Lot 1045 - A188 Möbel, Porzellan & Silber - Donnerstag, 28. März 2019, 13.30 Uhr

SELTENE "LACCA POVERA" AUFSATZSCHREIBKOMMODE,

Norditalien, Barock, wohl Venedig, Mitte 18. Jh.
Holz moulüriert, elfenbeinfarben gefasst sowie teils vergoldet. Reiches Dekor in Arte Povera Manier, Darstellungen von Jagd- und Hirtenszenen sowie Galanterien. Trapezförmiger Korpus mit leicht eingezogenen Seiten. Aufsatz mit mehrfach geschweiftem Kranz und verspiegelten Doppeltüren, öffnend auf beidseitig dekorierten inneren Türen sowie später eingebaute Spiegelwand. Unterteil mit schräg gestellter Schreibplatte über 4 Schubladen. Die Schreibplatte öffnend auf 4 Schubladen und 1 Fach. Teils spätere Messingbeschläge. Restauriert. Fehlstellen und Gebrauchsspuren, die Vergoldung erneuert. Die Dekorationen auf der Innenseite der inneren Türen sowie im Schreibabteil wohl später. 1 Schlüssel.
139x58(92)x238 cm.

Provenienz:
- ursprünglich italienischer Privatbesitz.
- über Erbfolge in heutigen Schweizer Privatbesitz.

Dieses elegante Möbel ist allseitig in der "lacca povera" oder "arte povera" Technik verziert. Dabei wurden auf das hell gefasste Möbel ausgeschnittene und kolorierte Kupferstichmotive appliziert und danach die Oberfläche mehrfach mit einem speziellen, gelblichen pflanzlichen Lack versehen, dem sogenannten "sandracca". Der Lack diente zum Schutz der Stiche sowie dem Nivellieren der Oberfläche. Druckereien, wie diejenige von Giovanni Antonio Remondini in Venedig, produzierten Blätter mit figürlichen Szenen und Landschaften, welche ausgeschnitten werden konnten.
Der Ursprung dieser ins 17. Jh. zurückreichenden Technik lag im Verlangen, die sehr beliebten chinesischen und japanischen Lackmöbel zu imitieren. Sie ist ein Zeugnis des regen Handels Venedigs mit dem fernen Osten.

CHF 100 000 / 150 000

€ 93 460 / 140 190