post-War & Contemporary - Donnerstag, 25. Juni 2026, 15.00 Uhr

ROBERT RAUSCHENBERG

(Port Arthur 1925–2008 Captiva Island)
Crosstown [Anagram (A Pun)]. 1997.
Pflanzenfarbtransfer auf Polylaminat.
Unten links signiert und datiert: RAUSCHENBERG 97, sowie verso betitelt und nummeriert: 97.091 CROSSTOWN.
152 × 310,5 cm.
Im originalen Künstlerrahmen.

Gutachten:
Galerie Jamileh Weber (Galeriezertifikat), Zürich.

Provenienz:
- Künstlerstudio.
- Galerie Jamileh Weber, Zürich.
- Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 2000 erworben.

Robert Rauschenberg wird 1925 in Port Arthur, Texas, geboren und nimmt nach dem Zweiten Weltkrieg seine künstlerische Ausbildung auf. Er studiert unter anderem am Black Mountain College, wo ihn die Lehre von Josef Albers nachhaltig prägt, von deren strenger Formensprache er sich jedoch bewusst absetzt. Entscheidende Impulse erhält er zudem durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit John Cage und Merce Cunningham. In den 1950er-Jahren entwickelt Rauschenberg daran anknüpfend seine sogenannten "Combines", in denen er Malerei mit Alltagsobjekten verbindet, und schafft damit die Grundlage für eine Kunst, die die Grenze zwischen Bildraum und Realität auflöst.

Das vorliegende Werk "Crosstown" aus dem Jahr 1997 aus der Serie "Anagram (A Pun)" ist seiner späten Schaffensphase zuzuordnen. In den 1990er-Jahren führt Rauschenberg seine über Jahrzehnte entwickelte Praxis der Bildmontage konsequent fort und erweitert sie zugleich, um neue technische Möglichkeiten zu erforschen. Die Serie reflektiert sein anhaltendes Interesse an Fragmentierung, sprachlicher Mehrdeutigkeit und der Offenheit von Bedeutungsgenese. "Crosstown" steht damit in der Tradition seiner früheren Arbeiten, zeichnet sich jedoch zeitgleich durch eine detailreiche und atmosphärisch dichtere Bildsprache aus.

Die Technik des Werkes basiert auf einem komplexen Zusammenspiel von collagiertem fotografischem Transfer und Überarbeitung. Rauschenberg überträgt fotografische Motive auf die Bildoberfläche, wodurch diese weich eingebettet und teilweise verschwommen erscheinen. Im Gegensatz zu seinen früheren Siebdrucken entstehen hier fliessende Übergänge zwischen den Bildelementen. Mehrere Schichten aus Bildfragmenten, Farbaufträgen und grafischen Elementen durchdringen sich gegenseitig und erzeugen ein offenes, visuelles Gefüge, das keine eindeutige Hierarchie vorgibt.

Die horizontal weit ausgreifende Komposition "Crosstown" verschränkt urbane Bildwelten miteinander. Architektonische Fragmente, Strassenszenen und typografische Elemente wie "Soups" oder "Coffee Bar" verweisen auf die visuelle Kultur der Grossstadt New York City. Diese Motive überlagern sich mit bildhaften Zitaten und farbigen Flächen, die zwischen Transparenz und Verdichtung wechseln. Ein Brückenmotiv im linken Bereich evoziert Bewegung und Verbindung, während Fassaden und Innenansichten im rechten Teil eine Verdichtung städtischer Erfahrungen andeuten.

Das Werk entfaltet keine lineare Erzählung, sondern präsentiert ein Netzwerk gleichzeitiger Eindrücke. In dieser Vielschichtigkeit spiegelt sich Rauschenbergs zentrales künstlerisches Anliegen: die Aufhebung klarer Grenzen zwischen Kunst und Leben sowie die Darstellung einer Wirklichkeit, die durch Überlagerung, Fragmentierung und mediale Bilder geprägt ist.

CHF 100 000 / 150 000 | (€ 103 090 / 154 640)

Verkauft für CHF 450 000 (inkl. Aufgeld)