Sie haben noch kein Login?

Klicken Sie hier um sich zu registrieren »


Wenn Sie bereits registriert sind - Login:



Pablo Picasso. Deux femmes avec un vase à fleurs.

PICASSO UND DER VERLORENE SCHNITT

VORSCHAU AUF DIE AUKTION PRINTS & MULTIPLES VOM 27. NOVEMBER 2025

In den 1950er-Jahren entdeckt Pablo Picasso den Linolschnitt als künstlerische Ausdrucksform für sich neu. Die Farblinolschnitte, die zwischen 1954 und 1963 in Zusammenarbeit mit dem Drucker Hidalgo Arnéra im südfranzösischen Vallauris entstehen, zählen heute zu den bedeutendsten grafischen Werkgruppen seines Spätwerks.

Mit «Buste de femme, d’après Cranach le Jeune» greift Pablo Picasso im Jahr 1958 ein Motiv der deutschen Renaissance auf und interpretiert es in seiner eigenen modernen Bildsprache neu. Der Anlass für diesen Farblinolschnitt ist eine kleine Reproduktion: eine Postkarte, die sein Galerist und Freund Daniel-Henry Kahnweiler aus Wien an ihn sendet. Sie zeigt ein Damenporträt von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515–1586), betitelt «Bildnis einer Frau», das im Jahr 1564 entsteht und heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt wird.

PABLO
PICASSO

Buste de femme d‘après Cranach le
Jeune. 1958. Farblinolschnitt.
Épreuve d‘artiste. 76,5 × 56,5 cm.
Schätzung: CHF 350 000/500 000
© Succession Picasso / 2025, ProLitteris, Zurich

Bemerkenswert ist die Wirkung der Farbschichtung: Die übereinander gedruckten Farbflächen erzeugen mit einer handwerklichen Raffinesse eine ungewöhnliche Tiefe und Dreidimensionalität, wodurch das Werk eine starke visuelle Präsenz gewinnt. Picasso transformiert das ursprüngliche Bildnis radikal in seiner eigenen Ausdrucksweise: Aus der eleganten, detailreichen Dame entsteht eine streng frontale, beinahe maskenhafte Figur. Die Züge sind geometrisch abstrahiert, die Augen weit geöffnet, der Mund geschlossen. Das Gesicht ist zugleich archaisch und modern, reduziert auf seine elementaren Formen.

LUCAS
CRANACH d. J.

Bildnis einer Frau. 1564.
© KHM Museumsverband.

Lucas Cranach le Jeune. Bidlnis einer Frau.

Besonders innovativ im Umgang mit dem Medium des Hochdrucks zeigt sich seine Arbeit durch die Anwendung des «verlorenen Schnitts». Dabei schnitzt er alle Farben in einer einzigen Linolplatte, die er schrittweise bearbeitet. Nach dem Druck jeder Farbstufe wird die Platte weiter weggeschnitten, wodurch frühere Stufen unwiederbringlich verloren gehen. Diese Methode erlaubt zwar keine Korrekturen oder Wiederholungen, führt aber zu einer aussergewöhnlich präzisen Registerhaltung und einer eindrucksvollen gestalterischen Dichte.

Das Los 3620, «Deux femmes avec un vase à fleurs» aus dem Jahr 1959, ist ebenfalls ein wunderbares Beispiel für Picassos Technik. Die Serie zeigt drei verschiedene Zustände des Drucks, die schrittweise zur finalen, signierten Version führen. Eine solche vollständige Serie ist eine Seltenheit und besonders wertvoll für Sammler.

PABLO
PICASSO

Deux femmes avec un vase à fleurs. 1959.
Los mit 4 Farblinolschnitten:
4. Zustand und 3 Druckerexemplare.
© Succession Picasso / 2025, ProLitteris, Zurich

Clarisse Doge, Koller Auctions

KONTAKT FÜR
INFORMATIONEN UND
EINLIEFERUNGEN:


CLARISSE DOGE

Abteilungsleiterin
Grafik & Multiples

doge@kollerauktionen.com
+41 44 445 63 20