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JEAN-BAPTISTE GREUZE
Bildnis eines Kindes, wohl Prinz Octavius von Grossbritannien.
Öl auf Holz. 17,5 cm × 14,5 cm.
Schätzung: CHF 12 000/18 000
Verkauft für CHF 49 000
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Die Bestimmung der Identität des Dargestellten auf einem Porträt ist oft mit detektivischer Arbeit verbunden - man sammelt Hinweise, zieht Schlüsse und kann manchmal eine wahrscheinliche Identifizierung vornehmen. Im Falle des hier angebotenen kleinen Jungen von Jean-Baptiste Greuze gibt es zwei Anhaltspunkte:

Der erste ist ein Etikett, das sich ursprünglich auf der Rückseite der Tafel befand und die Inschrift "Eigenthum Ihrer Majestät der Königin Mathilde von Württemberg" trägt. Charlotte Mathilde war die älteste Tochter von König Georg III. von Grossbritannien und seiner Königsgemahlin, Charlotte. Die Tatsache, dass sich dieses Gemälde im Besitz von Charlotte Mathilde befand, bedeutet, dass sie es nicht nur mitnahm, als sie im Alter von 33 Jahren Friedrich, den späteren König von Württemberg, heiratete, sondern auch nach Schloss Ludwigsburg bei Stuttgart, als sie sich dort nach Friedrichs Tod als Königswitwe niederliess. Wenn sie dieses kleine Porträt zeitlebens in ihrem persönlichen Besitz hatte, muss ihr der Dargestellte sehr viel bedeutet haben.

Der zweite Anhaltspunkt liegt in der Physiognomie des Dargestellten. Dr. Eberhard Fritz, Archivar des Hauses Württemberg, hat eine starke Ähnlichkeit, insbesondere in der Augenpartie, mit Porträts einiger Geschwister der Königin festgestellt. Der wahrscheinlichste Kandidat ist ihr jüngster Bruder, Prinz Octavius von Grossbritannien. Charlotte Mathilde war zwölf Jahre alt, als Octavius geboren wurde, und war sechzehn, als er im Alter von vier Jahren plötzlich an den Folgen einer Pockeninokulation starb. Seine Anwesenheit in ihrem Leben fiel in eine Zeit, in der sie an ihm fast wie an einem eigenen Kind hing und von seinem Tod stark betroffen war.

 

THOMAS GAINSBOROUGH
Prinz Octavius, September 1782.
Öl auf Leinwand. 56,4 × 42 cm.
Royal Collection Trust.
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Octavius wurde auch von seinen königlichen Eltern verehrt. Sein Vater mochte ihn besonders, und als Octavius starb, war König Georg am Boden zerstört. Als sein Sohn Alfred sechs Monate zuvor starb, soll der König gesagt haben: "Es tut mir sehr leid für Alfred, aber wäre es Octavius gewesen, wäre ich auch gestorben". Später im Leben, während seiner Wahnsinnsanfälle, bildete sich der König ein, Octavius zu sehen und Gespräche mit beiden verstorbenen Söhnen zu führen.

Obwohl Charlotte Mathilde nie eigene Kinder hatte, war sie eine hingebungsvolle Mutter für Friedrichs drei Kinder aus seiner ersten Ehe, die zu dem Zeitpunkt, als Charlotte und Fredrick heirateten, bereits Teenager waren. Der deutsche Schriftsteller Gustav Schwab beschrieb die Königin als "gebildete, künstlerisch begabte, fromme und warmherzige Frau". Sie war an der Gründung des Ludwigsburger Mathildenstifts beteiligt, einem Heim für vernachlässigte Kinder.

Dieses geschätzte Porträt erwarb Richter Henry Martyn Shepard, dessen Vorfahren zu den ersten englischen Siedlern in Neuengland gehörten, vermutlich während einer Europareise im Jahr 1859. Es blieb im Besitz seiner Familie in den USA, bis es kürzlich in eine europäische Sammlung gelangte.



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