AUF DEM WEG IN DIE MODERNE
VORSCHAU AUF DIE AUKTION IMPRESSIONISMUS & MODERNE VOM 28. NOVEMBER 2025
In seinem Gemälde «L’après-midi à Naples» verbindet Paul Cézanne den klassischen Mythos des Bacchanals mit einer bürgerlichen Alltagsszene. Zwei liegende Akte umschlingen sich auf einem Bett, während eine dritte Figur eine Schale Punsch reicht. Die spannungsvoll arrangierte Komposition entfaltet sich in einem engen Raum aus schweren Draperien in gedämpftem Licht. Beim vorliegenden Gemälde handelt es sich wohl um die kleinere Fassung eines gleichnamigen Werks, das Cézanne rund zehn Jahre zuvor konzipiert hatte und das heute als verschollen gilt. Entstanden in den Jahren 1876/77, gehört das Werk zu einer kleinen Gruppe erotischer Darstellungen, mit denen Cézanne auf Édouard Manets skandalöse «Olympia» reagierte.
Beide interessierte dabei nicht der Mythos selbst, sondern das Bild des modernen Körpers als nicht idealisierte, malerische Form. Die Figuren und der Verweis auf barocke Meister wie Rubens zeigen Cézannes Dialog mit der Tradition, während die helle, durchlässige Farbgebung bereits seinen eigenen Stil ankündigt. Unter dem Einfluss von Camille Pissarro löste er sich von dunklen Tönen und fand zu jener klaren, strukturierten Farbfläche, die später die Moderne prägen sollte. Erster Besitzer des kleinen Bildes war der Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard, der Cézanne im Jahr 1895 eine bahnbrechende Ausstellung widmete, die von jungen Künstlern wie Picasso, Matisse und Braque besucht wurde. Sie alle erkannten in Cézanne den Wegbereiter einer neuen Kunst.
FRANCIS
PICABIA
Les peupliers, Grez-sur-Loing, temps gris.
Um 1906–09. Öl auf Leinwand. 65 × 81 cm.
Schätzung: CHF 200 000/300 000
Um 1902 entdeckt Francis Picabia den Impressionismus für sich. Inspiriert von Monet und Pissarro widmete er sich Licht, Bewegung und Atmosphäre. Zwischen 1906 und 1909 malte er in Grez-sur-Loing, wo Werke wie «Les peupliers» entstehen: flirrende Baumreihen, vibrierende Pinselstriche und gedämpftes Licht in Blau- und Grüntönen. Hier findet Picabia zu einer eigenen Handschrift, die die Natur in Bewegung übersetzt. Diese kurze, aber prägende Phase führt ihn von der Beobachtung zur Abstraktion und ebnet den Weg für seine späteren, radikal modernen Experimente.
Henry Manguin malte «Femme endormie, petite Marie» im Jahr 1911 in Neuilly-sur-Seine. Die Schlafende mit der Anmut einer Odaliske verkörpert stille Intimität, die weichen Linien, die leuchtenden Fauve-Farben und das Spiel von Licht und Schatten schaffen eine träumerische Sinnlichkeit. Das Gemälde zählte einst zur Sammlung von Alfred Hahnloser.
HENRI CHARLES
MANGUIN
Femme endormie, petite Marie. 1911.
Öl auf Leinwand. 92 × 73 cm.
Schätzung: CHF 80 000/120 000


