Lot 3244* - Z35 Art Impressionniste & Moderne - vendredi, 06. décembre 2013, 17h00

SIGNAC, PAUL

(1863 Paris 1935)
St. Tropez. La Ville et Les Pins. 1902.
Oil on canvas.
Signed and dated lower right: P. Signac 1902.
65 x 81 cm.

Provenienz: - Henry van de Velde (im Tausch direkt von Signac erhalten). - The Lefèvre Gallery, London. - Sammlung Robert Kahn-Sriber, Paris. - Privatsammlung London. - Galerie Daniel Malingue, Paris. - Galerie Salis, Salzburg (1994). - Privatbesitz Deutschland. Ausstellungen: - Paris 1903: Grande Serre de l'Alma au Cours-La-Reine, 19e Exposition de la Société des artistes indépendents, 20. März - 25. April 1903, Nr. 2246. - Paris 1907: Galerie Bernheim-Jeune, Paul Signac, 21. Januar - 2. Februar 1907, Nr. 26. - Paris 1923: Galerie Bernheim-Jeune, Paul Signac. Peintures - cartons de tableaux - dessins - aquarelles, 16.-31. Mai 1923, Nr. 19. - Paris 1985: Galerie Daniel Maligne, Renoir. Maîtres impressionistes et moderne, 25. April - 15. Juni 1985, Nr. 3. - Salzburg 1986: Galerie Salis, Paul Signac. 1863-1935. Aquarelle, Ölgemälde, Zeichnungen, 24. Juli - 15. September 1986, Nr. 6. - Münster/Grenoble/Weimar 1996-97: Westfälisches Landesmuseum, 1. Dezember 1996 - 16. Februar 1997, Musée Grenoble 9. März - 25. Mai 1997, Weimar Kunstsammlungen, 15. Juni - 31. August 1997, Signac et la libération de la couleur, Nr. 17, (mit Farbabb.). Literatur: - Cachin, Françoise; Ferretti-Bocquillon, Marina. Signac - Catalogue Raisonné de l'oeuvre peint, Gallimard, Paris 2000, Nr. 383, S. 258 (mit Abb.). - Laertes, La Dépêche de Toulouse, 26. März 1903, S. 2. - Josz, V. L'Européen, 28. März 1903, S. 15. - Pip. La Nouvelle Revue, März-April 1903, S. 419. - Guinaudeau, B. L'Action, 3. April 1903, s. 2. - Saunier, Ch. La Revue Universelle, Nr. 84, 15. April 1903, S. 196-197. - Dervaux, A. La Plume, 15. Juni 1903, Nr. 340, S. 652. - Ausst.Kat: Ferretti-Bocquillon, Marina. Signac et la libération de la couleur, Westfälisches Landesmuseum, 1. Dezember 1996 - 16. Februar 1997, Musée Grenoble 9. März - 25. Mai 1997, Weimar Kunstsammlungen, 15. Juni - 31. August 1997, S. 62, Kat.Nr. 17 (mit Farbabb.). Paul Signac gehört zu den einflussreichsten Künstlern des auslaufenden 19. Jahrhunderts, der mit der Erfindung des sogenannten Pointillismus die Türen für viele moderne Kunstströmungen geöffnet hat. Er wird 1863 in Paris geboren, beginnt Architektur zu studieren, bis er sich mit 18 Jahren dazu entschliesst, sich voll und ganz der Kunst zu widmen. Das Kennenlernen von Claude Monet und Georges Seurat 1884 ist für den Autodidakten Paul Signac von grosser Bedeutung. Er verehrt Monets Malerei, aber das systematische Arbeiten Seurats liegt ihm mehr, so dass sie gemeinsam den divisionistischen Malstil, der als Post-Impressionismus oder Pointillimus in die Kunstgeschichte eingeht, entwickeln. Durch Seurats frühen Tod im Jahr 1891 wird Signac zum Wortführer dieser Kunstrichtung. Seine Farbtheorie legt er 1899 in dem Standardwerk "D'Eugène Delacroix au Néo-Impressionisme" fest; untermauert wird dieses Traktat durch den Kritiker Felix Fénéon und den Naturwissenschaftler Charles Henry. 1892 heiratet er Berthe Robels in Paris. Seit diesem Jahr verlässt er jeden Sommer Paris, um in das noch kleine, verschlafene Fischerdörfchen St. Tropez zu reisen, von wo aus der begeisterte Segler zahllose Segeltouren unternimmt. Im November 1897 zieht er mit Berthe nach Castel Beranger und kauft noch im selben Jahr das Haus La Hune in St. Tropez. 