Lot 1535 - A192 Sammlung Müller-Frei - Dienstag, 16. Juni 2020, 14.00 Uhr

BUREAUPLAT

Régence. Frankreich, Paris, circa 1730. Der Werkstatt des Charles Cressent zuzuweisen.
Amarant furniert. Rechteckiges, wenig vorstehendes Blatt in Bronzestab gefasst sowie mit brauner Lederauflage. Auf wellig ausgeschnittener Zarge und geschweiften Beinen in Tatzensabots. Front mit drei Schubladen, die mittlere leicht zurückversetzt. Die Schauseite mit derselben Einteilung, jedoch blind. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Voluten, Palmetten und Gitterwerk. Die Schlüsselschilder mit Doppeldrachenköpfen. 2 Schlüssel.
79 x 164 x 85 cm.

Furnier teils ausgebleicht, Restaurierungen und Ergänzungen. Bronzen teils später.

Charles Cressent, 1685 als Sohn des "sculpteur du Roi" François Cressent geboren, arbeitete zunächst im Atelier seines Vaters. Bereits als junger Lehrling knüpfte er Kontakt zu G. Oppenordt, der als "premier architecte" des Duc d'Orléans tätig war. 1710-1714 arbeitete C. Cressent für Girardon und Lorrain und erhielt von der Académie St. Luc 1714 den Titel "maître sculpteur". Er schuf hochwertiges Mobiliar für den Adel der französischen Metropole. Zu Cressents Kundschaft gehörten der Marquis de Marigny, der Duc de Richelieu, bedeutende Sammler wie Marcellin de Selle, Bounier de la Mosson, Brozat, Julienne, Blondel de la Gagny, König Joao V. von Portugal und Angehörige des Bayrischen Hofes, für die er quellenmässig gesicherte Möbel lieferte. Cressent und sein Konkurrent A. Gaudreaux definierten in den Jahren 1720/40 den "style Régence", gekennzeichnet durch eine elegante, geschweifte und als majestätisch zu bezeichnende Formgebung und qualitativ hochwertiges, variantenreiches und bis anhin unbekanntes Bronzezierwerk.

Das hier angebotene Bureauplat entspricht in Form und den verwendeten Bronzen einer Serie von kleineren Bureauplats des Charles Cressent. Ausser der Grösse ist diesen Bureauplats eine gewisse Einfachheit in Furnierarbeit und Bronzezierde gemein. (Pradère 2003, S. 137-138). Allerdings ist das hier angebotene Bureauplat im Vergleich zu dieser Serie kleiner Schreibtische etwas länger. Ein in Form und Bronze sehr ähnliches kleines Bureauplat findet sich in der Sammlung Riahi (Pradére 2003, Nr. 67, S. 138 sowie 270 mit Abbildungen). Es verfügt zum Teil auch über die selben Schlüsselschilder mit den Doppeldrachen. Jedoch weist dieses Möbel eine aufwändigere Marketerie auf.
Dabei sind Möbel mit einfacherem Furnier bei Charles Cressent durchaus bekannt, so etwa ein Bureauplat à Espagnolettes corsetées im Chateau de Versailles, das wie unser Stück relativ schlicht in Amarant furniert ist. (Pradère 2003, Cat. 52, S. 120 und 267.)
Literatur: Alexandre Pradère, Charles Cressent. Dijon 2003. Nr. 67, S. 138.

CHF 25 000 / 35 000

€ 21 930 / 30 700