1913 zieht er mit seiner 2. Frau Jeanne Selmerheim-Desgrange nach Antibes. Als Präsident der Societé des Artistes Indépendants, er bekleidet dieses Amt von 1908 bis zu seinem Tod, setzt er sich zunehmend für junge Künstler und neuen Künstrichtungen wie André Derain, Henri Matisse, die Fauves sowie die Kubisten ein. 1935 stirbt Paul Signac in Paris. Ins rötliche Licht der untergehenden Sonne getaucht, erstreckt sich die Bucht von St. Tropez vor dem auf einer Anhöhe stehenden Betrachter. Sein Blick wandert in die Ferne zur blauen Hügelkette. Die rosa-gelbe Tönung des Himmels spiegelt sich in der Bucht wider. Rote Farbflecken der untergehenden Sonne beleuchten die Dächer der Stadt, die blau-violett schimmert. Als effektvollen Kontrast setzt Signac den Vordergrund seines Werkes dagegen: am rechten Bildrand erhebt sich der tiefgrüne Pinienwald, durch dessen Blattwerk die Rot- und Gelbtöne der untergehenden Sonne schimmern und den Waldboden in ein kräftiges Rot tauchen. Im Vordergrund setzt er alle bisher genannten Farben zu einer harmonischen, warmen Komposition zusammen. Es gelingt ihm eindrücklich die Stimmung in diesem Werk allein durch die Verwendung von Farbe zu gestalten. Während er im Hintergrund Farbnuancen oder 2-3 Farben kombiniert und somit eine helle, lichte Atmosphäre schafft, scheint der Vordergrund durch die dunklen Farbtöne und die Kombination aller Farben im Schatten zu liegen. Vergleichen wir das vorliegende Gemälde mit dem 10 Jahre zuvor entstandenem Werk "Soleil couchant sur la ville" wird seine künstlerische Entwicklung eindrucksvoll deutlich. Der Bildausschnitt ist kleiner gewählt, wodurch Signac den Fokus ganz und gar auf die Farben und ihre Wirkung legt. Der Farbenreichtum, das Spiel mit Kontrasten und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Farben beherrscht er meisterlich. Die Farbpalette ist kräftig und strahlend, und der Betrachter blickt nicht nur auf die Bucht, sondern er beginnt die Atmosphäre des Sonnenuntergangs, das Farbenspiel und die Wärme zu spüren. 1892 ist seine Farbpalette noch naturalistisch, die Kontraste sind fliessender und nicht so beherrschend. Sein Pinselduktus ist ruhiger und weniger dynamisch. Fast hat man als Betrachter den Eindruck, dass es 1892 noch überwiegend um die Darstellung des von ihm gerade entdeckten St. Tropez und seiner Umgebung geht; 10 Jahre später, nachdem er mit seiner ersten Frau ein Haus hier erworben hat, ein grosses Atelier betreibt und zahllose Segeltouren von hier aus gestartet hat, will er dem Betrachter ein Gefühl für diesen Ort vermitteln. Signac hält sich konsequent an seine Theorie und setzt sie auch in unserem Gemälde eindrücklich um. Anders als sein grosses Vorbild Claude Monet mischt er die Farben nicht mehr auf seiner Palette, sondern nutzt die neu aufgekommene Farbenlehre und setzt die Pigmente auf den Gemälden nebeneinander. Auf diese Weise bleiben die verwendeten Farben rein, kräftig und strahlend, und das Auge des Betrachters übernimmt selbst die "Vermischung der Farben". Erst direkt vor dem Bild erkennen wir, dass es sich um einzelne, aneinander gesetzte Farbpunkte handelt; von Weitem erschliesst sich dem Betrachter ein einheitliches Gemälde. Dieser revolutionäre Einsatz von Farben macht es notwendig, den Werken eine klare Komposition zu Grunde zu legen, damit diese einzigartige Wirkung in Kraft tritt. Signac führt aber mit dem Pointillismus nicht nur eine neue Kunstgattung im ausgehenden 19. Jahrhundert ein, sondern die "formal abstrahierenden pointillistische Technik" legt den Grundstein für die "gegenstands - und raumauflösenden Tendenzen des 20. Jahrhunderts" (zit.: art Directory).

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